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rocky-beach.com
Das André Marx Special
+++ Interview mit André Marx im September 2018 +++


Große Ereignisse werfen nicht nur im Mittagscanyon ihre Schatten voraus: Bevor am 13. September dieses Jahres sein Werk "Die drei ??? - Feuriges Auge" als Jubiläumsband 200 veröffentlicht wird, haben wir André Marx um ein Gespräch gebeten, um tiefgründig zu forschen ...

Hallo André, willkommen zurück auf der rocky-beach.com! Unser letztes Interview ist sage und schreibe zwölf Jahre her, das entspricht genau den achtundvierzig Geisterperlen des Mathias Green ...
Ich als langjähriger Rocky-Beach-Insider habe in dieser Zeit übrigens weitere Geisterperlen-Quellen aufgetan und bin daher seit damals keinen Tag gealtert!
Auch wenn Du Dich seitdem gelegentlich in unserem Forum zu Wort gemeldet hast, gibt es eine Menge zu besprechen, und vieles spricht für mehr als ein Kreuzverhör. Wir beginnen dieses Interview am besten in der nahen Zukunft, denn in wenigen Tagen erscheint der 200. drei ???-Band, der von Dir verfasste Jubiläumsdreiteiler "Die drei ??? - Feuriges Auge", Deine erste Trilogie seit "Feuermond" (125). Hat es Dich eigentlich im Nachhinein irgendwann gewurmt, dass Du bereits für "Feuermond" auf die Idee gekommen bist, in Rocky Beach eine 200-Jahr-Feier zu veranstalten?
Auf den Gedanken bin ich bis gerade eben noch nie gekommen. Vielen Dank, jetzt wurmt es mich!
Als 2005 diese 200-Jahr-Feier stattfand - wie realistisch hast Du damals die Chancen eingeschätzt, dass die drei ???-Serie die Folge 200 erreicht? Und dass Du sie ebenfalls schreiben wirst?
Ersteres: sehr realistisch. Zweiteres: eher nicht. Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich bis dahin Hollywood erobert, den Literaturnobelpreis eingesackt und ein Imperium gegründet habe. Hat sich dann aber irgendwie alles verschoben. Insofern kam Band 200 recht passend. Ich hatte gerade eh nichts anderes vor. ;-)
Parallel zu den ersten Inhaltsangaben der beiden neuen Einzelbände "Das weiße Grab" und "Höhenangst" war zu "Feuriges Auge" vor einigen Monaten zunächst nur ein inhaltsleerer Teaser zu lesen, der in manchen Zirkeln der Fankreise auf Unverständnis stieß. Nun wissen wir inzwischen immerhin, dass der 200. Fall ein "Abenteuer" wird, der die drei ??? "an die Anfangstage ihrer Detektivkarriere zurückführt", weil sie mit ihrer "Suche" "dunkle Mächte heraufbeschwören". Was wird da eigentlich gesucht? Nur Justus Jonas, der "verschwundene Detektiv" ...?
Zunächst einmal vor allem Justus, ja. Aber ihr wisst ja, wie das ist in Rocky Beach: Da verschwindet gerne mal was. Papageien, geheime Schlüssel, Amulette, Geisterperlen, Edelsteine, Tagebücher - die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt!
Einige Deiner Geschichten gelten bereits als lockere Fortsetzungen einer Klassikerfolge, da sie - egal, ob bewusst oder unbewusst - altbekannte oder ähnliche Nebenfiguren in einem ähnlichen Setting inszenieren ("Meuterei auf hoher See", "Musik des Teufels", "Geheimnis des Bauchredners"), doch die vorherige Folge musste man weder bis aufs i-Tüpfelchen gelesen haben, noch musste man sie überhaupt zwangsläufig kennen. Zählt "Feuriges Auge" zu dieser Kategorie, oder ist es ratsam, sich den "Fluch des Rubins" vorher noch einmal genau zu Gemüte führen?
Der Verlag und ich hatten kurz erwogen, dem Trilogie-Schuber die Fallakte "Fluch des Rubins" aus Bobs Archiv beizulegen. Das hat dann aus Kostengründen leider nicht geklappt. Schlussendlich wird aber alles, was relevant ist, im Buch noch mal aufgewärmt. Es kann nicht schaden, den "Fluch des Rubins" vorher zu lesen. Aber es ist auf keinen Fall notwendig.
Die drei ??? stolpern in "Feuriges Auge" "über Spuren aus ihrer eigenen Vergangenheit" - und Du trittst in die Fußstapfen Deiner Lieblingsbuchfolge, denn in Deinen Frageboxen hast Du bei den immer wiederkehrenden Fragen nach Deinen Favoriten stets den "Fluch des Rubins" als eine bzw. als DIE Lieblingsbuchfolge genannt - und gabst dafür mehrere Gründe an. Gelten sie nach wie vor?
Aber ja!
Wie groß waren Robert Arthurs Fußstapfen wirklich? Kritische Stimmen monieren, der "Fluch des Rubins" sei solide geschrieben, reiche jedoch nicht ganz an die wahren Klassiker heran. Zwar geben die Büsten ein dankbares Motiv ab, sie sind aber aus Arthur Conan Doyles Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte "The Six Napoleons" geklaut, was Robert Arthur mit der Brechstange hineingezwängt hat. Überhaupt wirkt die Handlung etwas zerfahren und konstruiert, Alfred Hitchcock muss am Ende so einiges zurechtbiegen. Hattest Du jetzt von der Warte des nachfolgenden Autors aus ebenfalls den Eindruck, als habe Robert Arthur den Plot hier und da noch während des Schreibens notdürftig mit Gips ausgebessert?
Das Einzige, was mir zusammengebastelt erscheint, ist die Schwarzbartbande. Die stinkt als B-Gegner doch ziemlich gegen Dreipunkt ab und fügt sich auch nicht gut in die Dramaturgie ein. Dass Hitchcock da am Ende vieles erklären muss (anstatt es die drei ??? herausfinden zu lassen), spiegelt vielleicht die Ratlosigkeit wieder, mit der Robert Arthur vor den Schwarzbärten stand.
Dass die Büsten bei Sherlock Holmes geklaut sein sollen, ist mir wiederum herzlich egal, denn in meinen Augen passen sie perfekt in die Geschichte. Ich bleibe also bei allem, was ich damals schon gesagt habe: "Fluch des Rubins" ist spannend, actionreich und mysteriös, es gibt gefährliche Gegner, ganz viel Rocky Beach, es gibt Alltag, es gibt Morton, es gibt einen jugendlichen Auftraggeber, es gibt Alfred Hitchcock - und was an Mystery- und Spukelementen fehlt, macht die Legende um das Feurige Auge wieder wett.
In mancherlei Hinsicht ist der "Fluch des Rubins" schlichtweg ein vor fünfzig Jahren geschriebenes und übersetztes Buch. Mehrere darin verwendete Begriffe stehen heute auf der Roten Liste der bedrohten Wörter ("Läuterung", "fidel" etc.). Warst Du versucht, den leicht antiquierten Tonfall aus den Anfangstagen in Deiner Fortsetzung fortzuführen, damit der Kontrast nicht gar so scharf ausfällt?
Nein. Die drei ??? leben nun mal in dieser Zeitblase, die durch die Jahrzehnte rast, während die Zeit im Inneren nur ganz langsam vergeht, dafür aber ständig die Jahreszeiten wechseln. Das ist unlogisch, aber Teil der Serie. "Feuriges Auge" ist daher genauso neuzeitlich wie alle anderen aktuellen Bücher und kein Sprachexperiment. Ich hätte damit auch niemandem einen Gefallen getan.
Dass zwischen "Fluch des Rubins" und "Feurige Auge" auch die Serie fünfzig Jahre älter geworden und etliche technologische Sprünge hinter sich hat, lässt sich wohl nicht vermeiden, oder hast Du einen weiten Bogen um jeglichen modernen Schnickschnack gemacht, um die Illusion zeitlicher Nähe zu wahren?
Ich habe keinen expliziten Bogen um Technologie gemacht. Es gibt nun einmal Situationen, in denen es am schlausten ist, eine Suchmaschine zu verwenden oder das Handy zu benutzen. Und mit "kein Empfang" oder "Akku leer" kann man sich nicht jedes Mal aus der Affäre ziehen. Aber die Jungs haben in "Feuriges Auge" auch staubige Bücher in der Hand und wühlen sich durch Zeitungsarchive. Ich versuche eigentlich immer, solche Momente zu kreieren, nicht nur in Band 200. Außerdem fällt den drei ??? selbst ja gar nicht auf, dass es damals beim "Fluch des Rubins" noch kein Internet gab. Diese Selbstverständlichkeit überträgt sich dann hoffentlich auch auf den Leser. Zeitblasen sollten heutzutage niemanden mehr aus dem Konzept bringen. :-)
Im "Fluch des Rubins" weht zudem der Hauch der Kolonialzeit: auf der guten Seite ermitteln die weißen Mittelstandskids aus den USA bzw. England und sie werden auf der bösen Seite von "Dreipunkt" bedroht, dem bewaffneten Fremden aus Pleshiwar in Indien, der am Ende allenfalls einzelne Züge eines "edlen Wilden" zeigt und sogar in der Lage ist, ein Scheckbuch zu zücken. So einfach machst Du es Dir und uns hoffentlich nicht?
Nein. Es gibt gute und böse und ambivalente Figuren quer durch alle Ethnien und gesellschaftliche Schichten.
Der Frauenanteil im "Fluch des Rubins" ist - typisch für eine frühe drei ???-Geschichte - nur unter einer Lupe zu erkennen. Selbst die Büsten waren im Original bis auf Queen Victoria allesamt Männer. Heutzutage sind die drei ??? weiter, hoffentlich auch in "Feuriges Auge"?
Grundsätzlich achte ich immer sehr darauf, weibliche Figuren unterzubringen, weil es ja im Stammpersonal - abgesehen von Tante Mathilda - schon keine gibt. Das war beim "Feurigen Auge" tatsächlich schwieriger als sonst, was zum Teil auch an der Vorlage lag. Insofern ist die Frauenquote auch hier nicht gerade hoch. Aber die eine oder andere prominente Rolle wurde dennoch weiblich besetzt.
In den verfügbaren Informationen zu "Feuriges Auge" wird geraunt, "das Rätsel um den mysteriösen Edelstein" sei womöglich nicht "wirklich gelöst" worden, denn es berge "mehr Geheimnisse, als die drei ??? ahnen können". Dabei konnte doch in "Fluch des Rubins" der Edelstein dank der Ermittlungen der Juniordetektei in den Tempel der Gerechtigkeit zurückkehren? Selbst wenn er wieder verschwunden wäre, so haben doch fünfzig Jahre im Verborgenen Läuterung bewirkt und mehr als 190 Fälle später sollte sich doch eigentlich auch der Fluch verflüchtigt haben?
Exakt die gleichen Fragen stellen sich auch Justus, Peter und Bob. Und kommen dabei zu unterschiedlichen Antworten.
Wenn ein Buch wie der "Fluch des Rubins" mit einem Happy End ohne Wenn und Aber schließt und ein Plot auserzählt ist - wie geht man da vor, um das wieder aufzubrechen?
Ich war immer der Meinung, dass da noch viel Unerzähltes drinsteckt. Horatio August ist eine spannende Persönlichkeit, über die nur wenig bekannt ist. Auch der Tempel der Gerechtigkeit erschien mir immer als fantastischer Ort voller Geheimnisse. Ich musste also nicht viel aufbrechen. Ich habe mich einfach mit den offenen Fragen beschäftigt, die ohnehin schon da waren.
Im "Fluch des Rubins" wird mehrmals - sogar beim Besuch in der Autovermietung - betont und durchexerziert, wie wichtig es doch ist, genau zu lesen und alle denkbaren Bedeutungsebenen eines Wortes zu erfassen. Hast Du auf diese Weise im "Fluch des Rubins" ein Hintertürchen, einen doppelten Boden gefunden?
Ja, einen kleinen: Horatio war vor fünfzig Jahren in den Besitz des Feurigen Auges gekommen, hatte es aber erst vor zwanzig Jahren nach seiner Ankunft im Mittagscanyon vergraben. Um den Fluch zu brechen, musste der Rubin aber fünfzig Jahre lang ungesehen und unberührt bleiben. Da fragte ich mich natürlich: Wo war es die ersten dreißig Jahre lang gewesen? Das war mir vorher nie in den Sinn gekommen. Letztlich hat es die Geschichte nicht wirklich beeinflusst, aber ich fand es spannend, mir mögliche Antworten auszumalen und damit eine von mehreren Lücken in Horatio Augusts Geschichte zu füllen.
Im Buch findet sich ein interessantes Detail, das absolut nebensächlich blieb und im Hörspiel völlig unter den Tisch fällt: der Lufteinschluss, der den monetären Wert des Rubins empfindlich mindert, dem Rubin aber einen besonderen Touch gibt. Bei Robert Arthur kommt ihm keinerlei Bedeutung zu. Bei Dir auch nicht?
Dieser Lufteinschluss war sehr verführerisch. Sehr. Am Ende habe ich mich eigentlich nur aus Komplexitätsgründen davon verabschiedet, ihm eine größere Bedeutung zuzuweisen. Es hätte das Buch vermutlich überfrachtet.
Ich merke gerade, dass ich ganz schön viel preisgebe. Ab jetzt werde ich mich zurückhalten. Ich will ja nicht alles verraten!
Alle drei ???-Fans kennen den "Fluch des Rubins", aber viele nur vom Hörspiel her. Traut man sich da als Autor überhaupt, für die Fortsetzung auf Details im Buch zurückzugreifen, die es 1979 nicht ins Hörspiel geschafft hatten?
Ich habe mich zur Vorbereitung auf Band 200 intensiv mit dem Buch beschäftigt und gar nicht mehr mit dem Hörspiel, um genau dieser Frage aus dem Weg zu gehen. Ich wollte mich nicht selbst beschneiden. Wenn jemand am Ende sagt: "Hä!? Das kam im Hörspiel aber gar nicht vor!", der muss halt einfach glauben, was da steht - oder meinem Ratschlag folgen und sich das Buch vornehmen.
Angenommen, die drei ??? unternähmen noch einmal eine Europareise und sie kämen nach Regensburg, wo in der zu Zeiten des Königsreichs Bayern errichteten Walhalla an der Donau noch heute in einer Ruhmeshalle über hundert Büsten bedeutender Persönlichkeiten stehen: was würden sie dort wohl alles anstellen?
What?
Im "Fluch des Rubins" haben die drei Detektive ihre Telefonlawine ins Rollen gebracht, um möglichst alle verkauften Gipsbüsten zu lokalisieren, aber das war am Ende nicht mehr nötig. Tauchen die Büsten in "Feuriges Auge" womöglich wieder auf? War diese falsche Spur doch nicht so falsch ...?
Wie gesagt: Ich will nicht alles verraten. Der Zufallsgenerator hat entschieden, es bei dieser Frage mit drei Punkten zu belassen ...
August Augusts Onkel heißt Horatio mit Vornamen, dessen erste Hälfte wohl kaum ein Zufall ist, wenn man bedenkt, dass Zeitmesser im "Fluch des Rubins" eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Zudem wird anfangs bei Horatios Haushaltsrest sogar eine Sonnenuhr erwähnt, danach nie mehr. Gefallen Dir solche winzigen Details?
Aber natürlich! Die Sonnenuhr ist erstklassiges foreshadowing!
Gab es für Band 200 zunächst einen anderen Klassikerkandidaten?
Eigentlich nicht. Die einzige andere Option wäre gewesen, sich gar nicht auf einen Klassiker beziehen. Vor vielen Jahren hatte ich mal den Gedanken, zu einem Jubiläum dem Gespensterschloss einen weiteren Besuch abzustatten. Aber das ist mit "Phonophobia" dann auch ohne mein Zutun geschehen. Andere Klassikerfortsetzungen drängen sich mir gerade nicht auf.
Kam Dir die Idee zur Fortsetzung von "Fluch des Rubins" mit "Feuriges Auge", als es an den Jubiläumsband ging, oder hattest Du das schon länger in der Schublade? Hätte die Fortsetzung von "Fluch des Rubins" auch - mit Abstrichen - eine normale Folge werden können?
Die Idee hatte ich schon länger, aber nicht zwingend für eine Trilogie.
Speziell für eine weitere Trilogie hatte ich jedoch eine ganz andere Idee, die gar nichts mit Fortsetzungen irgendeiner Art zu tun hatte. Ich habe dann einfach beide Ideen in einen Topf geworfen und gut verrührt.
Fazit: Eine Fortsetzung von "Fluch des Rubins" hätte theoretisch auch eine normale Folge werden können. Aber es wäre dann auf eine komplett andere Geschichte hinausgelaufen, weil die zweite maßgebliche Idee dort nicht hätte einfließen können.
In Band 100 hast Du die Gelegenheit genutzt, vielen eingefleischten Fans eine optische Neugestaltung der Visitenkarte zuzumuten. Ist auch in Band 200 mit einem ähnlich revolutionären Einschnitt zu rechnen?
Mangels zündender Idee leider nein.
Sind - analog zur "Toteninsel" - ausgewählte Titel ab Folge 101 als Kapitelüberschriften in "Feuriges Auge" zu erwarten?
Ich wollte mich nicht wiederholen, daher auch hier: nein.
Im Kosmos-Verlag hängen hoffentlich überall funktionierende Rauchmelder?
Achtung: Ich konsumiere zwar regelmäßig Geisterperlen, aber trotz gestoppter Alterungsprozesse gehe auch ich, genau wie die drei ???, mit der Zeit. Manuskripte werden daher als Dateien verschickt, denen ein Feuer bekanntlich nichts anhaben kann. Ein Schicksal wie das, das die Brainbitch ..., äh, Bainbridge-Memoiren ereilte, war also nicht zu befürchten.
Ich hoffe trotzdem für alle Verlagsmitarbeiter, dass es Rauchmelder gibt.
Alleine bei den drei ??? findet man bereits den "Feuerturm", den "Feuerteufel", den "Feuermond", die "feurige Flut" und den "Feuergeist" - vom "brennenden Schwert", der "brennenden Stadt" und natürlich der "flammenden Spur" ganz zu schweigen. Musste es nun wirklich noch das "Feurige Auge" sein, zumal der Titel gewissermaßen mit dem Fluch-des-Rubins-Originaltitel "The Mystery of the Fiery Eye" identisch ist?
Das Ding heißt nun mal Feuriges Auge. Das habe ich mir ja nicht ausgedacht. Wäre "der blutrote Edelstein" besser gewesen? Mein erster Titelvorschlag war übrigens "... und der Tempel der Gerechtigkeit", aber das war dem Verlag zu lang, zu erwachsen und zu verschwurbelt. Außerdem wollten sie einen Ein-Wort-Titel. Und "Gerechtigkeitstempel" kam nicht wirklich infrage.
Zugegeben, "Feuriges Auge" sind zwei Wörter. Aber da konnte ich mich dann (halb) durchsetzen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich jedoch nicht auf den Artikel verzichtet.
"Feuriges Auge" enthält drei Bände mit den Titeln "Der verschwundene Detektiv", "Die silberne Hand" und "Der Tempel der Gerechtigkeit". Die ersten beiden mixen altvertraute mit noch nie in einem Titel dagewesenen Begriffen, der dritte Titel erscheint immerhin komplett innovativ, wenn man mal vom ausgeleierten Genitivattribut absieht, auf den Deine Bücher zuletzt abonniert waren. Hat Dich bei einem Deiner Fälle die vom Verlag getroffene Entscheidung für einen einförmigen Baukasten-Titel mit seinen x-mal dagewesenen Versatzstücken schon mal vor den Kopf gestoßen?
Ja.
Das Cover-Triptychon ist diesmal vertikal angelegt - ein netter Einfall, so als hättet Ihr Euch bewusst dazu in einer Zeit entschlossen, in der man bei der Lektüre nicht mehr ausschließlich von links nach rechts umblättert, sondern immer weiter nach unten scrollt oder wischt ...?
Eine interessante Theorie, die aber leider trotzdem nicht stimmt. Ich wollte die Gottheit aus dem Tempel der Gerechtigkeit aufgreifen, um mit Titel und Illustration klarzustellen: dies ist eine Fortsetzung! Und dank der titelgebenden silbernen Hand (das ist ja der Untertitel von Band 2) drängte sich eine vertikale Ausrichtung irgendwann auf.
Dein erster Jubiläumsband "Toteninsel" markierte und erzeugte im Herbst 2001 so etwas wie den ersten allgemeinhin sichtbaren Höhepunkt des drei ???-Revivals. Wo siehst Du die drei ??? heute?
Im Mainstream angekommen. Damals wurde jede Erwähnung der drei ??? in den Medien noch frenetisch von den Fans bejubelt. Inzwischen sind bezugnehmende Artikel, Doktorarbeiten, Fragen in Quizshows und Überschriften von politischen Artikeln in Zeiten der Ratlosigkeit keine Seltenheit mehr.
Nun ist es dreizehn Jahre her, seit Dein letzter Dreiteiler erschien. War der Entstehungs- bzw. Schreibprozess bei "Feuriges Auge" für Dich wie gewohnt? Fiel es Dir durchaus schwer, wieder in dieses Format mit seinen speziellen dramaturgischen Anforderungen und dem dreimal so langen Umfang zurückzufinden, oder war es ein Spaziergang?
Ein Spaziergang!? Das sind schon die normalen Bücher für mich nur in den seltensten Fällen. Ich habe fast ein Jahr für die Trilogie gebraucht. Allein die Datei mit den rausgeschmissenen Szenen hat mehr Umfang als ein regulärer Einzelband. Nein, es war kein Spaziergang. Eher eine Trekkingtour im nordindischen Gebirge.
Erfordert eine drei ???-Trilogie nur das Dreifache an Arbeit oder potenziert sich der normale Aufwand hoch drei?
Theoretisch Ersteres, in meinem Fall aber leider Letzteres. Was vor allem meiner Arbeitsweise geschuldet ist: Ich habe oft keinen ausgereiften Plan, wenn ich mit dem Schreiben anfange. Und wenn doch, dann lasse ich ihn spätestens in Kapitel drei komplett fallen und denke mir alles noch mal von vorne aus. Ab einem gewissen Buchumfang wird es dann schwierig, die Übersicht zu behalten, was zu umfangreichen Umbauarbeiten führen kann.
Zumindest ein Drittel des Covers von "Feuriges Auge" (es ist auch jenes Drittel, das den Schuber vorne ziert) lehnt sich überdeutlich an das von den späteren Buchauflagen und der Hörspielfassung vom "Fluch des Rubins" bekannte Motiv an. So deutlich kopiert wurde ein von Aiga Rasch gezeichneter Klassiker bislang noch nie. War dieser extreme Wiedererkennungseffekt von Anfang an Euer Plan?
Wie oben schon erwähnt: Es war mein dringender Wunsch. In den ersten Entwürfen sah die Götterstatue noch ein wenig anders aus. Ich habe dann gesagt: Nein, der Kopf muss genau so aussehen wie damals, er soll sofort wiedererkennbar sein! Ich will, dass die Leute das Cover sehen und sagen: "Das ist doch der Fluch des Rubins! Warum? Wieso? Hä?" Und damit ihre Neugier wecken. Und für Leute, die die Geschichte nicht kennen, ist es hoffentlich trotzdem ein geheimnisvolles und Abenteuer versprechendes Cover.
Das allererste Covermotiv zum "Fluch des Rubins" mit der Hitchcock-Büste ist vielen wahrscheinlich nicht präsent, aber für die drei ???-Historie sehr wichtig, lieferte doch Aiga Rasch hiermit ihre erste Arbeit (sozusagen als Feuerprobe ...) für die Serie ab. Eine heutige Variation mit einer Marx-Büste war keine ernsthaft erwogene Option, oder?
Haha, nein! Das wäre auch zu viel der Ehre gewesen.
Das Format der Jubiläumstrilogie ging 2001 voll und ganz auf Deine Idee zurück; folgerichtig hast Du denn auch mit "Toteninsel" die erste Jubiläumstrilogie verfasst und nur vier Jahre später mit Folge 125 den nächsten Dreiteiler gestemmt. Du hast es schon anderswo erläutert, aber erklär doch bitte noch mal, wieso Folge 150 und 175 nicht von Dir stammen?
Die Bände 150 und 175 fielen ja (mehr oder weniger) in meine jahrelange Kreativpause, in der ich keine guten Ideen mehr hatte und allgemein ein wenig ausgelaugt war von Rocky Beach. Als ich mit Band 169 zurückkehrte, war die 175 längst beschlossene Sache. Und ich hätte mir zu diesem Zeitpunkt eine Trilogie auch gar nicht zugetraut. Ich wusste ja nicht mal, ob ich "Spur des Spielers" würde schreiben können.
Beim 175er Dreiteiler "Schattenwelt" wurde jeweils ein Einzelband von Christoph Dittert, Kari Erlhoff und Hendrik Buchna verfasst. Das wirkte durchaus experimentell, zumal es - unter anderen Vorzeichen - an den "dreiTag" erinnerte. Stand eine Wiederholung für Band 200 mit Dir als Autor eines Drittels jemals zur Debatte, oder stand von Beginn an fest, dass man mit dem Band 200 zum Konzept der in einem Guss von einem einzigen Autor erdachten Geschichte zurückkehren würde? Hat sich das 175er Experiment schlicht und ergreifend nicht bewährt?
Das kann ich nicht beantworten. Ich wurde vom Verlag gefragt, ob ich Band 200 schreiben möchte. Ich habe nie nachgehakt, warum.
2001 galt im Verlag noch die Devise, Dreiteiler sollten seltene Ausnahmen bleiben, inzwischen werden Jubiläen als Marketing-Tools geschätzt. Aber ist ein Jubiläumsfall alle fünfundzwanzig Folgen tatsächlich sinnvoll?
Ich frage mich eher, ob eine Menge anderer Produkte, auf denen das "Die drei ???"-Logo prangt, sinnvoll sind. Früher hätte ich diese Produkte nicht aufzählen wollen, um niemandem auf die Füße zu treten. Mittlerweile kann ich sie nicht mehr aufzählen, weil ich sie selbst schon längst nicht mehr alle kenne. Da sind die Jubiläumsfälle alle vier Jahre noch der harmloseste Auswuchs.
Ich persönlich kann mit der 100, 125, 150, 175 und 200 sehr gut leben, weil es allesamt jubiläumswürdige Zahlen sind. Ich finde, die erste Zahl, die nach nichts Besonderem mehr aussieht, wird die 225 sein. Ich bin gespannt, ob da etwas Jubiläumsträchtiges passieren wird oder nicht.
Andere Serien gönnen sich auch mal Specials bei krummen Nummern, mit denen es aber eine besondere Bewandtnis hat, z.B. das Lustige Taschenbuch Nr. 313 (Kennzeichen von Donald Ducks Auto). Wäre so was nicht auch mal eine Option? In Bälde naht der Fall Nr. 221 - für Fans von Detektivgeschichten eine magische Zahl ...
Die 221 dürfte über den Köpfen unserer Hauptzielgruppe aber viele Fragezeichen hervorrufen - insofern ziemlich sicher nein. (Ganz abgesehen davon, dass ich den Bezug zu Rocky Beach auch nicht wirklich sehe.)
Sind fernab von Jubiläen die erst durch die Hörspieladaption festgelegten Folgennummern überhaupt irgendwie relevant für Dich? Es war doch schade, dass "Die sieben Tore" Folge 108 und nicht Folge 107 wurde ...?
Ist mir sowas von wurscht.
Aufgrund des Rechtsstreits gerieten die Hörspielumsetzungen ab 2005 für eine Weile ins Hintertreffen; nur Folge 100 erschien zeitgleich als Buch und als Hörspiel. Nun haben sich die Hörspielumsetzungen inzwischen den Buchfolgen angenähert, aber es reicht noch nicht ganz: mit dem Hörspiel "Feuriges Auge" ist in der ersten Jahreshälfte 2019 zu rechnen. War Vorziehen keine Option? Oder seid Ihr froh, dieses eine Mal noch die gesamte Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Buch-Jubiläumsfolge ziehen zu können, bevor das nächste Jubiläum sicherlich wieder gemeinsam stattfindet?
Ich weiß nicht, ob ich richtig informiert bin, aber ich habe gehört, dass dieser zeitliche Abstand nicht weiter verkürzt werden soll. (Es kann aber auch sein, dass das nicht stimmt.) Mir ist es natürlich sehr recht so, denn mir ist schon daran gelegen, dass die Leute zunächst nur das Buch haben.
Unmittelbar nach dem Hype um die Folge 100 hatten die drei ???-Sprecher Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich Kirschsaft geleckt und tourten mit ihrem ersten Live-Hörspiel "Master of Chess" durch Deutschland, inzwischen haben sie die größten Indoor-Arenen und sogar die Waldbühne gefüllt. Es ist kaum vorstellbar, dass sie sich im nächsten Jahr, wenn neben der Hörspielfolge 200 theoretisch auch das 40-jährige Jubiläum der drei ???-Hörspiele ansteht, diese Gelegenheit entgehen lassen. Folgt dann etwas ähnlich Großes oder Größeres? "Die drei ??? und das seltsame Wacken"?
Ich bin bei den Hörspielen wirklich nicht gut informiert. Aber diese Shows haben eine laaange Vorlaufzeit. Und da mir noch nichts zu Ohren gekommen ist, würde es mich sehr wundern, wenn es 2019 eine Live-Tour gäbe. Da es inzwischen absolut üblich ist, Veranstaltungstickets bereits ein Jahr im Voraus anzubieten, müsste man ja längst was gehört haben, oder?
Oliver Rohrbeck inszeniert mit seiner Lauscherlounge seit einiger Zeit Klassikerfolgen als Mitmachhörspiele. In diesem Jahr geht er rund um den Veröffentlichungstermin von "Feuriges Auge" mit "Die drei ??? und der grüne Geist" auf Tour - 2017 war es "Die drei ??? und der Fluch des Rubins". Hätte man das nicht besser koordinieren können?
Ich habe keine Ahnung, was Oliver Rohrbeck so treibt. Und er weiß auch nicht, was ich auf meinem Schreibtisch habe. Es gibt eigentlich keine Berührungspunkte zwischen der Arbeit der Autoren und der Lauscherlounge. Insofern: Ja, hätte man sicherlich. Aber auf den Gedanken ist mangels Austausch überhaupt niemand gekommen.
Der "Fluch des Rubins" entstammt der ersten Hörspielstaffel mit neun Folgen, in denen Oliver, Jens und Andreas 1979 noch richtig jung waren. Der stimmliche Kontrast zur heutigen Zeit fällt natürlich umso mehr auf, wenn der spätere Plot auf den früheren zurückgreift. Ist womöglich eine Neuvertonung des Fluch des Rubins angedacht?
Auch davon weiß ich nichts. Es würde mich jedoch stark wundern. Außerdem sind ja auch innerhalb der Handlung einige Jahre vergangen. Dass es bei den Sprechern nunmehr Jahrzehnte sind, wirft für mich ganz allgemeinere Fragen auf.
Neuerdings hört man Justus Jonas vermehrt auch in der politischen Berichterstattung. Was ging Dir durch den Kopf, als Kevin Kühnert, im letzten Herbst vehementer GroKo-Gegner und seit einem Jahr Vorsitzender der Jusos, Dir erstmals zu Ohren kam?
Ich oute mich mal als Tagespolitikmuffel. Deshalb ist mir Herr Kühnert erst gerade eben, nach dem Lesen der Frage, zu Ohren gekommen. Ich finde, er klingt überhaupt nicht wie Oliver Rohrbeck! Oder jedenfalls nur, wenn man diese Ähnlichkeit raushören möchte. Aufgedrängt hat sich mir das nicht.
Mit seiner akustischen Ähnlichkeit zu Oliver Rohrbeck geht Kühnert zwar nicht hausieren, aber in seinem eigenen Twitter-Profil bezeichnet er sich als "inoff. Justus Jonas-Stimmdouble" und bietet sich gelegentlich augenzwinkernd als Nachfolger an. Hättest Du nach "Doppelte Täuschung" (2001) nicht mal wieder Lust, das Doppelgänger-Motiv zu variieren und zwar (ähnlich wie beim "riskanten Ritt", wo Oliver die Doppelrolle übernehmen musste) mit einem akustischen Doppelgänger? Das wäre doch mal eine sinnvoll besetzte Promi-Hörspielrolle?
Ernsthaft!? Wie viele Doppelgänger-Folgen gab's inzwischen? Nein, ganz bestimmt nicht.
Bleiben wir in der Realität: in Deinen Büchern, z.B. in "Toteninsel", greifst Du gerne auch mal die ganz großen Themen auf und integrierst die Weltpolitik in Deine Geschichten; auch "Die Spur des Spielers" wäre ohne den zeitgeschichtlichen Hintergrund des Kalten Kriegs und der McCarthy-Ära nicht denkbar, dennoch erstaunt es ein wenig, dass eben dieser Name im Buch kein einziges Mal fällt. Gibt es eine Übereinkunft, derlei direkte Anspielungen zu unterlassen?
Nicht direkt. Aber man sollte nie die Zielgruppe der zwölfjährigen Leser aus den Augen verlieren. Denen musste ich in "Spur des Spielers" erst mal so knapp wie möglich erklären, was der Kalte Krieg überhaupt ist. Und da ist namedropping wenig zielführend. Es ging mir darum, ein allgemeines Bild der damaligen Situation zu zeichnen, weniger um politische Daten oder real existierende Personen.
In Deinem Anfang 2013 veröffentlichten Buch "Die Spur des Spielers" gehört die Phase intensiver Geheimdienst-Schnüffelei in den USA der Vergangenheit an - vier Monate später kannte jeder Edward Snowden. Bei der im Buch getroffenen Feststellung "Das war keine schöne Zeit, aber sie ist ja vorbei" hält man deshalb unweigerlich inne. Wie weit darf die echte Zeitgeschichte in Rocky Beach Einzug halten, ohne dass Eure Geschichten Gefahr laufen, später von der Realität eingeholt oder über den Haufen geworfen zu werden?
Vorweg: Der Kommentar "Das ist ja vorbei" war nie so gemeint, dass es keine Spionage mehr gibt. Sondern dass der Kalte Krieg in dieser Form vorbei ist. So war es zumindest gedacht.
In die Gefahr, von der Realität eingeholt zu werden, begibt man sich natürlich immer. Keiner weiß, was die Zukunft bringt. Ich frage mich zum Beispiel seit Jahren, was eigentlich passiert, wenn es irgendwann mal das große Erdbeben in Kalifornien gibt, das seit Jahrzehnten erwartet wird. Wenn womöglich die halbe Küste in Schutt und Asche liegt - wird das in unsere Bücher einfließen?
Ich war früher hemmungsloser mit echter Zeitgeschichte (und bin in Fällen wie der Premiere "des neuen Star-Wars-Films" sogar damit durchgekommen, weil es früher oder später immer einen neuen Star-Wars-Film gab und geben wird). Inzwischen versuche ich aber, allzu deutliche zeitliche oder politische Bezüge zu vermeiden. "Kalter Krieg" schien mir allgemein genug, um als Hintergrund für eine Geschichte verwendet werden zu können. Ich weiß aber nicht, ob ich so etwas auch mit beispielsweise dem 11. September 2001 machen würde.
Kann sich eine Buchserie, die ihren jungen Leserinnen und Lesern nach wie vor einen US-amerikanischen Schauplatz präsentiert, auf die Dauer an der gegenwärtigen Realität im eigenen Land vorbeischlängeln? Das Ansehen der USA in der Welt hat in den letzten beiden Jahren arg gelitten ... Im Weißen Haus sitzt derzeit ein Großmaul mit den charakterlichen Eigenschaften eines Skinny Norris, der ebenso widerwärtig daherredet, verantwortungslos handelt und die Wahrheit mit Füßen tritt. Bereitet Euch das im drei ???-Team allmählich Sorgen? Oder hofft Ihr, dass der kalifornische Freigeist das Heile-Welt-Image Eurer Serie beschützt, es vielleicht noch heller strahlen lässt als sonst?
Trump wird ja in spätestens zwei Jahren wieder weg sein (wehe nicht!). Was sind schon vier Jahre Amtszeit im seit nunmehr 50 Jahren andauernden ewigen Sommer von Rocky Beach? Nicht mehr als eine Fußnote, die man gerne ignorieren darf. So rede ich mir die Dinge zumindest schön.
In der "bedrohten Ranch" schimpfte Mr. Barron auf den vermeintlichen, aber nur geschauspielerten US-Präsidenten (zu jener Zeit Ronald Reagan) und in "Wolfsgesicht" scheint der echte US-Präsident (zu jener Zeit Bill Clinton) von einem Attentat bedroht zu sein. Juckt es Euch nicht in den Fingern, Donald Trump auf irgendeine direkte oder indirekte Art und Weise in Rocky Beach zu thematisieren?
Also, mich nicht. Was aber nicht heißt, dass ich es nicht doch irgendwann tun werde. Oder einer meiner Kollegen. Aber momentan nimmt mir dieser Schreihals schon genug Raum in der öffentlichen Wahrnehmung ein. Ich möchte ihm nicht noch zusätzlichen Platz in meinen Geschichten einräumen, auch nicht in kritischer Form.
Selbst wenn Trump früher oder später das Weiße Haus verlassen muss: er schikaniert Minderheiten, er attackiert und drangsaliert Andersdenkende und macht dabei auch vor Ermittlungsbehörden und vor der freien Presse nicht halt - er unterhöhlt damit nicht nur staatliche Institutionen und das gesamte demokratische System, sondern durch die US-amerikanische Gesellschaft geht ein tiefer Riss. Zumindest dem rationalen Analytiker Justus und dem angehenden Journalisten Bob müsste doch angesichts der "alternativen Fakten" Orwellschen Ausmaßes regelmäßig der Kirschkuchen hochkommen. Wäre es daher nicht zwingend und überaus reizvoll, dies beispielhaft in einem Fall zu verhandeln?
Das bringt mich auf Ideen ... So geschildert, wäre es vielleicht reizvoll, ja. Aber es könnte den Rahmen der Reihe leicht sprengen, wenn man nicht sehr behutsam vorginge. Am Ende muss ein auch für junge Leser verständlicher und spannender Fall herauskommen. Kann man natürlich versuchen. Aber ich weiß nicht, ob ich der richtige Autor dafür wäre.
Zunächst jedoch sind wir sehr auf "Feuriges Auge" gespannt - der Dreiteiler erscheint am 13. September, und Du wirst Dein Werk am 14. Oktober 2018 auf der Frankfurter Buchmesse mit einer Lesung präsentieren. Was erwartet Dich und die geneigten Fans vor Ort?
Das frage ich mich auch. Es wird eine Lesung. Obwohl ich Lesungen eigentlich öde finde. Ich werde mir also noch überlegen, wie ich mit diesem Missverhältnis umgehe. Vermutlich weiß ich das aber erst kurz vorher. Kommt einfach vorbei! Am Buchmessensonntag um 13 Uhr im Pavillon im Innenhof.
Wir danken für dieses Gespräch und hoffen, es demnächst fortzusetzen, schließlich hast Du in den vergangenen Jahren neben "Feuriges Auge" ja noch weitere Folgen zur Serie beigesteuert ("Die Spur des Spielers", "Der Geist des Goldgräbers", "Das Kabinett des Zauberers", "Insel des Vergessens", "Geheimnis des Bauchredners", "Das versunkene Schiff", "... und das Grab der Maya") und auch zu vielen anderen Facetten der drei ???-Serie wirst Du uns sicherlich so einiges erzählen können ...
Aber gerne!
Die Fragen stellte das Team der rocky-beach.com.
Weiterführende Links:
Bücher: Die drei ??? und der Fluch des Rubins
Bücher: Die drei ??? - Feuriges Auge
Hörspiele: Die drei ??? und der Fluch des Rubins
Coverarchiv: The Three Investigators in The Mystery of the Fiery Eye
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