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Interview mit Stefanie Wegner
+++ mit Stefanie Wegner, April 2004 +++


Stefanie Wegner ist die Illustratorin und graphische Schöpferin der drei ??? Kids. Sie stellte sich nicht nur unermütlich unseren Fragen, nein, sie nahm sich auch noch die Zeit, das Ganze aufzubereiten und niederzuschreiben. Unser ewiger Dank ist ihr gewiss.

Wie kamst Du zu Deinem Job?
Zur rechten Zeit am rechten Ort und zufällig alle Kriterien erfüllt, würde ich sagen...:- also, das kam so:
???-Fan bin ich seit meinem 8.Lebensjahr (erste Kassette: Der tanzende Teufel - ich hab wochenlang Albträume davon gehabt! - sie ist nach wie vor die Kassette mit dem höchsten Gruselfaktor für mich- dieser Schrei...!). Ich zeichne, seit ich einen Stift halten kann (mit 2-3 Jahren angefangen und nicht mehr aufgehört). Und dann ergab sich zwangsläufig folgende Situation:
Ich habe immer gezeichnet z.B. auch im Unterricht - egal welches Fach - und als ich nach der Schule vom Grafikdesignstudium aus Illustrationshausaufgaben zu zeichnen hatte, fehlte mir die gewohnte Geräuschskulisse; also habe ich meine alten Kassetten wieder ausgegraben (die zwischenzeitlich auf dem Dachboden verschollen waren)- natürlich in erster Linie ??? (+5Freunde, TKKG, usw...).

Irgendwann kam dann der Wunsch, die Charaktere mal zu zeichnen, in einem Comic. Ganz enthusiastisch habe ich mich ans Charakterdesign gemacht, habe ein Konzept geschrieben und mir vorgestellt, dass dies mein Diplom-Projekt werden könnte, dabei war ich erst im 1.Semester! Ich habe richtige Recherchen angestellt, ob es schon Visualisierungen gegeben hat, habe Bertelsmann-Ausgaben gefunden, wo grauenhafte Illustrationen von Justus, Peter und Bob drauf waren. Zu dem Zeitpunkt hatte ich, glaube ich, noch kein einziges Buch der Reihe gelesen...Aber mehr als dass es meine Abschlussarbeit werden sollte, hatte ich mit meinem Comic nicht vor. Trotzdem habe ich mir Gedanken darum gemacht, ob ich vielleicht Ärger wegen der Rechte bekommen könnte - ob man so was überhaupt machen darf. Daraufhin habe ich bei Kosmos angerufen, einfach so. Und nachdem ich nach einigem Hin und Her der Lektorin mein Problem erklärt hatte, gab es keine Schwierigkeiten- schließlich waren meine Absichten völlig unkommerziell.

Allerdings hatte ich wohl das Interesse bei der Lektorin geweckt und sie hat mich gefragt, ob ich nicht ein paar Zeichnungen schicken könnte. "Klar" hab ich gemeint, aufgelegt und natürlich nichts hingeschickt. Ich habe die Aufforderung nicht ernst genommen. Wer stellt schließlich einen Erstsemestler ein...Glücklicherweise habe ich aber meine Telefonnummer dagelassen und ein paar Wochen später rief die Lektorin bei mir an, wo denn meine Entwürfe blieben?! Da habe ich natürlich augenblicklich alles losgeschickt, was ich hatte... Und ein halbes Jahr später hat man mir mitgeteilt, dass eine Zusatzserie der ??? für eine jüngere Zielgruppe in Planung sei und ob ich nicht Lust hätte, dafür die Illustrationen zu machen...und da habe ich keine Sekunde mehr gezögert! *g*
Wie hat deine Umgebung das aufgenommen?
Chaos, Massentumulte, es kam zu öffentlichen Ausschreitungen...- nein, *scherz* ich hatte ja niemandem was davon gesagt. Es war ja nicht mal sicher, ob da überhaupt eine Rückmeldung kommen würde. Es sind also alle völlig überrumpelt gewesen - so wie ich ja auch. Nur meinen damaligen Illustrationsdozenten habe ich zu dem Thema ausgefragt, dass ich eventuell das Angebot hätte, eine Kinderbuchserie zu illustrieren und ob ich das annehmen sollte; - schließlich stand ich ja grade erst am Anfang meiner Ausbildung. Aber er meinte, "so was kommt nur einmal, deshalb muss man's nehmen, wie es kommt und außerdem lernt man nie aus, also ist der Zeitpunkt wo du in deiner Ausbildung stehst egal!" Daran habe ich mich gehalten.

Meine Familie & Freunde haben sich natürlich gefreut. Ansonsten habe ich es aber nicht an die große Glocke gehängt; mein Semester z.B. hat es erst nach dem 7.Band erfahren...Auf der RBC hat es allerdings einigen Aufruhr gegeben als bekannt wurde, dass die ??? visualisiert werden sollten - durch die Bank nur Empörung! Kann ich verstehen. Ich glaube, ich hätte am lautesten geschrieen, wenn ich gehört hätte, Justus, Peter und Bob werden gezeichnet. So aber konnte ich nichts sagen :-)
Ich bin dann nach den ersten Veröffentlichungen mal inkognito auf einem ???-Fantreffen in Hamburg gewesen - schließlich bin ich ja einer von euch - und als ich mich dann enttarnt habe, hat mich komischerweise keiner gesteinigt.
Es kamen ja dann zu Anfang gleich drei Bände auf einmal heraus.
Ja, die Entstehung der ersten 3 Bände war ganz schön spannend. Da fanden nämlich Live-Lesungen ohne Manuskript in meiner Küche statt. Das war cool - Ulf kam vorbei, hatte einen Haufen Papiere mit seinen Kapitelgliederungen und Stichworten dabei und daraus hat er vor mir die Geschichte vorgetragen. Ich habe mir dazu meine Notizen gemacht und wir haben besprochen, welche Szenen sich für Illus eignen. Ich habe die Bilder daraufhin gezeichnet, ohne den Text zu kennen; es wurde parallel gearbeitet, weil der Veröffentlichungstermin schon feststand. Man wusste also nicht, ob die Illus hinterher wirklich zum Text passen...das war aber auch eine Ausnahme.
Und die Cover? Wie entstehen die?
Die entstehen immer als erstes - unmittelbar, nachdem Ulf das Treatment für die neue Geschichte verfasst hat. Das liegt daran, dass der Katalog mit den Vorankündigungen gedruckt werden muss. Und während die Buchhändler schon bestellen, produzieren wir das Buch. Meistens besprechen Ulf und ich das Motiv des Covers telefonisch. Er erklärt mir seine Idee fürs Buch und hat meistens auch schon eine Idee, welches das Hauptmotiv sein könnte. Ich gebe meine Ideen dazu und wir werden uns irgendwie einig und dann mache ich mich an die Arbeit. Das Cover ist so wichtig, dass im Verlag auf einer Konferenz jedes Cover abgesegnet werden muss. Erst nach der Fertigstellung des Covers wird die Geschichte geschrieben oder während ich noch daran sitze, schreibt Ulf schon...
Nimmst du danach keine Änderungen mehr vor?
Nein, das geht nicht. Zu dem Zeitpunkt ist der Katalog ja schon gedruckt. Aber es ist schon vorgekommen, dass ich, als ich dann "die Geschichte zum Cover" gelesen habe, gedacht habe, dass da ein anderes Motiv besser gewesen wäre. Und wie gut ein Cover geworden ist, sieht man dann hinterher im Vergleich der Verkaufszahlen der einzelnen Bände. Ich glaube "Rettet Atlantis" läuft ganz gut, weil freundlich lächelnde Delfine vorne drauf sind.:) Man geht halt zuerst immer nach der Verpackung. Also lautet die Standartbestellung von Kosmos: Schön bunt, schön hell, schön freundlich! Nicht ganz einfach bei Krimis. Ich brauche deshalb immer gute Lichtquellen und wenn's ein Vollmond ist!
Hat Ulf versucht, bei den Figuren Einfluss zu nehmen?
Nein, er hat einige Vorgaben erhalten. Die Kids sind so um die 10 Jahre alt, die Stories dürfen nicht so gruselig sein wie bei den Teens, außerdem noch Umfang in Seitenanzahl und so was, aber er hat auch viele Freiheiten.
An deinen Skizzen wollte er auch nichts ändern?
Tja, ich war ja vor ihm da *lach*. Das Charakterdesign war ja von Kosmos schon abgenommen, sie haben sozusagen den Stil gekauft. Und bei allen weiteren Figuren lassen Ulf und der Verlag mir vollkommen freie Hand. Ulfs Personenbeschreibungen sind immer sehr frei interpretierbar gelassen: z.B. "ein dicker Mann mit Baseballkappe" oder "Frau mit Hund". Er lässt sich immer überraschen, was ich daraus mache. Ich glaube, er hat meist Grund, sich zu amüsieren. Eigentlich ist das zwischen Ulf und mir ziemlich viel Teamwork. Er nimmt meine Vorschläge (und ich habe oft ziemlich viele) fast immer mit auf - was natürlich toll ist - dann macht das Arbeiten gleich viel mehr Spaß. Ich stricke aber bei den meisten Motiven noch eigene Ideen dazu, auch wenn sie im Text so nicht geschrieben stehen.

Meiner Meinung nach sollte eine gute Illustration einen Text nicht einfach bloß abbilden, sondern ihn möglichst ergänzen, damit die Fantasie des Lesers angeregt wird und er nicht einfach nur etwas vorgesetzt bekommt. Es gibt also fast immer irgendetwas zu entdecken. Dabei gehe ich von meine eigenen Erfahrungen aus, wie ich mir als Kind Bilder angeschaut habe. Ich war immer sehr stolz, wenn ich irgendein Detail gefunden habe, dass bestimmt nicht jeder bemerkt hat. Wenn ein Kind sich, nachdem es das Buch durchgelesen hat, alle Bilder noch einmal anschaut, sie vielleicht ausmalt und sich dadurch eine ganze Zeitlang mit den Illustrationen beschäftigt, werden sie Spielfeld für die eigene Fantasie und entwickeln sich so weiter. Dann habe ich mein Ziel erreicht.
Haben sich die Figuren von der 1.Skizze bis zum 1.Band noch verändert oder sind sie gleich geblieben?
Sie haben sich auf jeden Fall noch entwickelt. Damals war ich ja auch noch nicht so sicher mit ihnen. Habe Nasenkorrekturen vorgenommen, Klamotten ausprobiert *grins*. Bei meiner ersten Colorierung war ich sogar noch der Meinung, Bob wäre brünett und Peter blond. Das wird ja auf den Kassetten nicht erwähnt. Als mir die Lektorin dann mitteilte, Bob wäre der Blonde, brach fast eine Welt zusammen!

Man muss aber auch dazu sagen, dass ich mir, wenn ich mir heute die alten Kassetten anhöre, nicht meine gezeichneten Figuren dazu vorstelle. Das sind immer noch meine alten Kindheitsvorstellungen, die sich da einstellen - soll heißen, Bob hat braunes Haar, so! Auch die aus der Reihe fallende Folge 29 hat damals nicht an meiner Vorstellung rütteln können. Es hat sowieso gedauert, bis ich begriff, dass diese merkwürdigen Gesichter auf dem Cover tatsächlich Justus, Bob und Peter sein sollten. Als ich das gemerkt habe, war ich entsetzt und habe die Namen durchgestrichen! Da muss ich 9 gewesen sein...*lach*
Deine Lieblingsfigur?
Von meine eigenen? (RBC: ja!) Also, am Anfang war es klar Bob. Da diente nämlich mein kleiner Bruder als Vorbild *grins* - sie hatten den gleichen Haarschnitt. Irgendwann wurde es mehr und mehr Justus, obwohl ich den anfangs gar nicht gern gezeichnet habe. Seinetwegen habe ich sogar ein Experiment veranstaltet, bin einen Tag lang mit einem Riesenkissen unterm Pullover herumgelaufen, um ein bisschen mehr Körpergefühl für ihn zu bekommen. Das hat für reichlich Verwirrung bei meinem damaligen Mitbewohner gesorgt (den Blick werde ich nie vergessen! *lach*) und ich habe mich trotzdem nicht dicker gefühlt.
Was sich aber eingestellt hat, war eine gewisse Gemütlichkeit, typische Haltungen, die man Molligen ja nachsagt, z.B. habe ich unbewusst die Hände vorm Bauch gefaltet und so was. Und das hat mich meinem Justus dann doch näher gebracht und inzwischen ist er meine Lieblingsfigur. Er hat die meisten Charaktermerkmale und bietet zeichnerisch deshalb die besten Möglichkeiten. Er nimmt sich selber ernst, kommt aber optisch immer lustig rüber. Ein reizvoller Kontrast.
Und Peter?
Ich mag ihn, aber Liebling war er nie. Ich muss ihn fast immer ängstlich zeichnen, daran liegt es wohl.
Er hat eine ziemliche Stachelfrisur.
Ja, und die ist nicht einfach zu zeichnen. Seine Haare drücken meistens seine Stimmung aus. Wenn er müde ist, hängen ein paar runter, wenn er erschrocken ist, wird eins elektrisiert gewellt. Ich beziehe sie meistens in den Ausdruck mit ein. Bei einer Lesung habe ich mal ein paar Kinder belauscht, die überlegten, wie man sich am besten merkt, wer wer ist von den Figuren: "Bob mit Brille, Justus der Dicke und Peter mit den spitzen Haaren= Struwwelpeter!" Das fand ich spannend!
Was muss man als Zeichner beachten?
Ich habe damals ein Konzept geschrieben für meine Entwürfe. Es ist grundsätzlich am besten, wenn man begründen kann, warum man die Figuren ausgerechnet so gezeichnet hat und nicht anders. Z.B. war mir wichtig, dass alle drei gleichwertig sympathisch sind - und nicht einer beliebter ist als der andere. In meinem Fall ist der Stil Franko-Belgisch, die Comics von "Tim und Struppi" und "Spirou" sind Vorbild. Das bedeutet klare Linien, geschlossene Formen, damit in den ganzen Details die Lesbarkeit nicht verloren geht. Einfache Gesichter mit Knopfaugen und Knubbelnasen, aber ansonsten realistisch. Grundsätzlich (kinder-)freundlich, damit sich die Zielgruppe mit den Figuren identifizieren kann.

Außerdem ist mir die psychologische Beziehung der Figuren untereinander mindestens genauso wichtig wie die Zeichentechnik, soll heißen, bei eigentlich jeder Illu, wo alle drei drauf sind, korrespondieren die Figuren miteinander - mit Blicken oder Körperhaltung, so dass immer ein "Teamgeist" entsteht. So entsteht ein klares Bild, obwohl jede Figur seinem Charakter entsprechend reagiert und man kann in einer einzigen Illustration drei Möglichkeiten lesen, wie man reagieren kann, ohne dass die Aussage zerrissen würde. Der Blick lenkt von einer Figur zur anderen und eine schließlich auf das Sujet, so dass alle Elemente einbezogen wurden - da wird nichts verschenkt!

Und was ich mindestens genauso wichtig finde: die Atmosphäre;. Und damit meine ich nicht nur das Ambiente oder die Umgebung sondern illustrative Mittel wie Licht und Schatten (es braucht Mut, eine ganze Ecke einer Illustration Schwarz zu malen!); Schraffuren erzeugen Grauwerte, die Klarheit in der Abgrenzung bringen; unterschiedliche Perspektiven manipulieren die Emotionen genauso wie Ausschnitte (hier lasse ich das Gesicht weg, da zeige ich nur die Füße,...). Und irgendwann bin ich dahinter gekommen, wie man in einer Illustration Dichte erzeugt, ohne sie zu überfüllen. Man kann sagen, ich habe während meiner Arbeit viel gelernt...
Was ist das für ein Gefühl, wenn man seine "eigenen" Bücher in der Bibliothek oder im Laden sieht?
Als ich die ersten drei Bände zum ersten Mal gesehen habe, - das war im einer Buchhandlung in Soltau- bin ich fast gestorben vor Freude! Ich hatte weiche Knie und war total aufgeregt, und jedem, der an dem Regal vorbeikam, habe ich die Bücher gezeigt! Das ist wirklich ein unbeschreibliches Gefühl. Ich war wirklich sehr stolz!
Und wie sieht es in deiner Bekanntschaft aus?
Meine Oma liest die Bücher, meine Mutter auch, die finden sie spannend, und ich glaube ein paar von meinen Cousinen haben auch ein paar Bände gelesen. Mein Vater ist zwar wohl auch stolz, aber er kann damit nicht soviel anfangen, und meine Brüder benutzen die Tatsache, dass ihre Schwester ???Kids Bücher zeichnet zum angeben- ich wüsste aber nicht, dass sie mal ein Buch gelesen hätten...*stirnrunzel*
Hast du auch mal Lust, Comics zu zeichnen?
Comics sind meine Leidenschaft *zeigt auf Schrank voll mit Comicalben*, aber leider ist es sehr frustrierend, in Deutschland Comics zu produzieren. Hierzulande haben Comics einen schlechten Ruf und es gibt kaum Lesepublikum, also kann man damit kein Geld verdienen. Außerdem ist es ein enormer Arbeitsaufwand und man könnte nicht davon leben- da sieht das in Frankreich schon anders aus, da werden die Zeichner gefeiert wie Popstars und einzelne Comics haben dort Millionenauflagen. Dort kannst du als Zeichner Millionär werden, aber hier?

Trotzdem werde ich früher oder später einen Comic machen für mich und die kleine deutsche Comicgemeinde, weil einfach mein Herz so dran hängt- und Themen dafür habe ich auch schon einen ganzen Stapel auf dem Schreibtisch, die nur darauf warten, umgesetzt zu werden. Nur die Zeit reicht nicht, weil ich eben soviel für die ???Kids arbeite.
Hast du ein Beispiel für den Aufwand an den ???Kids- Büchern?
Der Arbeitsablauf sieht so aus, dass ich, wenn ich das Manuskript von Ulf bekommen habe erst einmal eine Liste anfertige, welche Illustrationen ich machen will. Dabei schreibe ich mir alle Motive raus, die mir beim ersten Lesen auffallen - meistens fallen mir doppelt so viele ein, wie ich zeichnen darf. Danach streiche ich alle überzähligen Motive, in dem ich sie gegeneinander abwäge: das eine Motiv ist zwar witzig, aber das andere trägt mehr zur Klärung der Situation bei - also das Witzige raus!

Hauptaugenmerk liegt dabei auch auf der gleichmäßigen Verteilung der Illustrationen im Text. Manchmal häufen sich die Motive, weil grade viel passiert, und dann wird wieder seitenlang nur beratschlagt (in der Kaffeekanne meist). Wenn ich meine 30 Motive dann zusammen habe, muss ich meistens erst mal recherchieren- von der Rettungsweste bis zur Goldsuchmaschine... und danach beginne ich mit dem Skizzieren. Das dauert bis dahin schon mindestens 2 Wochen. Die fertigen Skizzen werden dann an den Verlag geschickt, der sie ins Manuskript einbaut. Dafür brauchen die wiederum so 2 Wochen. In der Zeit bearbeite ich schon das zweite Manuskript, denn es erscheinen ja immer gleich 2 Bücher auf einmal!

Und wenn ich dann diese Skizzen abgeschickt habe, habe ich schon die Korrekturfahnen des ersten Buches wieder auf dem Tisch, die ich zusammen mit der Lektorin durchgehe und wo eventuelle Änderungen besprochen werden. Danach mache ich dann aus den Skizzen Reinzeichnungen - was 2-3 Wochen braucht - und wenn ich damit fertig bin, liegt wiederum das andere Buch schon in Wartestellung... Insgesamt kann man sagen, dass meine Arbeit für ein Buch ungefähr 6 Wochen dauert- im Gegensatz zu Ulf habe ich 2 Arbeitsphasen pro Buch. Er dürfte insgesamt also schneller fertig sein als ich.
Gab es auch mal den Gedanken, dass Du die Cover der alten Serie erstellst?
Nein, obwohl ich das theoretisch könnte. Ich habe es einmal für mich selbst ausprobiert und ich war hinterher ein bisschen enttäuscht, weil es meist eine symbolische Abbildung ist und/oder ein Foto zur Verfremdung als Grundlage hat - kein Szenario. Es stehen halt zwei grundverschiedene Absichten dahinter. Ich hatte es in etwa 3 Stunden fertig- und für meinen eigenen Stil brauche ich pro Cover mindestens 5 Tage! Ich hatte wohl von der Technik her etwas Spektakuläreres erwartet, wenn ich bedenke, wie tief mich die Cover als Kind damals beeindruckt haben...Ihre mystische Wirkung geht also allein auf die Prägnanz des Motivs und deren Ausdruck zurück -plus die schrägen Farben vielleicht.

Ich finde, dass man meist die Sensibilität des Zeichners für ein Thema durch die Illustration durchschimmern sieht - man kann also sagen, A.R. hat einfach ein Gespür für Atmosphäre - so sehr, dass ich als Kind das Cover des "Kapartenhundes" immer umgedreht habe, wenn ich diese Kassette gehört habe, denn das Bild hat mir einfach Angst eingejagt... Ich habe übrigens hinterher mein "AR"-Fake in ein normales Kassettencover eingebaut ("Die drei ??? und die rätselhaften Bilder") und habe dann eine Menge Spaß damit gehabt, als meine Brüder nicht erkannten, dass es von mir war- der eine meinte: "oh, die Folge kenne ich noch gar nicht!" *lach*
Wurdest Du auch bei den Spiele- CDs gefragt?
Ja, da sie ursprünglich als ???Kids-Spiele konzipiert waren. Aber nachdem die Softwarefirma entdeckt hatte, dass nicht "die drei ???Kids", sondern nur "die drei ???" die eigentliche Marke waren, wurde das Konzept kurzerhand umgewandelt, obwohl wie ich finde die Leser der ???Kids die eigentliche Zielgruppe gewesen wären. Und weil man die beiden Serien optisch voneinander unterschiedlich halten muss, hat dann ein anderer Zeichner die Visualisierung übernommen. Und ich bin auch ehrlich ganz froh drüber, denn ich habe schon genug zu tun nur mit den Büchern.
Hast du sonst noch ein Projekt am Laufen?
Die Arbeit an den Kids lässt leider nicht viel Zeit für ähnlich große Projekte, aber in den Schubladen liegen schon jede Menge Ideen für eigene Sachen. Mal sehen, wann ich dazu komme!
Sind Kosmos Comics angedacht?
Nein!
Sind bekannte Figuren oder bestimmte Gags in deinen Bildern versteckt?
Onkel Titus ist mein Vater. Freunde, die die Bilder sehen, sagen "Ach, dein Vater spielt auch mit?". Bei Bob ist ursprünglich etwas von meinem kleinen Bruder mit eingeflossen, äh, und ansonsten fällt mir jetzt nichts Spezielles ein. Ach doch: eine Freundin meiner Mutter ist die Bibliothekarin in Band 16, mh, es schleicht sich wohl schon hin und wieder was mit ein...

Aber meistens habe ich für so ausgeklügelte Sachen gar keine Zeit, es muss ja immer alles so schnell gehen. Manchmal kommt's mir schon fließbandmäßig vor! Ich greife daher eher Bewährtes noch mal auf. So tauchen oft wenn's gruslig oder gefährlich wird, wenn beispielsweise Gangster in der Nähe sind, Ratten auf. Das sind aber alles nette Ratten :-).

Und in Band 4 habe ich für das Catering des Filmteams ein Logo entworfen - ganz simpel eine Spirale mit Strahlen drum herum, das tauchte dort überall auf, und ich verwende es seitdem immer wieder auf z.B. Tassen oder so. Es wurde dann bei Kosmos gerätselt, ob das eventuell mein eigenes Logo wäre, als Schleichwerbung, oder wie Hitchcock in seinen Filmen immer selbst einmal auftritt - dieser Kringel als mein Stellvertreter. Das fand ich als Idee hervorragend - aber beabsichtigt war das nicht *grins*.
Warum haben die Kids- Bücher im Gegensatz zur alten Serie eine Nummerierung?
Das war aus Platzgründen. Kosmos wollte keine Nummerierung, aber sie wollten auch die fortlaufenden Illustrationen wie beim Lustigem Taschenbuch von Disney auf den Buchrücken. Das war ihnen sehr wichtig, nur passte nicht gleichzeitig auch noch der Titel mit drauf (versucht hab ich's, das war nicht gut), also haben sie sich doch für die Nummerierung entschieden.
Bei der Klassikserie werden ja nicht mehr alle Bände verkauft, sie werden nach einer Weile eingestellt. Ist das bei den Kids auch so?
Im Moment werden noch immer alle Bände nachgedruckt, das weiß ich. Die erste Auflage musste damals schon 3 Monate nach Erscheinen nachgedruckt werden. Ich denke mal, die Nachfrage regelt die Neuauflage, ganz einfach.
Welcher Band lief bisher am besten?
Auf jeden Fall die ersten drei. Das liegt wohl daran, dass es die am längsten gibt - oder weil man als Sammler nun mal mit dem ersten Band beginnen will; wenn man aber mal untersuchen würde, welche Bände sich danach am besten verkaufen, dann wäre das bestimmt jeweils auf Cover und Titel zurückzuführen...
Bekommst du Rückmeldungen von Lesern?
Leider nein, überhaupt nicht. Es gibt wohl Fanpost, aber die geht immer nur direkt an Kosmos und betrifft wohl meistens Ulf. *seufz* Man hat mir zwar mal mitgeteilt, dass die Kinder meine Bilder wohl abpausen oder anmalen, aber gesehen habe ich davon noch nichts- würde ich aber zu gerne mal...Hin und wieder bin ich bei Lesungen dabei gewesen, die Ulf gehalten hat, und da konnte ich dann ein paar Reaktionen mitkriegen, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Aber ansonsten ist Illustrator ein Beruf, bei dem man alleine vor sich hinarbeitet und in den seltensten Fällen mitbekommt, wie die Bilder bei der Zielgruppe angekommen sind. Das finde ich auch ein bisschen schade, denn ich gebe mir immer soviel Mühe. Andererseits habe ich auch keinem meiner Vorbilder einen Brief geschrieben, wie toll ich seine Arbeit finde, also muss ich wohl damit leben. Und schließlich sind wir ja nicht in Frankreich...
Das nicht, aber wir können dem doch hoffentlich abhelfen. Wenn Du Stefanie Wegner Dein Lob oder Deine Kritik zukommen lassen willst oder mehr über ihre Arbeit sehen willst,besuche sie doch auf ihrer Homepage unter www.illustrie.com.

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