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Interview mit Silvia Christoph - April 2004
+++ April 2004 +++

Drei Jahre nach unserem ersten Interview mit Silvia Christoph konnten wir die Cover-Illustratorin erneut für ein Interview gewinnen.

Erzählen Sie bitte etwas über Ihren Werdegang.
Über meinen Werdegang ... na ja, zuerst mal hab' ich nach der Schule ein Grafik-Studium absolviert, nebenbei Musik gemacht (mit Bands und so ...) und einige Jahre in der Werbung gearbeitet, bis mir das Ganze zu blöd wurde und ich mit meiner Mappe bei einem Buchverlag vorbeischaute, der mir dann sofort ein paar Aufträge auf den Tisch legte. Seitdem bin ich also Buch-Illustratorin und fühl' mich wohl.
Wie zeichnen Sie Ihre Bilder, vollständig am Computer oder mit Hand und anschließender Colorierung mittels PC?
Ich habe sehr unterschiedliche Techniken (die ich mir übrigens alle autodidaktisch angeeignet habe), als nächste kommt die Computer-Technik dran - sowie meine Zeit es zulässt und der neue Mac endlich angeschlossen ist.
Bekommen Sie vom Verlag das gesamte Manuskript oder nur vage Hinweise, was auf dem Cover zu sehen sein soll?
Es gibt einige Verlage, die mir komplette Manuskript-Stapel zuschicken, andere faxen mir kurze Inhaltsangaben zu, oder ihre Vorstellungen vom Cover. 
Bei den drei ??? sind es ein paar wenige Tipps zu den Inhalten und Motiv-Ideen, da oft das Buch noch gar nicht fertig geschrieben ist. Aber meistens reicht das aus.
Schlagen Sie manchmal eigene Ideen vor, die während Ihrer Lektüre einer Story entstehen?
Sollte mir zu dem einen oder anderen Cover eine bessere Idee kommen, wird sie natürlich angeboten. Ich habe da allen erdenklichen Spielraum bei den Entwürfen.
Unterbreiten Ihnen neben André Marx auch noch andere Autoren eigene Vorschläge für die Coverillustrationen?
Gelegentlich bekomme ich von einem Autor auch mal einen Vorschlag zur Titelseite, aber das geschieht nicht so oft, und letztendlich entscheidet dann immer noch der Verlag, ob die Idee was taugt.
Haben Sie irgendwelche Vorbilder, deren Stil Sie inspiriert, oder deren Illustrationen Ihren eigenen Stil prägten?
Natürlich habe ich etliche Vorbilder und Inspirationen zu meiner Arbeit. Aber die jetzt alle aufzuzählen ginge zu weit. Für die drei ??? benutze ich immer dieselbe Technik, und wenn mir zu einer Idee die rechte Vorstellungskraft fehlt, stöbere ich in meinem inzwischen gewaltig angeschwollenen Archiv nach geeignetem Material. Oder im Internet (für den Fall, dass ich nicht weiss, wie ein Autofriedhof oder ein Lhasa Apso aussieht).
Wer meine anderen Arbeiten kennt, weiss, dass ich auf Fantasy- und Natur-Motive geeicht bin, was nicht heißt, dass ich nicht auch mal ein Fußball- oder U-Boot-Cover fabriziere. Eine Zeit lang haben die Impressionisten meinen Stil geprägt - je nach Aufrtagslage -, dann war es mal wieder die Airbrush-Technik (da gibt es ja diverse gute Leute). Am liebsten sind mir Bilder von Boris oder Rowena, Parrish, Frazetta und im Comic-Bereich natürlich Lepage, Möbius, Bilal. Wenn man so will, haben mich schon die verschiedensten Werke der unterschiedlichsten Kollegen inspiriert. Bei mir steht ein riesiges Bücherregal voll davon.
Wodurch unterscheidet sich die Zusammenarbeit/die Arbeit mit anderen Verlagen hinsichtlich der an die Illustrationen gestellten Ansprüche? Legt Kosmos einen besonderen Wert auf eine Art "Aiga-Rasch-Stil", oder lässt man Ihnen freie Hand, auch in Bezug auf die anderen Verlage und deren Aufträge?
Ich arbeite für sehr unterschiedliche Verlage. Und jeder von denen hat bestimmte Gründe, mir einen Auftrag zu geben. Zum Beispiel hatte ich für Kosmos die meiste Zeit diesen "Aiga Rasch-Stil" ausgeführt, bis mir andere Projekte (Sternenschweif- süßlicher Kitsch oder mehr fotorealistische Titel) angeboten wurden. Für einen anderen Verlag mache ich hauptsächlich die ganzen Fantasys, oder für Herder die aufwendigen Lexikon-Bilder. Für Ullstein habe ich vom Cartoon über Frauenroman, Krimi, Sachbuch bis hin zum Kriegsflottenroman jahrelang alles gepinselt ... das waren noch Zeiten ... Den Verlagen kommt es hauptsächlich darauf an, dass die Illu gut gemacht und termingerecht abgeliefert wird.
Wie lange arbeiten Sie an einem Cover? Für welches haben Sie am meisten bzw. am wenigsten Zeit gebraucht?
Ich schaue nicht auf die Uhr, wenn ich ein Cover mache, eher auf das Datum. das heißt, ich mach mir zuerst 'nen Kopf, wie es auszusehen hat. Das kann bedeuten, 2-3 Tage Manuskript lesen, oder gleich eine Skizze entwerfen - das wäre dann nur ein paar Stunden, höchstens ein Tag. Ist der Verlag mit dem Entwurf einverstanden (in den meisten Fällen ist das so), kann ich unverzüglich ans Illustrieren gehen. Das kann je nach Technik, Formatgröße und Aufwand ein bis drei Tage dauern, wobei ein Tag nicht unbedingt 8 oder 10 Stunden haben muss. Ich liebe es, nach 6 Stunden fertig zu sein oder am nächsten Tag weiter zu machen. Mein schnellster Titel war in 3 Stunden fertig, mein zeitaufwendigster brauchte 4 Tage. Der eine war für Ullstein, der andere sogar für Kosmos - ich glaube, es war einer von der Tecumseh-Reihe. Für die drei ??? brauche ich im Schnitt pro Titel 1,5 Tage inkl. Entwurf.
Arbeiten Sie am liebsten während eines bestimmten Tagesabschnitts? Zum Beispiel immer oder niemals morgens/abends/nachmittags? Brauchen Sie dabei besondere Ruhe oder vielleicht doch Musik als Inspiration, o.ä.?
Meine bevorzugte Arbeitszeit ist der Tag, d.h. eher der "MachmitTag", denn der Morgen gehört mir. Da lasse ich mir Zeit fürs Frühstücken, ein wenig Sport, Mama besuchen, Maniküre, Einkaufen, Rechnungen schreiben, telefonieren ... schwupp, ist der halbe Tag um. Und je nachdem, wie ich mit dem Zeichnen dann so zurande komme, mach ich Schluss, um zu essen oder einen Film zu gucken, Musik zu machen oder einfach rauszugehen. In Stoßzeiten sitze ich auch mal bis nachts um 3 oder 4. Dann merke ich, dass ich mal wieder etwas zu oft "Ja" gesagt habe, und alles auf einen Schlag bis zur Vertreterkonferenz fertig sein muss. Eine festgesetzte Zeiteinteilung gibt's daher bei mir nicht. Das liebe ich so an diesem Beruf. Am konzentriertesten arbeite ich bei absoluter Stille, aber meistens läuft ja doch irgendeine Hintergrundmusik oder der Fernseher.
Gibt es mehrere Entwürfe pro Folge, oder genügt in der Regel eine Illustration?
Für die drei ??? mache ich in der Regel einen Entwurf, es sei denn, ich sprühe mal wieder über vor lauter Kreativität, dann können es auch 2, 3 oder 4 werden. Einer davon wird dann vom Verlag ausgewählt.
Waren Sie mit Entscheidungen der Umschlagkonferenzen (sofern mehrere Möglichkeiten zur Auswahl standen) immer glücklich, oder fanden Sie vielleicht nicht doch einmal ein anderes Motiv besser?
Wird sich für ein Motiv entschieden, kann es schon mal vorkommen, dass ich ein anderes gewählt hätte. Aber letztendlich ist das fertige Bild entscheidend, das ich dann so anfertige, dass es mir auch gefällt, d.h. unglücklich bin ich dabei nie (nur manchmal wundert es mich, warum ausgerechnet eine Variante gewählt worden ist, die ich nur als Notlösung vorgeschlagen hatte).
Haben Sie das Cover zum schwarzen Monster für die Hörspielfassung selbst überarbeitet? Und warum geschah dies?
Da ich die Hörspielkassetten nie zu Gesicht bekomme, kann ich keine Auskunft zum schwarzen Monster geben.
Bekommen Sie vom "Kult" um die drei ??? im Internet viel mit?
Ich bin wenig im Internet - eigentlich nur, wenn ich nach Vorlagen suche. Daher bekomme ich mal wieder überhaupt nicht mit, was in der Welt kultmäßig abgeht.
Nehmen Sie die Anregungen/Kritik insbesondere auch aus den Foren der rocky-beach.com auf (z. B. das häufig wiederkehrende Orange in ihren Coverbildern)?
Vielleicht sollte ich doch mal ins Forum schauen ... Orange war schon immer eine wenig beliebte Farbe, ist sogar wissenschaftlich belegt. Nun ist das aber so, dass ich die drei zu veröffentlichen Titel jedes mal farblich so abgleichen muss, dass die Skala nicht all zu einseitig beansprucht wird. Mit anderen Worten: da hat der Verlag doch die Entscheidungsgewalt. Andererseits - es wäre ja auch langweilig, alles in Spannungsblau und Gruselgrün zu halten. Einige Motive schreien nach rotgelborange ... Nix für ungut, bei der nächsten Staffel werde ich dran denken und das Orange gut tarnen.
War es Ihre Idee, bei der Weihnachtsverpackung der Folge Das Auge des Drachen den Schnee am oberen Rand hinzuzufügen und Hitchcock eine rote Mütze aufzusetzen?
Das war nicht meine Idee.
Früher existierten bei Büchern mit mehreren Auflagen zwei verschiedene Cover. Hätten Sie Lust, dies wieder einzuführen? Welches Cover würden Sie aktuell am liebsten verändern, und warum?
Das mit den zwei Covern wird sich wahrscheinlich nicht wieder aufnehmen lassen - und sei es auch nur, weil der Verlag sparen will. Lust dazu hätte ich schon, aber ich wüsste jetzt kein Cover, das ich verändern würde. Ich mache lieber alles neu.
Existieren Cover, die nicht Ihrer Fantasie entsprangen, sondern in der Realität ihren Ursprung haben? Gibt es Motive, die für Ihre Bilder Pate standen (z.B. Villa der Toten)? Es könnte ja sein, dass vielleicht Ihr Nachbar solch einen Balkon hat, mitsamt den roten Blumen, etc.?
Es gibt tatsächlich eine ganze Reihe Cover, die ihren Ursprung aus meinem Alltag haben. Hier ein aktuelles Beispiel: Demnächst erscheint ein neuer Band: Die drei ??? - Geheime Botschaften-Handbuch. Früher wurden Fotos verwendet, doch nun möchte Kosmos meinen Fotorealismus vorne drauf haben. Vor einiger Zeit machte ich ein Fotoshooting mit einem Freund (Ron, ein ganz toller Musiker!), der für seine neue CD-Produktion ein Cover-Foto haben wollte. Die Locations waren abenteuerlich, die Ausleuchtung unheimlich und das Outfit irgendwie merkwürdig. Habe bestimmt 15 Filme verschossen. Das Cover-Foto war zwar nicht dabei, aber dafür hatte ich nun stapelweise Fotomaterial für alle Lebenslagen. Und für das Detektiv-Handbuch.

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