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Meine Empfehlung - Hörenswerte Hörspiele

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4001) PerryClifton © schrieb am 19.06.2022 um 12:44:25: Das stimmt allerdings, die Sache mit Holmes etc. ist eine gelungene Referenz innerhalb eines größeren fiktionalen Universums, so wie man es sonst zum Beispiel bei Lovecraft findet. Hitchcock wird so ebenfalls zur Kunstfigur, in einer Form, die die Realität derart gänzlich verlassen hat, dass man ihn imho problemlos heute weiterleben lassen könnte, ohne dass irgendjemand denkt "Oh je, sie können ja eigentlich gar nicht mehr zu Hitchcock gehen, da er ja tot ist". Holmes als wirklich lebenden Charakter darzustellen ist allerdings nicht neu, das war schon zu Conan Doyles Zeiten so. Ein anderes Beispiel für eine Vermischung dieser Art findet sich im Werk von Karl May.
Marx das reine, interessierte Hinterfragen zu unterstellen finde ich schon sehr wohlwollend Natürlich hinterfragt er alles, aber immer mit dem Vorsatz, dass er die Antworten schon kennt, nämlich dass alles verlogen, wertlos und elend ist und in die Knie gezwungen gehört. Daraus kann man sicher einen literarischen Ansatz machen. In besagten Kinderbüchern finde ich es allerdings fehl am Platz, besonders, wenn es sich um ein voretabliertes Werk anderer Autoren handelt, dass man dann nur noch auseinandernehmen muss. Lasst ihn doch mal etwas Neues aufbauen, anstatt etwas Vorhandenes zu dekonstruieren. Ich glaube nicht, dass er das hinbekommt. Ganz abgesehen davon, dass seine Dekonstruktionen nicht einmal fair sind. In allem nur das Negativste zu sehen, ob es nun wirklich da ist oder nicht, ist keine große Leistung. Ich verweise wieder auf den gestohlenen Preis als Buch, wenn man eine faire und ausgewogenere Charakterisierung einer Hauptfigur sehen will.
Du hast recht, was die Ansprüche angeht. Da sich diese mit der Zeit verändern, passt man ja auch seine Lesegewohnheiten an. Wenn man dann zu "trivialer" Kinderliteratur zurückkehrt, sucht man dort auch nicht mehr die Dinge, die man woanders findet. Was nicht heißen soll, dass in besagter Literatur nicht Dinge zu finden sind, die man woanders nicht findet bzw. dass nicht auch Erwachsene dort etwas (wieder-)entdecken können. Allerdings regt man sich dann nicht darüber auf, dass eine etablierte Serie bei ihren Charakteristika wie Bilderdiebstählen oder Geistererscheinungen bleibt. Man erkennt aber, wo sie gut umgesetzt werden und wo sie nur pro forma, ohne Überzeugung, eingesetzt wurden und somit komplett verpuffen. Natürlich geht und ging es immer schon um was anderes; einige Autoren kapieren das überhaupt nicht, andere prinzipiell schon, ziehen aber ihr eigenes Ding durch, welches leider zufällig destruktiv bezüglich der eigentlichen Sache ist. Ab und zu erscheint mal eine Folge, die nicht nur die Versatzstücke richtig handhabt, sondern damit auch noch eine tiefere Übereinstimmung mit der Serie erzielt. Das passiert allerdings so sporadisch, dass man es nur noch zufällig nennen kann.
Um fair zu sein; die Serie hat natürlich heute ein Grundproblem: Sie weiß nicht wirklich, in welcher Zeit sie spielt, wie alt die Protagonisten sind, welche technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen es gab oder nicht gab und wie realistisch bzw. fantastisch sie sein will. Sie hat auch keine einheitliche, logische Hintergrundgeschichte mehr und keine stringenten Charakterzeichnungen. Nichteinmal die örtlichen Gegebenheiten sind noch schlüssig. In diesem "verrückten Labyrinth" kann jeder mal zwei Meter gehen und kommt irgendwo an... Da kann man sich doch nur TKKG loben *g*
4000) Mihai Eftimin © schrieb am 19.06.2022 um 11:50:23: Letztendlich geht es bei allem darum, welche persönlichen Ansprüche man an ein Werk hat, und inwieweit es das auffängt, was es einem zu vermitteln sucht. Klingt jetzt nach einer Platitüde, ist aber für JEDE Geschichte entscheidend, und da spielt es keine Rolle, ob wir von "Hochliteratur" oder von "Trivialliteratur" sprechen. Man muss sich am Ende immer fragen, warum einem der (literarische) Erzähler diese Geschichte erzählt hat. Am Beispiel der "dritten Zivilisation" geht es halt darum, Fragen aufzuwerfen - für Stanislav eben die Frage nach dem Sinn von allem (und da kommt man wohl unweigerlich hin, wenn man ewig und drei Tage allein auf einer Weltraummission abhängt und hin und wieder mal was repariert), für den Jungen dann eben um scheinbar triviale Dinge, die für Individuen seiner eigentlichen Spezies absolute Simplizitäten darstellen, ihm aber, bedingt durch das Aufwachsen in einer neuen Heimat, ohne die alte zu kennen, komplett unbekannt sind. Dadurch wird er zum Bindeglied zwischen alter und neuer Heimat, eben zur "dritten Zivilisation". Hat man das als Leser/Hörer einmal verstanden, ist es plötzlich komplett irrelevant, ob auf dem Planeten irgendwelche Orks oder Morlocks oder wattauchimmer rumgeistern und was das für welche sind, ist die exakte Aufklärung über selbige am Ende bestenfalls ein "nice to have"; funktionieren tut die Geschichte auch ohne, weil sie gar nicht erst den Fokus darauf legt.
Die DDF-Classics spielen allein schon dadurch eine Sonderrolle, dass sie nicht nur einen literarischen Wert aufweisen (ein für mich besonderes Beispiel dafür erkläre ich weiter unten), dessen Einfluss wohl nicht mal ihr Erschaffer erahnen konnte, sondern auch, weil sie eine Tradition begründet haben, die die Hörspiel-Landschaft bis heute prägt: Jeder weiß, was DDF mal gut gemacht hat, und sucht dementsprechend einen Weg, sich genau diese Charakteristika zu eigen zu machen. Marx' Weg ist der des Hinterfragens, der Suche nach Fragen, die die Classics nach seiner Auffassung nicht hinreichend beantworten, und stellenweise durchaus auch der Subversion. Point Whitmark hat einen Weg gesucht, an das anzuknüpfen, was speziell die Hörspiele zu Klassikern macht, und gleichzeitig neue Wege zu gehen. Seaport Secrets will ebenfalls daran anknüpfen, gleichzeitig aber auch ausbügeln, was bei PW etwas überhand nahm. Die 3 Senioren wollen eine humorvolle Hommage an die DDF-Classics (und andere Serien) sein, gleichzeitig aber auch eine originelle Geschichte erzählen. Letztendlich stellt das alles eine Kontinuität dar, welche unübersehbar ist und vor allem an die Nostalgie appelliert. (Selbiges wollte wiederum "The New Three Investigators" in den USA, aber das Projekt ist ja leider gescheitert.) Das Ergebnis muss jeder für sich beurteilen.
Hier mein oben angekündigtes Beispiel für einen beispiellosen literarischen Kniff: das "Gespensterschloss". Hier wird der realexistierende Alfred Hitchcock erstmals zur fiktionalen Romanfigur. Gleichzeitig wird durch Justus klar verdeutlicht, dass innerhalb des hier erschaffenen Universums Sherlock Holmes, Hercule Poirot und andere reale Personen waren. Dies ist mit Abstand die genialste Vermischung von Realität und Fiktion, die mir je in einem Kinderbuch untergekommen ist. Allein deshalb finde ich dessen Reduktion auf "Trivialliteratur" reichlich fragwürdig. Da steckt einfach so viel mehr drin.
3999) PerryClifton © schrieb am 19.06.2022 um 09:04:31: Mit Tschechow kann ich bisher nicht dienen Richtig, das ist genau die Sache. Wenn man sowas hört/liest und dann eine "Aufklärung" erwartet, hat man falsche Vorstellungen von dem, was man da vor sich hat. Warum das Gebotene trotzdem reicht, weißt du ja. Nun ist Whitehead wohl keine "Hochliteratur" (und über den Begriff kann man sowieso streiten), aber in seinen Geschichten steckt offenbar mehr drin, als in "Riesenspinnen jagen Leute über Insel". Ich zögere wiederum mit dem Begriff, aber Muster der "Trivialliteratur" sind nicht alles. (Der Verzicht auf ebensolche natürlich auch nicht). Wenn man da allerdings nie herausgekommen ist, kann man sich auch nach weiteren hundert Folgen DDF noch streiten, dass es ja immer um Bilderdiebstähle und Geister geht und das natürlich alles viel besser wird, wenn man Klischees einfach umdreht und Erwartungen untergräbt... Speck mit Bohnen statt Bohnen mit Speck. Marx hingegen bringt das Künststück fertig, genau das zu tun, dabei aber wie etwas weniger triviale Literatur AUSZUSEHEN. Daher wohl auch seine Anhängerschaft. Allerdings ist seine Methode einfach die Subversion. Man könnte auch sagen, er trampelt jeden Turm um, den er findet. Andere haben da natürlich auch mitgemacht. Aber die einzige echte literarische Tiefe ist hier in den Klassikern zu finden. Und das bereits weniger in den Spätklassikern, so sehr ich sie teilweise auch mag. Was wiederum zu Seaport Secrets führt: Genau da ist ja auch deren Schwachpunkt zu finden: Die Macher haben die Charakteristika guter Hörspiele vollkommen verinnerlicht und wenden sie effektiv an. Gut, dass man nicht jede Rolle mit professionellen Sprechern besetzen kann, ich nachvollziehbar. Die Geschichten selbst sind offensichtlich mit Herzblut und auch Nostalgie geschrieben und sind generell sehr sympathisch. Sie imitieren aber andere stark, die Anleihen bei DDF sind teilweise überdeutlich, bleiben allerdings letztlich (gelungene) Pastiches. Das merkt man dann an den Stellen, wo Sachen nur verwendet werden, weil sie in solchen Hörspielen immer verwendet wurden und daran, dass die Geschichte selbst nicht so "hängen bleibt", wie man es von den Originalen gewohnt ist. Natürluch steckt auch etwas Persönliches drin, sonst wäre die Serie nicht zu ertragen. Aber die Eigenständigkeit muss dort noch zunehmen. Kurioserweise hatte PW in der ersten Folge das Zeug, etwas viel Eigenständigeres zu erschaffen, entwickelte sich dann aber schnell in eine andere Richtung...
3998) Mihai Eftimin © schrieb am 18.06.2022 um 22:11:07: Was aus Stoff von Lem gemacht wurde, muss ich mir wohl auch mal anhören. Zu dieser hier sei gesagt, dass viel spontan über Dinge wie der Sinn vom Sein philosophiert und alles gezeigt, aber relativ wenig aufgeklärt wird. Dennoch war das Werk für mich an sich vollkommen und bedarf dessen, was einige nach einer erklärenden Fortsetzung hat schreien lassen, überhaupt nicht, da war ich völlig zufrieden. Mag aber, wie gesagt, daran liegen, dass mir die russische Erzähltradition, wie ich sie insbesondere durch Anton Tschechow kennengelernt habe, durchaus nicht komplett fremd ist, und sie für mich auch in der Adaption durchscheint. Ist möglicherweise für einige gewöhnungsbedürftig.
Zum Medium an sich: Sassenberg z.B. versteht es durchaus, mehr Blockbuster-Vibes in seine Produktionen einzubinden und dem Hörspiel an sich ein neues Gesicht zu geben - dafür lässt es halt an einigem anderen vermissen, wie wir ja allein schon anhand von PW festgestellt haben. Er hat die Zeichen der Zeit erkannt, dafür aber auch ALLES über Bord geworfen, was mal am Medium geschätzt wurde und zusehr auf Effekthascherei gesetzt. Im Gegenzug existiert eben Seaport Secrets, was ein extremer Gegenpol dazu ist, aber halt auch dadurch punktet.
Zur Wechselbeziehung zwischen Buch und Hörspiel hab ich ja schon einige Male die Blauen herangezogen ... *g* Auch dort sind mir in letzter Zeit immer mal wieder Werke untergekommen, die eine gewisse Fallhöhe suggerieren, selbst wenn sie partiell vom selben Autor sind. Aber auch DDF taugt zum Vergleich, auch wenn man keine pauschalen Aussagen dazu treffen kann ...
3997) PerryClifton © schrieb am 18.06.2022 um 21:22:20: *Lem, Stanislaw
**sowieso
3996) PerryClifton © schrieb am 18.06.2022 um 21:20:03: Bei den Strugatzkis ist es simpel: Einfach ALLES lesen und glücklich sein *g* Wäre aber nie darauf gekommen, sie als Hörspielvorlage zu nutzen. Obwohl, bei lem hat es ganz gut funktioniert. Aua, Lovecraft... dafür gehen aber zwei Mark in die Kalauer-Kasse
Yo, das mit der Fallhöhe ist auch ein interessanter Blickwinkel. Ich glaube, ich meinte auch folgendes unterbewusst mit: In einem Buch kommt man nicht so schnell mit Mängeln durch, wie in einem fertigen Hörspiel (oder Film). Sprecher, Musik, Effekte, Explosionen etc. Wenn in einem Buch steht: "Er öffnete die Tür und eine Gestalt war herausgetreten" kriegt man direkt die Krätze. Im Hörspiel kann man es noch zur Not überhören, besonders wenn in der Soundkulisse gerade noch Brimborium herrscht. Ganz zu schweigen von einem actionreichen Blockbuster. Wer in Büchern "trainiert", ist imho besser aufgestellt als jemand, der es direkt in Skriptform probiert. Natürlich in der Regel, Ausnahmen gibt es immer. Aber in einem Buch kommt man irgendwann nicht mehr mit "Er hat eine Waffe!" für einen guten Showdown durch, wenn nicht noch was anderes hinzukommt. In Hörspielen ist das hingegen zum Tropos geworden, was besonders bei Ablegern der neueren Generationen wie z.B. Point Whitmark auffällt. Die Wechselbeziehung von Buch und Hörspiel bei DDF aktuell hat sowie mittlerweile alle Grenzen der Vergleichbarkeit mit anderen Sachen gesprengt und ist ihr eigenes Phänomen.
3995) Mihai Eftimin © schrieb am 18.06.2022 um 20:40:23: Also geht es gar nicht sosehr um die qualitativen Unterschiede, sondern mehr um die potentielle Fallhöhe, die sich ergibt, wenn man eine literarische Vorlage in ein anderes Medium, hier also Hörspiel, überträgt? Wenn du darauf hinauswillst, nimm mein Autogramm. *g* Anders ausgedrückt, ich habe kein Vergleichsobjekt bei einem Hörspiel, das auf keiner Vorlage beruht, und wenn es dann schlecht ausgefallen ist, kann ich mich "nur" über miese Qualität aufregen, und nicht zusätzlich auch noch darüber, wieviel besser es hätte sein können, hätte man die Umsetzung der Vorlage nicht vergeigt, oder, noch folgenreicher, wenn man die Vorlage nicht einmal kennt und trotzdem hörbare Schwächen bemerkt, der Genuss der Vorlage einem die Adaption NOCH kaputter machen kann. Beispiele dafür, dass es allerdings schon an der Vorlage gelegen haben kann, müssen wir in der jüngeren Veröffentlichungsgeschichte von DDF ja nun auch nicht lange suchen ...
Was Xantho angeht, sind mir die von dir genannten Punkte natürlich auch schon aufgefallen, sowohl thematische Wiederholungen, also auch sprachliche Feinheiten, über die ich gestolpert bin, wobei ich das Erstere sowieso genrebedingt schwierig zu lösen finde, ohne dass es ins Absurde/Trashige abdriftet (und selbst da muss man bei vielen Gruselhörspielen schon seeeehr gnädig sein, um das bewusst nicht erkennen zu wollen), und über das Letztere hinwegsehen kann, wenn alles andere stimmt - da geht's mir halt generell ums Gesamtbild. Wobei zu diesem natürlich auch Kleinigkeiten beitragen können, für die man nicht unbedingt allzu nit-picky sein muss, damit sie auffallen. Ohne DiStefano wäre der "Höhlenmensch" (als Adaption) nur halb so gut, das haben wir Francis definitiv zu verdanken. Und wenn du mit gestandenen Schauspielern mit Theater-Background im Ensemble aufnimmt und dadurch authentisches Spiel bekommt, bei dem auch das eine oder andere mal improvisiert wird (Fiedlers im entsprechenden Bobcast angesprochenes "Gut, dann nehm ich ihn eben selber!" im "sprechenden Totenkopf" gehört zweifelsfrei zu den Zitaten, die die Folge für mich prägen). Wir halten demnach fest, dass häufig das I-Tüpfelchen die besondere Würze ausmacht, dagegen hab ich keine Einwände. :-)
Eine Liebesgeschichte bei Lovecraft ...? Nicht, dass ich da Experte wäre, aber wollte man seinen Namen nur endlich mal zum Programm machen ...? :D (Ich bin hier schon länger keinen schlechten Witz mehr losgeworden, ich muss mal wieder *g*)
Ich hab mir fast gedacht, dass dir mindestens die Vorlage zur "dritten Zivilisation" bekannt ist. Im ominösen anderen Forum ist das Hörspiel vor ein paar Wochen wieder aktuell geworden, und die Reaktionen der meisten da hat mich doch eher etwas erstaunt, daher dachte ich, im Wissen, dass du an Literatur anders herangehst als viele andere, dass deine Sichtweise vielleicht eher in Richtung meiner gehen könnte - und so falsch war diese Annahme wohl nicht. *g* Ich fand das Hörspiel an sich recht gut, und es macht mich definitiv weiterhin neugierig auf das Buch. Kann ja auch gut sein, dass andere hier auch Lust bekommen reinzuhören. :-)
3994) PerryClifton © schrieb am 18.06.2022 um 20:00:39: Natürlich geraten Theorien auch mal ins Wanken ;-) In diesem Fall allerdings nicht unbedingt. Eine schlechte Hörspielumsetzung kann theoretisch ALLES versemmeln. Dazu müssen wir ja nicht weit gucken, zu so bestimmten DDF-Hörspielen neueren Datums... Eine gute Buchvorlage macht noch kein gutes Hörspiel. Bei einer guten Vorlage ist die Chance eines guten Hörspiels allerdings größer. Mit Vorlage meinte ich damals sowohl das Buch als auch das Hörspielskript bzw. hier Arthur/Puschert/Francis, die alle gute Arbeit geleistet haben. Die Bezeichnung "literarisch" bezog sich also auf alle drei Stufen. Daher ja auch die Erwähnung von Ecke. Um jetzt nicht auch noch in die Falle des "ist ein gedrucktes Buch automatisch literarisch oder nicht" zu laufen: Es sollte einfach heißen, eine Geschichte, erstellt von Leuten, die Ahnung vom Geschichtenerzählen haben. Man könnte "Autoren" sagen, aber auch hier... ich glaube es ist klar, worauf ich hinauswill. Leute, die Charaktere handhaben können, die Querverbindungen und Motive in Geschichten beachten, die implizite Aussagen verstehen. Francis konnte das, er war vor dem Skriptschreiben bereits Autor, hat sich aber imo als Skriptschreiber nochmal wesentlich gesteigert. Ecke hat es direkt in Hörspielform hingekriegt, im Stil alter Radiohörspiele. Klar, wenn ein gutes Buch (man sagt ja beim Hörspiel auch "Buch", aber bereits das vorhergehende) durch nichts ruinierbar wäre... ich glaube es ist klar, dass ich das nicht meinte. Allerdings gibt es beim "Zombie" eine (wahrscheinlich) gute Buchvorlage und eine technisch gute Hörspielumsetzung und trotzdem kommt es nicht über ein gewisses Niveau hinaus. Wenn du darauf hinauswillst, dass ich das erstmal verarbeiten muss, hast du vollkommen recht *g*
Soll ich jetzt mal sehr nit-picky sein? Ich habe gerade Strand des Grauens der Gruselstunde gehört. Hatte, wie Insel der Riesenspinnen, einen Touch HGF Gruselserie und war daher schonmal sehr schön, noch dazu spannend. Gut, erstere ging dann auch ein bisschen in Richtung Sharknado bzw. Haialarm vor Mallorca *g* Fand ich aber zumindest witzig. Davor habe ich Tal der Angst gehört, deren Story mich etwas an den Knochensammler und Keller des Grauens erinnert hat und die Folgen haben auch einiges gemeinsam... Also: Ein Monster bzw. Mörder geht um, sehr viele Leute sterben nacheinander sehr blutig. Am Ende ist mitunter einer der Verräter. Die Handlung besteht aus Hetzen von Gefahr zu Gefahr. Das ist kurzweilig, wiederholt sich aber. Durch die spannende Umsetzung macht das Hören Spaß, aber die Vorlage beim Gruselkabinett zum Zombie besitzt da, trotz suboptimaler Verarbeitung, wesentlich mehr Tiefe und Abwechslungsreichtum. Man merkt die literarische Vorlage also sofort durch, selbst wenn das Hörspielbuch den vorgegebenen Maßstäben nicht ganz entsprechen konnte. Bei Xantho hat man zudem auch manchmal leichte Sprachprobleme. Ich würde darauf nicht eingehen, wenn das nicht fast in jedem Hörspiel vorgekommen wäre: Das Plusquamperfekt scheinen die Skriptschreiber nicht zu kennen. Das tut an ein, zwei Stellen etwas weh. Gab es auch beim Gruselkabinett ein bisschen; niemand sagt wörtlich "im Krieg 1914/18". Das schreibt man so auf, ja. Guckt man sich dagegen Francis an, der seinen Figuren eine eigene Sprache und Macken gegeben hat, die es vorher gar nicht gab, wie bei DiStefano... Oder noch eine Ebene weiter, bei den Sprechern (mit Theaterausbildung und Literaturbewandtheit), wo z.B. Gerlach Fiedler durch sein Genuschel noch zusätzliche Charakteristika eingebracht hat... Oder Hitchcocks Texte ohne Pasettis Duktus...
Dementsprechend sehe ich Gruselkabinett und Gruselstunde momentan auf einem Niveau, aufgrund verschiedener Stärken und Schwächen. Eine suboptimale Bearbeitung ist auch wiederum nicht so schlimm wie eine Bearbeitung, die der Vorlage zuwiderläuft (oder sie zensiert). Wenn ich nur daran denke, wie man bei Lovecraft eine Liebesgeschichte einbauen zu müssen meinte...
So, die dritte Zivilisation habe ich schon vor längerem gelesen und gut gefunden. Ich glaube, ich habe auch mal das Hörspiel gehört, aber es blieb nicht viel hängen. Die Strugatzkis würde ich auch eher in Buchform bevorzugen. Trotzdem ein guter Tipp :-)
3993) Mihai Eftimin © schrieb am 18.06.2022 um 19:15:00: Irgendwie bringt das gerade deine Theorie ins Wanken, dass die Geschichten in Hörspielen qualitativ generell besser ausfallen, wenn eine literarische Vorlage existiert, als wenn nicht. ;-) Aber ja, das Gruselkabinett muss ich mir wohl auch mal gönnen. Die Gruselstunde könnte man grundsätzlich als konzeptuell vergleichbar betrachten, dort werden die Geschichten aber halt direkt als Hörspielskript geschrieben und als Medium an sich angepasst - und es funktioniert super. Jedes einzelne Geräusch sitzt dort, wo es hingehört, genauso jede Musikeinspielung, da stimmt das Gesamtbild einfach; trotzdem wissen auch die Geschichten selbst zu überzeugen. Seien wir ehrlich, Xantho könnte so langsam auch mal Geld dafür verlangen - da hab ich schon gelöhnt für weit weniger. ;-)
So, von Grusel zu SciFi: Wer mal etwas Anspruchsvolleres hören will, kann sich gerne mal "Die dritte Zivilisation" von Bayerischen Rundfunk aus dem Jahre 1999 anhören. Basiert auf dem gleichnamigen Raum der Gebrüder Strugatski. Finden viele unbefriedigend, mich persönlich hat der Stil aber sehr an einige meiner früheren Ausflüge in russische Literatur erinnert. Ach ja, in der Hauptrolle hört man Jens Wawrczeck. :-)
3992) PerryClifton © schrieb am 18.06.2022 um 16:00:25: Mittlerweile gehört: Gruselkabinett - Der Zombie. Das Hörspiel hat gewissermaßen beide Eindrücke bestätigt: Einmal den, den ich vorher von den Bearbeitungen der Vorlagen hatte und einmal das Lob bzgl. der Serie. Als Hörspiel an sich ist es sehr gut und atmosphärisch umgesetzt, lässt sich gut hören und bleibt unterhaltsam. Die Sprecher sind ordentlich und sogar Thormann ist dabei. Die Musik bleibt nicht groß im Gedächtnis, funktioniert aber gut als Untermalung, die Geräusche sind passend.
Der Knackpunkt ist, dass ich die Vorlagen überhaupt nicht kannte, aber trotzdem (wieder) Probleme bemerkt habe. Dass hier zwei verschiedene Geschichten quasi zusammengenäht wurden, dürfte wohl jedem auffallen. Sowas kann zwar gut funktionieren, aber hier passt es nicht zusammen, meiner Meinung nach. Einmal übernatürlich, einmal medizinisch und dann wird beides einfach als "Zombie" bezeichnet, was bei zweiterer Geschichte, die viel mehr Raum einnimmt (dafür aber wesentlich weniger spannend ist) überhaupt nicht passt. Ich könnte da auch noch weiter gehen, denn aufgrund einer Vermutung, die ich dann durch spätere Recherchen bzgl. Whitehead bestätigt fand, stelle ich die Vorlagentreue in Bezug auf gewisse Aspekte der Geschichte in Frage. Immerhin hat es mich dadurch motiviert, mir das Buch mal zuzulegen
Unterm Strich, ein gutes Hörspiel, werde bestimmt auch mal wieder in eine Folge Gruselkabinett reinhören. Aber wenn man das (lobenswerte) Grundkonzept verfolgt, literarische Vorlagen umzusetzen, sollte man diese auch nicht zu sehr verfremden bzw. sie adäquat handhaben. Lovecraft und Poe habe ich deshalb ja extra ausgespart, aber selbst hier fällt es mir auf.
Ich habe auch noch ein paar Folgen Gruselstunde gehört. Beide Serien rangieren bei mir gerade ungefähr auf dem gleichen Niveau, aber aus ganz unterschiedlichen Gründen. Vielleicht ist das sogar ein dickes Lob für die Gruselstunde? Auf jeden Fall kann man bei beiden nichts falsch machen, wenn man unterhalsame Hörspiele sucht.
3991) PerryClifton © schrieb am 09.06.2022 um 19:29:56: Gerade bei Lovecraft und Poe würde ich keine Mätzchen verzeihen *g* Daher lasse ich die erstmal aus. Wenn der Zombie gut ist, kommt als nächstes der Leichendieb. Bei der Fülle an Folgen in der Serie hat man wohl beim selektiven Hören immer noch genug Material übrig
3990) Mr Burroughs © schrieb am 09.06.2022 um 19:07:18: Perry: Ich empfehle Die Totenbraut (so ziemlich mein Favorit), Weiss, Der Schreiende Schaedel, Spuk in HillHouse und auch Der Leichendieb
tatsaechlich mag ich die Lovecraft and Poe Stories auch nicht so sehr, aber ich denke wirklich, dass sie nicht so gut ins Konzept der Reihe passen (hoerspieltechnisch)
3989) PerryClifton © schrieb am 09.06.2022 um 18:54:54: Ich werd's demnächst mal mit dem Zombie versuchen
3988) Berti © schrieb am 09.06.2022 um 10:32:18: Ich kann mich nur anschließen. Gruselkabinett ist absolut top. Die Stories werden tatsächlich uninteressanter. Das liegt natürlich daran, dass viele gute Geschichten bereits vertont worden sind. Aber auch aus schwächeren Stories holen die sehr viel heraus.
3987) AndyV © schrieb am 09.06.2022 um 09:29:57: Bei den Lovecraftvertonungen scheiden sich oft die Geister, weil sein Erzähl bzw. Schreibstil oft nicht so einfach in Szene zu setzten ist. Das gleiche kann einem bei E.A. Poe passieren. Da gehts von phenomenal gut auch bis grottenschlecht. Das Ganze liegt natürlich wie bei so Vielem immer Auge des Betrachters. Beispiel: Ich war auch schon immer Fan der Drei ???Folge der schwarzen Katze,obwohl die bei einem Großteil der Fans nicht so gut ankam.

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