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Das André Marx Special
+++ Interview mit André Marx im Oktober 2006 +++
 

Lange Zeit schien drei ??? Autor André Marx abgetaucht, mehrere Interview-Anfragen wurden abgelehnt und auch sonst konnte man keine Statements von ihm in der Öffentlichkeit lesen. Nun kam André von sich aus auf uns zu und bot uns ein Interview an. Herausgekommen ist ein tiefer Einblick in seine momentane Seelenlage, die Erlebnisse der letzten Monate und vor allem seine Sicht auf die aktuelle Entwicklung der drei ???.
 

André, Du hast uns mit einer rekordverdächtigen Fragebox und auch anschließend mit einigen speziellen Frageboxaktionen jahrelang Rede und Antwort gestanden. In letzter Zeit war es um Dich etwas ruhiger geworden. Wie geht es Dir?
Okay, fangen wir mal ganz soft an: Ruhiger wurde es deshalb, weil ich wirklich das Gefühl hatte, mich in Frageboxen und Interviews nur noch wiederholen zu können. Und ich wollte auch mal andere Leute zu Wort kommen lassen und nicht ständig die halbe Fangemeinde totquatschen. ;-) Aber es ging mir bestens, danke der Nachfrage. Und es würde mir auch immer noch bestens gehen, wenn die Situation rund um die drei ??? momentan nicht so deprimierend wäre. Womit wir dann auch gleich beim Thema sind.
Vielleicht könntest Du uns zu Beginn einen kurzen Abriss der Entwicklungen der letzten Monate aus Deiner Sicht geben?
Sehr gern. Die Sachlage ist allerdings so kompliziert und vielschichtig, dass ich an dieser Stelle betonen möchte, dass mir möglicherweise hier oder da ein kleiner Detailfehler unterläuft. Aber im Großen und Ganzen stellt sich mir die Geschichte folgendermaßen dar: Kosmos war seit 1968 Lizenznehmer bei Random House und brachte die deutschen Ausgaben der Serie "The Three Investigators" unter dem Namen "Die drei ???" heraus. Nachdem die Serie in Amerika Anfang der Neunziger nach den "Crimebusters" eingestellt wurde, bemühte sich Kosmos um die Erlaubnis, die Reihe in Deutschland mit deutschen Autoren fortsetzen zu dürfen. Alles lief wunderbar. Aber dann fielen die Rechte von zehn Robert-Arthur-Bänden "The Three Investigators" zurück an seine Tochter Elizabeth Arthur. Ob sie die Rechte einforderte oder irgendein Vertrag auslief, weiß ich nicht. Jedenfalls musste Kosmos von nun an mit Mrs Arthur verhandeln. Das stellte sich als recht kompliziert heraus, weil Mrs Arthur wohl etwas andere Vorstellungen hatte als Random House, weshalb die Verhandlungen recht lange dauerten. Doch schließlich konnte man sich einigen. BMG, die für die Hörspiele als Lizenznehmer von Kosmos natürlich ein Interesse am Ausgang der Geschichte hatten, wurden über den Stand der Verhandlungen von Kosmos auf dem Laufenden gehalten. Schließlich waren Kosmos und BMG ja seit Jahrzehnten kooperierende Geschäftspartner. Aber kurz vor Abschluss der Vertragsverhandlungen bietet BMG den Arthur-Erben (also Elizabeth und ihrem Bruder) blitzschnell eine um einiges höhere Summe als Kosmos und reißt sich so hinterrücks die Rechte an den zehn von Robert Arthur verfassten Bänden unter den Nagel. Und obwohl Mrs Arthur maximal Inhaberin der Rechte an diesen ersten zehn Geschichten war (möglicherweise nicht einmal das, doch dazu später mehr), behauptet BMG plötzlich, Inhaber praktisch aller Rechte zu sein. Sie erheben Anspruch auf das Urheberrecht an allen anderen Bänden der Serie (obwohl das definitiv bei Kosmos liegt) und an der Wortbildmarke "Die drei ???", obwohl letztere bereits zehn Jahre vor dem Erscheinen des allerersten Hörspiels erfunden wurde.
Kosmos hat die Wortmarke "Die drei ???" im Jahre 1999 eintragen lassen. Durfte man das überhaupt?
Ja, warum denn wohl nicht? Kosmos hat den Namen und das Logo nicht nur erfunden, sondern auch aufgebaut und in den ersten zehn Jahren auch vollkommen allein bekannt gemacht und vermarktet. Als Ende der Siebziger die Hörspiele dazu kamen, war "Die drei ???" bereits eine Marke, auch wenn man das damals vermutlich noch nicht so genannt hat. Wer, wenn nicht der Kosmos-Verlag, sollte ein Anrecht auf diese Marke haben? Dass sie "erst" 1999 eingetragen wurde, hängt einfach damit zusammen, dass dieser Markennamenterror noch nicht so lange in Mode ist. Ich sage nur: Die FIFA und die Fußball-WM. So etwas war früher nicht üblich, da hatten die Leute noch ein bisschen mehr Verstand im Kopf und Moral im Herzen. Da war es noch nicht nötig, irgendwas schützen zu lassen. Da musste man noch keine Angst haben, dass irgendein größenwahnsinniger Konzern daherkommt und einem plötzlich irgendeinen Markennamen streitig macht.
Wie hast Du zum allerersten Mal erfahren, dass die drei ???-Serie in ihrer traditionellen Form, also mit ihrem Medienverbund "Buch --> Hörspiel", am Scheideweg steht - und was ging Dir da durch den Kopf?
Es gab zunächst nicht den einen, entscheidenden Moment. Dass irgendwas im Busch war, zeichnete sich ab, als das Hörspiel zu "Spur ins Nichts" einfach nicht erscheinen wollte. Tausende von Gerüchten geisterten durch die Fanlandschaft, das muss ich Euch ja nicht erzählen. Klar war: Da passiert irgendwas. Aber ich hatte keine Ahnung, was das war. Bei Kosmos hielt man sich auch den Autoren gegenüber zunächst bedeckt, weil man sich anfangs noch sicher war, die Angelegenheit bald bereinigt zu haben. Doch dann wurden wir Autoren, also Astrid, Marco, Ben und ich, überraschend nach Stuttgart eingeladen. Ulf Blanck und Boris Pfeiffer, die beiden Kids-Autoren, ebenso. Dort saßen dann alle zusammen, die an den drei ??? arbeiten, inklusive Lektorat und Vertrieb. Und inklusive der beiden Geschäftsführer Herr Meffert und Herr Fleissner, der auch dieses ganze Rechtsdrama in die Hand genommen hatte. Sie hatten dieses Treffen einberufen, um wenigstens uns die Unsicherheit und Ungewissheit zu nehmen, was eigentlich gerade los ist. Wir waren natürlich alle vollkommen entsetzt.
Gab es vorher irgendwelche Anzeichen, von denen man im Nachhinein denkt: Mensch, da hätte ich schon was merken müssen?
Wie gesagt: Mit der ewigen Verzögerung des Hörspiel-Erscheinungstermins war klar, dass irgendwas nicht stimmt. Die böse Vorahnung wurde stärker mit jedem Monat, der verging, ohne dass etwas passierte. Als die Einladung kam, war mir klar: Hier ist etwas wirklich Großes im Gang! Größer als jemals zuvor. Aber meine schlimmsten Befürchtungen wurden von der Wahrheit dann doch locker getoppt.
Hattest Du auch schon Vorahnungen bei "Master of Chess"? Eine Show, die immens erfolgreich war, ohne dass sie auf einem Skript eines traditionellen Buchautoren fußte?
Nein, keine Vorahnungen. Im Nachhinein denke ich, dass es diese Show rein rechtlich gesehen niemals hätte geben dürfen. Im Moment wird jeder Pups in Frage gestellt und mit einer Klage belegt. Bei "Master of Chess" hatte noch niemanden interessiert, wer da eigentlich rechtlich gesehen etwas machen darf oder nicht machen darf. Alle dachten wahrscheinlich: Egal, die Fans freuen sich, es macht die drei ??? populär, also was soll's, warum sollen wir hier jetzt eine Welle machen? Ist doch schön, wenn's alle schön finden. Eine sehr angenehme, entspannte Haltung, geradezu undeutsch, wenn Ihr mich fragt. Und heute leider undenkbar.
Nächstes Beispiel: die "Super-Papagei"-Gala in Hamburg: Warst Du da anwesend?
Ja. Ich wurde immerhin eingeladen.
Am Ende der Show ließen sich alle an den Hörspielen beteiligten Personen feiern, aber außer André Minninger wurde kein Buchautor auf die Bühne gebeten - fandest Du das richtig?
Nein, ich fand's nicht richtig, aber auch nicht sonderlich überraschend. Im Gegenteil, es war sogar sehr typisch. Schließlich hatte es in der Vergangenheit schon etliche Situationen gegeben, in denen BMG sich in den Vordergrund manövriert hatte. Ich erinnere mich an die Folge 100: Wusstet Ihr, dass BMG sich zunächst mit Händen und Füßen gegen das Dreiteiler-Konzept gewehrt hatte? Und zwar weil eine Dreierbox nicht so gut in die Verkaufsdisplays passte! Später, als das Ding ein Riesenerfolg wurde, taten sie dann so, als wäre es von Anfang an ihre Idee gewesen. Am peinlichsten an der Super-Papagei-Gala fand ich allerdings, dass Europa-Boss Ulli Feldhahn sich praktisch selbst einen Preis überreichte. Aua, aua. 
Das hört sich jetzt fast so an, als seien sich Kosmos und SonyBMG schon eine Zeit lang nicht grün gewesen, und als sei die derzeitige Entwicklung nichts anderes als die letzte Konsequenz - mit dem Ziel, Kosmos den langersehnten finalen Schlag zu verpassen?
Ich weiß nicht, wie lang ersehnt dieser Schlag war. Ob man schon seit Jahren nach einer Möglichkeit suchte oder einfach eine Gelegenheit wahrnahm, die sich bot, kann ich nicht beurteilen.
Wie ist es mit André Minninger: Ab wann war klar, dass er kein Buch mehr veröffentlichen würde?
Gar nicht. Er hatte und hat jederzeit die Möglichkeit, ein Manuskript bei Kosmos abzuliefern. Das Lektorat hat immer gesagt: Jederzeit gern! Aber er hat nie wieder etwas geschrieben. Dass das allerdings irgendwie in Zusammenhang mit der aktuellen Misere steht, glaube ich nicht.
"Die Pforte zum Jenseits" war also nicht evtl. als Buch geschrieben, aber von Kosmos abgelehnt worden?
Soweit ich weiß, nein. Ich habe regelmäßig im Verlag nachgefragt und bin auch sehr sicher, eine ehrliche Antwort bekommen zu haben. 
Was ist mit "Die drei !!!"? Siehst Du diese Ablegerserie als Vorzeichen für die Entwicklungen? Und was hältst Du von ihr?
Ganz ehrlich: Ich finde "Die drei !!!" vollkommen überflüssig, und ich finde sie anbiedernd. Ich habe es nicht über mich gebracht, eines der Bücher zu lesen, daher kann ich nichts über den Inhalt sagen. Meiner Meinung nach hätte Kosmos sich diese Bücher sparen können. Aber: "Die drei !!!" haben garantiert überhaupt nichts mit der ganzen Sache zu tun, denn sie sind keine Ablegerserie. Das ganze Konzept hat von vorne bis hinten definitiv nichts mit den drei ??? oder Robert Arthur oder Random House oder sonst wem zu tun. Lediglich der Reihentitel ist eine Abwandlung eines anderen Reihentitels, den Kosmos erfunden hat. Das ist alles. Die beiden Serien sind ungefähr so verwandt wie "Die Wilden Kerle" und "Die Wilden Hühner". Der Phänotyp mag vertraut anmuten, der Genotyp könnte unterschiedlicher kaum sein. (Ha, war der Bio-LK doch noch für was gut!)
Wie beurteilst Du die Rolle des drei ???-Kinofilms im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit? Studio Hamburg Productions hatte sich bei Elizabeth Arthur neben den Rechten an den Arthur-Büchern auch die Option gesichert, eigene Geschichten entwickeln zu können. War das vielleicht der Dammbruch?
Hm, schwer zu sagen. Möglicherweise ist BMG dadurch auf die Idee gekommen, sich direkt an Mrs Arthur zu wenden, anstatt weiterhin mit Kosmos zusammen zu arbeiten. Aber man müsste mal die Chronologie der Ereignisse genau zurückverfolgen, ob das möglich ist. Letztlich ist es aber auch vollkommen egal. Fest steht: BMG hat sich dazu entschlossen, an Kosmos vorbei zu arbeiten und den Buchverlag auszubooten. 
Und das muss man sich jetzt mal wirklich in aller Ausführlichkeit vor Augen führen: Natürlich ist es nichts Widerrechtliches, ein Rechtepaket zu kaufen. Aber die Art und Weise, wie das passiert ist! BMG war seit über 25 Jahren Lizenznehmer bei Kosmos! Es war eine Jahrzehnte bestehende Partnerschaft! Eine Partnerschaft, in der beide Parteien zwar nicht immer einer Meinung waren, aber nichtsdestotrotz gemeinsam eine Menge Geld mit den drei ??? verdient haben. BMG sicherlich sogar mehr als Kosmos selbst, weil die Hörspiele ganz einfach viel höhere Verkaufszahlen als die Bücher hatten. 
Dann gab es eines Tages keinen Nachschub mehr aus Amerika und Kosmos nahm die Sache mit deutschen Autoren selbst in die Hand. Ohne diesen Schachzug gäbe es die drei ??? seit fünfzehn Jahren nicht mehr! Hat BMG da irgendeinen Handschlag getan? Nein, warum auch, es lief ja alles bestens, man war mit Kohlescheffeln schon genug beschäftigt. 
Und dann erleben die drei ??? vor fünf, sechs Jahren plötzlich den zweiten großen Boom, nachdem es während der Neunziger ziemlich verhalten war. Plötzlich explodiert alles: Folge 100 erscheint und wird ein Mega-Seller. Die Filmrechte werden verkauft und es entsteht eine Big Budget-Verfilmung. Die Sprecher gehen mit Riesenerfolg auf Tournee. Das Vollplaybacktheater ist immer ausverkauft. Und plötzlich erwachen die Leute hinter den Kulissen aus ihrem Dornröschenschlaf, die Dollarzeichen fangen in ihren Augen an zu leuchten und BMG denkt sich: Hey, das ist ja ein Riesenfisch, den wir da seit Jahrzehnten an der Angel haben! Der gehört zwar eigentlich Kosmos, die haben das Ding damals in Amerika entdeckt, übersetzt, in Deutschland veröffentlicht, die Marke erfunden und entwickelt und sich für eine Fortsetzung eingesetzt, nachdem eigentlich schon alles vorbei war, während wir seit Jahrzehnten mit einem Minimum an Aufwand und Engagement das Maximum an Geld rausholten, aber scheiß drauf: Das Ding krallen wir uns jetzt! 
Gesagt, getan. Während Kosmos gutmütig jede Information über den Stand der Vertragsverhandlungen mit BMG teilte, rieb BMG sich die Hände und schmiedete eigene Pläne. Natürlich kann man "gutmütig" auch mit naiv oder dämlich übersetzen. Aber zumindest nicht mit kaltschnäuzig, hinterhältig und kackendreist. Ich weiß gar nicht, was mich an dieser ganzen Geschichte mehr aufregen soll: Die Unverfrorenheit, mit der ein seit 25 Jahren bestehendes Geschäfts- und Vertrauensverhältnis über Bord geworfen wurde oder die zum Himmel schreiende Dämlichkeit, dass sie bei all dem nicht einmal bedacht haben, mit dem Rechtepaket von Mrs Arthur allein gar nicht besonders viel anfangen zu können. 
Sorry, dass ich jetzt so ausgeholt habe, aber es macht mich einfach rasend!
Ist es genau dieser Vorgang, den Du gerade geschildert hast, den Kosmos in einer Presseerklärung mit "treuwidrig Teilrechte an sich gebracht" umschreibt?
Exakt. Und zwar zurecht. 
Kosmos spricht außerdem von der "angeblichen Erbin" Elizabeth Arthur und insinuiert damit, da könne etwas nicht stimmen. Hat Robert Arthur die Rechte etwa nicht seiner Tochter vermacht?
Das ist die große Frage. Man sollte meinen: ja. Ihr und ihrem Bruder. Das Problem ist nur: Elizabeth Arthur weigert sich seit Jahren standhaft, zu beweisen, dass sie überhaupt die rechtmäßige Erbin dieser Rechte ist. Das hört sich erst mal albern ein, weil es ja so offensichtlich erscheint, dass sie die Erbin ist, wer denn sonst? Aber wenn man mal darüber nachdenkt: Wenn es doch so offensichtlich ist, wo liegt dann das Problem, einen Beweis in Form einer Urkunde, eines Erbscheins oder was man da sonst so hat, zu erbringen? Dieser Sachverhalt ist noch nicht geklärt, und vielleicht sollten wir die Dame an dieser Stelle mit einem Fragezeichen versehen. 
In welchem Zusammenhang sollte Elisabeth Arthur denn die Rechte offenbaren?
In jedem. Sie kann ja keine Rechte verkaufen, die sie möglicherweise nie besessen hat. Das ist eine der vielen, vielen Baustellen, mit denen sich die Rechtsberater von Kosmos gerade beschäftigen.
Bleiben wir bei den Rechten: Random House und die anderen Angaben über den Schöpfer der Serie fehlen seit 2005 in den Kosmos-Büchern. Welchen Grund hat das und welche Auswirkungen hat es auf den Rechtsstreit?
Der Grund ist simpel: Kosmos hat im Jahr 2004 sämtliche Rechte an allen nicht von Robert Arthur verfassten Büchern von Random House erworben. Das war übrigens auch der Grund, warum der Lizenzvertrag zwischen Kosmos und BMG neu verhandelt werden sollte: Kosmos war jetzt Rechteinhaber von mehr als 90% aller drei ???-Geschichten, nicht mehr Random House, was natürlich auch Auswirkungen auf Lizenzvergaben hatte.
Worauf beruhen die Rechte des Kosmos-Verlages, neue Geschichten zu verfassen?
Gute Frage. Für die Beantwortung muss ich etwas weiter ausholen: Die Reihe hat mittlerweile eine vierzigjährige Geschichte auf dem Buckel. Von damals bis heute sind und waren involviert: Robert Arthur, seine beiden Kinder, Random House, Alfred Hitchcock und dessen Erben, der Kosmos-Verlag, BMG und mittlerweile auch noch Studio Hamburg. Vor allem der Kontakt zwischen Random House und Kosmos war wohl jahrelang sehr schwierig, weil Random House sich einfach nicht für das interessierte, was im fernen Deutschland mit dieser merkwürdigen Serie, der in den USA nie ein großer Erfolg beschert war, passierte. Sie reagierten schlicht und ergreifend meistens gar nicht erst auf die Kontaktgesuche von Kosmos, wenn es um Rechtsfragen ging. Kein Wunder also, dass im Laufe dieser langen Zeit die Grenzen immer mehr verschwammen und irgendwann keiner mehr so richtig wusste, wer jetzt eigentlich welche Rechte hat, wer was darf und was nicht, wer wem was zahlen muss und wofür und überhaupt. Nun hat BMG dieses Rechtepaket von Mrs Arthur gekauft (gehen wir, um es nicht noch komplizierter zu machen, jetzt einmal davon aus, sie hat die Rechte tatsächlich besessen). Das ist ein Fakt, der natürlich erst einmal alles in Frage stellt. Und es ist absolut richtig und wichtig, jetzt ein für allemal und endgültig zu klären, was Sache ist und wer wem etwas schuldig ist oder nicht. 
Aber von einer sachlichen Klärung der Lage kann nicht die Rede sein: BMG stellt sich hin und beansprucht per se alles für sich. Und das ist doch nun wirklich völliger Humbug! Kosmos hat die Reihe nach Deutschland geholt und zu einem Erfolg gemacht, lange bevor es überhaupt die Hörspiele gab. Die damalige Übersetzerin der amerikanischen Bände, Leonore Puschert, hat die Hitchcock-Kommentare erfunden, die es im Original überhaupt nicht gab, und die die Serie von vergleichbaren Jugendkrimis abhoben und einen entscheidenden Teil des Charmes der Bücher ausmachten. Die deutschen Autoren haben da weitergemacht, wo in den USA bereits ein Ende erreicht war. Die Serie wurde weiter entwickelt, es wurden ganz neue Themen angesprochen, die Serie bestand nicht mehr nur aus Mystery-Folgen wie bei Robert Arthur. Es gab pure Krimis, es gab Action-Folgen, es gab Folgen, die gesellschaftliche Themen behandelten, es gab Trilogien, die Beziehungen unter den Figuren wurden stärker beleuchtet, es gab einen ganzen Haufen neuer Nebenfiguren und so weiter und so fort. Kosmos hat eine Serie über Jahrzehnte am Leben gehalten, die, wäre sie weiter strikt dem Robert-Arthur-Schema gefolgt, schon längst tot wäre. Versteht mich nicht falsch, ich finde die zehn Arthur-Bände großartig. Aber 130 Mystery- und Rätsel-Bücher hätte die Reihe nicht verkraftet. Alle inhaltliche Innovation ging von Kosmos aus. Das mag nicht immer den Geschmack der Fans getroffen haben. Aber es hat die Serie definitiv lebendig gehalten. 
Und von dieser langen, langen Arbeit haben sowohl BMG als auch Mrs Arthur ebenso lange profitiert. Seit zwei Jahren besitzt Kosmos nun auch die Rechte an allen Nicht-Arthur-Bänden. 
Und nun kommt BMG und behauptet, Kosmos habe keinerlei Rechte an der Reihe. Alles, was Kosmos in den letzten vierzig Jahren getan hat, hätte gar nichts zu bedeuten. Das alles sei immer noch von A bis Z das Werk von Robert Arthur und damit fest in BMG-Hand. Es gäbe keine rechtliche Grundlage für das, was Kosmos macht. 
Hallo? Geht's euch noch gut? Bei Kosmos liegen die Rechte für die 120 Geschichten, die nach Robert Arthur kamen! Und das soll nichts bedeuten? Daraus leiten sich keine Rechte am Gesamtwerk ab? Die zehn Arthur-Bände sind alles, die 120 Kosmos-Bände nichts? Wenn dem so wäre, hätte die Reihe bereits 1970 das Zeitliche gesegnet! 
Ganz abgesehen davon: BMG echauffiert sich plötzlich über Dinge, die ihnen bis vor kurzem noch vollkommen egal waren: Es wird ständig von Urheberrecht gefaselt, aber was war denn mit "Master of Chess"? Die Tournee fand in vollkommen rechtsfreiem Raum statt, für "Master of Chess" hat nämlich meines Wissens niemand irgendwelche Tantiemen gesehen. Daran haben nur BMG und die Sprecher verdient. Aber jetzt wird die Moralkeule geschwungen.
Das Recht eigene Geschichten zu schreiben, leiten Deiner Meinung nach also Kosmos und BMG aus den jeweils erworbenen Rechten ab?
Im Prinzip ja. Wobei sich die Argumentationen beider Parteien wahrscheinlich schon voneinander unterscheiden. Aber im Großen und Ganzen ist es das.
Ist es möglich, dass es dadurch zu einer Art Patt kommt, und bald beide Parteien nichts mehr veröffentlichen dürfen?
Die Idee ist zwar absolut absurd, aber ich halte sie nicht für unmöglich. Ich halte gar nichts mehr für unmöglich. Und je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir dieses Szenario eigentlich. Wenn gar nichts mehr geht und nichts mehr erscheinen darf, dann muss noch mal ganz von vorne verhandelt werden. Und das wäre im Moment wirklich das Beste für alle, wenn Ihr mich fragt.
Erhielten die Erben Robert Arthurs Tantiemen für die Veröffentlichung von drei ???-Bücher in Deutschland? Ist dies jetzt auch noch für neue drei ???-Geschichten der Fall?
Soweit ich informiert bin, war das früher immer eine Sache zwischen Random House und den Erben: Kosmos hat Tantiemen an Random House gezahlt bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie die Rechte an allen Nicht-Arthur-Titeln von Random House erwarben. Random House wiederum war dafür verantwortlich, einen Teil dieser Tantiemen an die Erben abzuführen, denke ich mal. Wie das seit 2004 gemacht wird, weiß ich nicht. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass z.B. die Angehörigen von M.V. Carey und William Arden für ihre in Deutschland verkauften Bücher kein Geld mehr bekommen. Das ist sicherlich irgendwie geregelt. Ob und wie die Arthur-Erben daran noch beteiligt sind, weiß ich allerdings nicht. Genau diese Frage ist sicherlich einer der vielen Streitpunkte.
War der Wechsel der Rechte von Random House zu Kosmos der entscheidende Grund, warum Alfred Hitchcock vom Cover verschwand?
Soweit ich weiß, lief die ganze Hitchcock-Geschichte unabhängig vom Rest. Mit den Hitchcock-Erben wurde separat verhandelt. Random House konnte sich mit denen nicht einigen und Hitchcock verschwand. Da besteht kein Zusammenhang zum aktuellen Drama und Kosmos hatte auch nur einen ausführenden Part.
Zurück ins Inland: es geht das Gerücht, dass Kosmos bei den Neuverhandlungen der Lizenzen mehr Geld von SonyBMG haben wollte und das der Stein des Anstoßes war?
Das ist natürlich ein nahe liegender Gedanke. Aber wie gesagt: Kosmos war ja erst mal selber damit beschäftigt, mit Mrs Arthur zu verhandeln. Sie waren noch gar nicht in der Position, mit BMG etwas Festes auszumachen. Am Geld hat es sicher nicht gelegen. 
SonyBMG hat im Oktober eine eigene Serie mit neuem Titel über die Jungs aus Rocky Beach gestartet. Sie glauben also selbst nicht mehr daran, in absehbarer Zeit den Namen "Die drei ???" benutzen zu dürfen ...?
Sie dürften schon! Aber blöderweise hat BMG einen Betrag in Höhe X an die Arthur-Erben gezahlt, und von dieser Investition wollen sie natürlich etwas haben. Dass Kosmos nun nicht bereitwillig den Namen "Die drei ???" hergibt, während BMG eigene Geschichten dafür schreiben lässt, anstatt auf die Buchvorlagen zurückzugreifen, ist ja wohl mehr als verständlich. Und ich sage es noch mal: BMG hat keinerlei Rechte an dem Namen "Die drei ???", und es ist mir absolut schleierhaft, wie sie darauf kommen, welche zu haben.
Welche Rechte behält eigentlich ein Autor an den kreativen Erfindungen, die er in die Serie einbringt? Denken wir z.B. an Figuren, die André Minninger in die Kosmos-Bücher eingebracht hat. Kann er diese nun in den BMG-Geschichten verwenden?
Ich bin absolut überfragt. Aber wenn Ihr mich mutmaßen lasst, würde ich sagen: nein. Denn er hat seine Geschichten ja an Kosmos verkauft. Inklusive dieser Figuren. Er ist zwar immer noch der Urheber seiner Geschichten, aber das berechtigt einen Autor ja nicht dazu, eine Figur, die er bereits einem Verlag "verkauft" hat, jemand anderem anzubieten. Die Erben von Gene Roddenberry können ja auch nicht Teile des Star Trek-Universums woanders unterbringen als bei Paramount, oder? Aber das Thema ist höllenkompliziert, und ich kann wirklich nur Vermutungen anstellen. Ich weiß es nicht.
Aber genau dieser Punkt ließe sich ja nun auch auf die kreativen Erfindungen von Robert Arthur übertragen: Wer hält daran nun die Rechte?
Die Rechte an den zehn Büchern von Robert Arthur scheinen wohl bei BMG zu liegen (vorausgesetzt, die Erben sind wirklich die Erben usw., aber das hatten wir ja schon). Aber was heißt das für die Figuren, die Geschichten, das Setting und das gesamte Serienkonzept in seiner heutigen Ausprägung? Um mal bei meinen Büchern zu bleiben: Geschichten wie "Toteninsel", "Nacht in Angst" oder "Der finstere Rivale" sind eigentlich weiter vom Arthur-Werk entfernt als ein Fünf Freunde-Buch. Nichtsdestotrotz heißen die Hauptfiguren natürlich Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Wo genau liegt jetzt in einer Geschichte wie "Nacht in Angst" die kreative Innovation, das Originelle, das man als Recht besitzen oder veräußern kann? Bei den Figuren? Beim Plot? Wenn man das Buch als Ganzes nimmt, müsste ich für "Nacht in Angst" eher Tantiemen an die Drehbuchautoren von "Stirb langsam" zahlen als an Robert Arthur. 
Worauf ich hinaus will: Es hat sich im Laufe der Jahrzehnte so viel getan, dass es kaum möglich ist, diese Frage glasklar zu beantworten. Ich kann es jedenfalls nicht.
Wie stellt sich Dir jetzt, eine Woche nach Veröffentlichung der Hörspielserie, das Ausmaß der Entwicklung dar?
Katastrophal. Und zwar auf so vielen verschiedenen Ebenen, dass es den Rahmen dieses Interviews endgültig sprengen würde. (Ich glaube, der ist eh schon gesprengt.) 
Wie originell findest Du den Namen "Die dr3i"? Hast Du die ersten Folgen der Serie gehört? Wie findest Du sie?
Ob der Name originell ist oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle. Selbst wenn der Name toll wäre, würde ich die Krise kriegen, wenn ich ihn irgendwo lese. Ich habe die erste Folge gehört. Wie ich sie finde, ist vollkommen irrelevant. Diese Hörspiele an den Start zu bringen, war ein Riesenfehler, so oder so. Es splittet das drei ???-Universum in zwei parallel laufende Erzählstränge auf, und das war und ist für mich immer der Super-GAU in diesem ganzen Szenario gewesen. Und für viele andere Fans ebenfalls. Und dafür ist ausschließlich BMG verantwortlich. Kosmos hat sich ja nicht hingestellt und gesagt: Macht doch eure eigene Hörspielserie auf Grundlage eurer neu erworbenen Rechte. Die wollten natürlich, dass weiterhin ihre Bücher als Vorlage genommen werden! Aber BMG wollte nicht. Aber zurück zu den Hörspielen selbst: Ich zucke jedes Mal zusammen, wenn ich höre: "Hier Jupiter Jones vom Detektivbüro 'die drei'!" Das bereitet mir körperliche Schmerzen.
Was hältst Du von der Informationspolitik beider Parteien?
Die Informationspolitik von BMG ist extrem einseitig und teilweise auch schlicht und ergreifend unwahr. Kosmos wiederum war meiner Meinung nach bisher viel zu zurückhaltend. BMG hat einfach mehr Macht und mehr Kontakte und ist daher in der Lage, die Situation zu ihren Gunsten zu schildern. Kosmos war immer in der Defensive. Ich hoffe, dass sich daran bald etwas ändert. 
Wie ist denn inzwischen das Verhältnis zwischen Autor und Buchverlag seit dem Gespräch in Stuttgart? Wurdest Du im Verlauf der Monate ausführlich über die Entwicklungen informiert, oder hattest Du das dumpfe Gefühl, den Autoren werden einige Dinge verschwiegen bzw. sie werden gar bewusst falsch informiert?
Das Verhältnis war nie besser. Es ist so typisch: In der Not rückt man näher zusammen. Das klingt pathetisch, ist aber so. Dieses ganze Drama fühlt sich schon ein bisschen an wie David gegen Goliath. Man darf nicht vergessen: SonyBMG ist ein Riese, Kosmos dagegen "nur" einer von den größeren mittelgroßen Verlagen. BMG kann wahrscheinlich den Jahresumsatz des gesamten Kosmosverlags mal eben kurz für eine Armee von Anwälten aufbringen. Da bekommt man schon mal weiche Knie zwischendurch. Und Kosmos ist sich inzwischen klar darüber, dass sie offen und ehrlich zu uns sein müssen, weil wir nur dann die Kraft aufbringen, am Ball zu bleiben, wenn wir die Hintergründe auch wirklich kennen.
Gab es Kontakte zu SonyBMG, oder ist das weggebrochen?
Früher hatte ich losen Kontakt zu Corinna Wodrich und zu André Minninger. Von André habe ich ewig nichts gehört, und ich weiß selbst gar nicht genau warum. Ich bedaure das manchmal, weil ich glaube, dass sich vielleicht einiges anders entwickelt hätte, wenn der Kontakt geblieben wäre. Andererseits: Der Kontakt zu Corinna Wodrich brach auch schlagartig ab, als die ganze Geschichte ernst wurde. Ich habe sie angemailt, aber da kam nichts mehr. Ich denke, sie hat einen Maulkorb verpasst bekommen. Und ich könnte mir vorstellen, dass das auch auf André Minninger zugetroffen hätte. Aber ich muss gestehen: Das ist alles Spekulation. Ich weiß nicht, was da bei BMG abläuft. 
Der aktuelle Kontakt zu BMG wiederum ist sehr interessant. Eine kleine Vorgeschichte: Unmittelbar nach der großen Kosmos-Informationsrunde war ich skeptisch. Mir war klar: Kosmos erzählt uns die ganze Geschichte selbstverständlich auf eine Weise, die ihnen die Loyalität ihrer Autoren sichert, und schiebt BMG die Schuld in die Schuhe. Aber die können mir ja wer weiß was erzählen, wenn sie wollen! Die Skepsis grub sich ganz hinterhältig in meine Großhirnrinde und blieb da hartnäckig sitzen. Ich wollte Kosmos natürlich glauben, hatte aber außer ein paar warmen Worten nicht wirklich einen Anlass dafür. 
Also kümmerte ich mich um die Angelegenheit und ließ mir die BMG-Version der Geschichte erzählen über Kanäle, auf die ich jetzt nicht weiter eingehen will. Die BMG-Version bestärkte mich allerdings darin, mich im Zweifelsfall auf die Kosmos-Seite zu schlagen. 
Monate später, als schon bekannt war, dass BMG etwas Eigenes machen würde, bekam ich dann vollkommen überraschend offiziell Nachricht von BMG: Ein Herr Krauße, der bei BMG für vertragliche und rechtliche Dinge zuständig ist, fragte mich, ob ich eventuell für die neue Hörspielserie "Die Dr3i" schreiben wolle. Ob ich das rein vertraglich überhaupt dürfe usw. Ich war erst mal völlig fassungslos, nutzte aber die Gelegenheit, mir die ganze Geschichte noch mal aus der BMG-Sichtweise erzählen zu lassen, diesmal sozusagen ganz offiziell. Herr Krauße gab bereitwillig Auskunft. Was dabei herauskam, war unglaublich: Die Fakten stimmten absolut mit dem überein, was wir von Kosmos erfahren hatten, da hat uns also niemand etwas vorgemacht. Aber wie dieser Mensch mir diese Geschichte verkaufte, war wirklich haarsträubend. 
Er behauptete, Kosmos habe bei den Verhandlungen mit Mrs Arthur versucht, die Arthur-Erben über den Tisch zu ziehen. Und BMG habe praktisch als edler Ritter in weißer Rüstung zur Rettung eilen müssen, damit der böse Kosmos-Verlag der armen Frau kein Unrecht zufüge. BMG habe also praktisch ganz selbstlos und ehrenhaft gehandelt im Sinne der Gerechtigkeit. Darum, sich selbst zu bereichern, ginge es selbstverständlich überhaupt nicht. Ich frage mich, wohin sich diese Selbstlosigkeit eigentlich so schnell verflüchtigt hat, als man die Bücher von drei unschuldigen Autoren vom Markt nehmen ließ. 
Ich weiß gar nicht, was der Typ sich dabei gedacht hat, mir diese Geschichte aufzutischen. Dachte der ernsthaft, ich glaube ihm das und laufe jetzt über, oder was? Wieder weiß ich nicht, worüber ich empörter sein soll: Über diese haarsträubenden Behauptungen oder über die Tatsache, dass BMG mich für so blöd hält. 
Seit einigen Tagen sind in einigen Online-Shops ein paar der jüngst erschienenen drei ???-Bücher nicht mehr erhältlich, u.a. ist davon auch Dein Buch "Der Fluch des Drachen" betroffen. Sind das unbedeutende Zufälle, oder steckt mehr dahinter?
Dahinter steckt sehr viel mehr: BMG hat per einstweiliger Verfügung erwirkt, dass die Bücher nicht weiter ausgeliefert werden dürfen. Argument: Die Bücher basieren auf dem Werk von Robert Arthur, an dem BMG die Rechte besitzt. Absurderweise hat BMG zu genau diesem Punkt ja bereits eine Klage eingereicht, der Gerichtstermin ist bereits für Januar 2007 festgesetzt. Aber anstatt zu warten, bis die Frage vor Gericht geklärt ist, schmeißen sie noch mal ein paar einstweilige Verfügungen nach. Das war auch der Zeitpunkt, an dem mir endgültig der Kragen geplatzt ist. Monatelang war mein Adrenalinspiegel weit über dem gesunden Maß, aber ich habe immer gedacht: Es gibt bereits Leute, die diesen Kampf ausfechten, lass die Finger davon. Lass das die Anwälte regeln. Kümmere dich um dein nächstes Manuskript, das ist deine Aufgabe, nichts anderes. Aber jetzt sind drei Bücher vom Markt verschwunden ("Haus des Schreckens", "Spuk im Netz" und "Fluch des Drachen"), und ich merke: Ich stecke mittendrin, ob ich will oder nicht. Diese vollkommene überflüssige Schlammschlacht, mit der BMG durch die Einstweiligen Verfügungen angefangen hat, bringt das Fass wirklich zum Überlaufen. Haben die schlauen Menschen bei BMG eigentlich geglaubt, sie könnten meine Entscheidung bezüglich der Frage, ob ich für "Die Dr3i" schreiben will, mit dieser Maßnahme positiv beeinflussen? Das würde ich ja gern mal jemanden fragen.
Verbietet die Einstweilige Verfügung auch die Veröffentlichung der 2007er Februarfolgen, sprich: gilt die Verfügung bis zum Ende des Rechtsverfahrens?
Das weiß ich nicht. 
Ist im Februar ein Buch von Dir dabei?
Nein. 
Aus welchem Grund wurden einige und nicht alle Bücher vom Markt genommen?
Keine Ahnung. Da regiert die pure Willkür, würde ich sagen. Es herrscht blinder Aktionismus. Erst mal irgendwen verklagen, dann sehen wir weiter, so scheint momentan das Motto bei BMG zu lauten.
Wie hoch sind die Chancen, dass die Fans weitere Geschichten aus Deiner Feder lesen werden?
Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Ich würde schon gern weitermachen. Das Problem ist: Ich fühle mich momentan außerstande, diese Aufgabe zu erfüllen. Sobald ich den Namen "Justus Jonas" in die Tasten haue, überfällt mich diese ganze Geschichte hinterrücks und zerstört jede Kreativität. Ich kann mich einfach null konzentrieren. 
Was ist mit "Der Fluch des Drachen"? Hattest Du dieses Buch nicht schon in dem Bewusstsein geschrieben, dass es hiervon kein Hörspiel mehr geben würde?
Nein. "Fluch des Drachen" entstand bereits vor einem Jahr, und damals war noch alles in der Schwebe. 
Die Autoren der drei ???-Buchserie tragen keinerlei Schuld, leiden aber unter der jüngsten Entwicklung, da der Wegfall der Hörspieltantiemen für sie wohl empfindliche Verdienstausfälle bedeutet. Von den zwölf Büchern, die es inzwischen nur als Buch gibt, stammen drei von Dir: "Spur ins Nichts" (die Folge 121 mit dem tragisch doppeldeutigen Titel), "Feuermond" und "Der Fluch des Drachen". Magst Du den bei Dir entstandenen Schaden - mehr oder minder genau - beziffern? Wie ist ungefähr das Verhältnis zwischen Buchhonorar und Hörspieltantiemen? War der Hörspielstop für dich als hauptberuflichen drei ???-Autor existenzbedrohend bzw. ist er es in mittel-/langfristiger Hinsicht?
Ich will da nicht zu deutlich werden, was Ihr hoffentlich versteht. Sagen wir so: Die Hörspieltantiemen machen einen erheblichen Teil meines Jahreseinkommens aus. Existenzbedrohend ist die Situation für mich akut nicht, weil ich in der glücklichen Lage bin, so viele Bücher geschrieben zu haben, und etliches ist davon ja auch noch lieferbar, sowohl als Buch als auch als Hörspiel. Aber mittel- und langfristig gesehen geht es jetzt kontinuierlich bergab, wenn die Lage so bleibt, wie sie ist. 
"Aha, dem Marx geht's also auch bloß um Kohle, der sieht seine Felle davonschwimmen, deshalb regt er sich so auf!" höre ich da schon aus den aufmerksamen Rängen. Na klar. Natürlich geht es mir auch um Geld. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist eigentlich noch wichtiger: Es geht darum, dass ich mich in den letzten elf Jahren immer für die drei ??? eingesetzt habe. Bei meiner Arbeit ist immer Herzblut geflossen. Das hat vielleicht nicht immer gereicht, meine Bücher sind ja nicht alle super geworden. Aber ich habe wirklich für diese Reihe gelebt. Ich wollte Qualität. Ich wollte, dass sie bei den Kindern wieder das bewirkt, was sie bei mir bewirkt hat, als ich sieben, acht, neun oder zehn war: Die Spannung, die Faszination, das Abenteuer! Ich wollte, dass auch die erwachsenen Fans wieder das bekommen, was sie an der Serie geliebt haben. Und ich habe mich auch einige Male mit Kosmos angelegt, wenn es um Titelfindung oder Covergestaltung oder Umschlagtexte ging. Es war mir nie egal, was da passiert. Die drei ??? waren immer schon mehr als nur meine Arbeit gewesen. 
Und plötzlich kommen irgendwelche ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT daher, denen ihr ohnehin schon großes Stück vom Kuchen nicht reicht, die ein noch größeres Stück wollen, und machen alles zunichte. Diese Leute haben nie ein Buch gelesen und nie ein Hörspiel gehört. Sie haben keine Ahnung von der Serie. Sie wissen nicht, dass die Reihe eine Seele hat. Sie kennen nur Verkaufszahlen und Markennamen und Rechte und kümmern sich einen Scheiß um das, was den Fans wichtig ist. Und sie vergessen dabei vollkommen, dass es schließlich die Fans waren, die die Serie zu dem gemacht haben, was sie ist: Die Leute, die den drei ??? über Jahrzehnte die Treue gehalten haben, haben diesen riesigen Erfolg ja erst ermöglicht! Aber dieses Interesse, dieses Engagement, diese Liebe, die die Leute den drei ??? entgegen bringen, wird mit Füßen getreten. Und mein Engagement ebenfalls. Und das ist es, was mich auf die Palme bringt. 
Kommen wir noch mal zurück zu Kosmos: Welche verlegerische Absicht steckt hinter der Aktion, drei Klassikerfolgen ("Black Edition") zu veröffentlichen?
Die Black Edition ist bereits seit Jahren in der Entwicklung gewesen. Es sollte mal eine Hitchcock-Edition geben, doch dann fiel die Hitchcock-Lizenz weg und der Plan musste leider aufgegeben werden. Irgendwann ist dann die jetzt vorliegende Black Edition daraus geworden. Kosmos wollte einfach mal was Besonderes machen. BMG kam ständig mit Sammlerboxen und Special Editions und diesem ganzen Zeug raus, da dachte Kosmos sich: Warum machen wir nicht auch mal was Schickes, Schönes, was im Regal gut aussieht und wo sich der Fan freut, wenn er es aus der Cellophanhülle wickelt? Es war eigentlich als Schmankerl für die Fans gedacht und hat absolut nichts mit dem ganzen Rechtsstreit zu tun. Dass ausgerechnet diese drei Bände ausgewählt wurden, liegt einfach daran, dass man sich auf Titel beschränken wollte, die in anderer Form aktuell nicht verfügbar waren, die also nicht gerade bei einem Taschenbuchverlag oder in einem Sammelband lieferbar waren. Und dass das Erscheinen der "Black Edition" nun mit dem Rechtsstreit zusammenfällt, ist ein bedauerlicher Zufall. Wie gesagt: Geplant war sie schon sehr, sehr lange. 
Wieso wurde kurzfristig ein Doppelband auf den Markt geworfen, der den Titel "Die drei aus Rocky Beach" trägt, welcher von SonyBMG als Hörspielserientitel erwogen worden war?
Man wollte sich den Titel "Die drei aus Rocky Beach" sichern, damit BMG ihn nicht für die neue Hörspielserie bekommt. Um einen Titel schützen zu lassen, braucht man aber auch ein Produkt, das diesen Titel trägt. Also warf man kurzerhand diesen Band auf den Markt. Es war ein Schachzug, nicht mehr, nicht weniger. Ich glaube, das Buch ist auch sehr bewusst hässlich gestaltet worden und bloß in Mini-Auflage erschienen, damit es so sang- und klanglos wie möglich wieder verschwindet. Man wollte die Fans nicht mit noch einer neuen Reinkarnation der drei ??? verwirren und hielt sich daher so bedeckt wie möglich, in der Hoffnung, dass im besten Fall niemand das Erscheinen dieses Buches überhaupt mitbekommt. Hat nicht ganz geklappt. ;-)
Wie beurteilst Du den Schritt von Kosmos, eine "Drei ??? Kids"-Hörspielserie zu starten?
Kosmos hatte es ja schon mit Hörbüchern zu der Kids-Reihe probiert. Die lief aber nicht besonders, wahrscheinlich weil das Medium Hörbuch nicht so gut für die kindliche Zielgruppe geeignet ist. Die wollen lieber Hörspiele, wo es verschiedene Sprecher und Geräusche und Musik gibt, wo richtig was passiert. Also gibt es jetzt Hörspiele. Ich denke, die hätte es auch ohne den BMG-Rechtsstreit gegeben. Ich habe sie noch nicht gehört, finde aber die Buchreihe einerseits so charmant und andererseits, auf die Ur-Reihe bezogen, so harmlos, dass ich damit kein Problem habe. 
War/ist Ähnliches für die "Drei ???"-Serie geplant?
Ich weiß es nicht. Es wird sicherlich darüber nachgedacht. Aber am liebsten wäre es Kosmos natürlich, wenn sie einfach so weitermachen könnten wie bisher: Wenn BMG die Hörspiele macht, wie es immer war. Momentan hassen sich zwar alle gegenseitig, aber nichtsdestotrotz ist man sich bei Kosmos darüber im Klaren, dass BMG eine 25jährige Erfahrung in Produktion, Vertrieb und Vermarktung dieser Serie hat. Die lassen sich schlecht mal eben so aufholen. Daher ist man nach wie vor kooperationsbereit. 
Sind die "drei ??? Kids"-Hörspiele auch Ziel der Einstweiligen Verfügung?
Soweit ich weiß nicht. 
Wagst Du eine Prognose, was den juristischen Lizenzstreit anbelangt, der im nächsten Jahr vor Gericht verhandelt wird?
Interessant ist, dass beide Seiten sich sehr siegessicher geben. Ich habe zu wenig Ahnung von den juristischen Vorgängen, als dass ich wirklich beurteilen könnte, wie die Chancen stehen. Aber meine Prognose lautet: Es wird kein eindeutiges Urteil geben. Und zwar zurecht. Denn eines muss ich der Fairness halber ja sagen: Auch BMG ist selbstverständlich mitverantwortlich für den Erfolg, den die Serie all die Jahre gehabt hat, das kann ja niemand bestreiten. Oliver, Jens und Andreas sind regelrecht Stars geworden, die Zugpferde für die Hörspielserie. Ich weiß nicht, wie es um die drei ??? bestellt wäre, wenn es nie Hörspiele gegeben hätte. Auf jeden Fall nicht so gut wie jetzt (bzw. wie bis vor einem Jahr). Aber ohne Kosmos hätte es die Serie überhaupt nie gegeben, das ist ja wohl ebenso sonnenklar. 
Genau hier liegt der Knackpunkt: Nach so langer Zeit kann niemand mehr behaupten, alleiniger Rechteinhaber zu sein. Dafür ist die Angelegenheit einfach viel zu komplex. Und das muss doch auch jedem halbwegs gesunden Menschen klar sein. Daher verstehe ich nicht, was diese Klagewelle von BMG bezwecken soll. Als ob irgendein Richter dieser Welt einer der beiden Parteien sämtliche Rechte zusprechen würde! Das wird einfach nicht passieren! Und selbst wenn: Der Verlierer würde das Urteil natürlich anfechten und in die nächste Instanz gehen, und dann geht der ganze Spaß wieder von vorne los. Wie ewig sich so etwas hinziehen kann, haben wir ja beim Streit Europa vs. Carsten Bohn gesehen. Und wozu das alles? Heerscharen von Anwälten machen eine Menge Geld, und am Ende sind alle so schlau wie vorher. Wenn Ihr mich fragt, wird es früher oder später sowieso auf einen Vergleich hinauslaufen. Auf eine Einigung. Da frage ich mich doch, warum man damit nicht gleich anfängt und sich diese Rechtsstreittortur einfach spart. Als ich Herrn Krauße von BMG darauf ansprach, sagte er zu mir: "BMG ist ja verhandlungsbereit! Aber Kosmos stellt sich quer, die machen total zu, die lassen nicht mehr mit sich reden! Wir wollen diesen ganzen Streit ja gar nicht, wir wollen uns ja einigen!" 
Aha. 
Merkwürdigerweise wurde mir von Kosmos wenige Stunden zuvor versichert, dass Herr Meffert, der Geschäftsführer, gerade vor zwei Wochen erst den x-ten Versuch unternommen hatte, sich doch noch mal mit BMG an einen Verhandlungstisch zu setzen, um die Sache außergerichtlich zu klären. Aber BMG mache angeblich total zu und lasse nicht mit sich reden. 
Interessant, oder? Natürlich steht hier Aussage gegen Aussage. Beide Parteien behaupten, verhandlungsbereit zu sein. Es dürfte wohl inzwischen klar sein, wem ich in dieser Situation eher geneigt bin zu glauben. Aber ich will jetzt mal so tun, als sei ich völlig neutral und richte folgende Worte an Herrn Krauße, Herrn Feldhahn, Herrn Fleissner, Herrn Meffert und wer da sonst noch alles Wichtiges herumwuselt: 
Meine Herren, wie wäre es, wenn Sie dieser Behauptung jetzt mal Taten folgen lassen? Sie wollen miteinander reden, das haben jetzt alle gehört, also tun Sie es gefälligst auch. Bitte. Ach so, ich verstehe, Ihre Anwälte haben Ihnen geraten, das besser nicht zu tun. Hm, lassen Sie uns mal gemeinsam nachdenken: Was könnte Ihre Anwälte dazu veranlassen, Ihnen so einen Rat zu erteilen? Na? Kommt jemand von alleine drauf? 
Dieses Spiel kann keiner gewinnen. Es kostet Tonnen von Geld und es kommt nichts dabei heraus (außer für die Anwälte, die können sich am Ende des Tages das eine oder andere Ferienhäuschen leisten). Und eigentlich wissen das auch alle Beteiligten, wenn sie mal eine Sekunde darüber nachdenken. Wozu dann also weiterhin dieses Der-hat-mir-mein-Förmchen-weggenommen-Gekreische auf Kindergartenniveau? Glauben Sie wirklich, dass das vor Gericht ein Ende finden wird? Think again. Also, rufen Sie mich an, ich arrangiere gern ein Treffen auf neutralem Boden. 
Ende der Durchsage.
Was meinst Du: wie ist es um die Zukunft der drei ???-Buchserie bestellt?
Bis vor einer Woche hätte ich noch gesagt: Ich sehe da keine Probleme. Nach der Einstweiligen Verfügung allerdings wage ich keine Prognose mehr. Momentan geschieht jeden Tag irgendwas Neues, und ich habe keine Ahnung, wann das jemals aufhört. Wir müssen abwarten. Allerdings nicht abwarten und Tee trinken und "Die Dr3i" kaufen, sondern abwarten und auf den Tisch hauen und "Die drei ???" fordern, würde ich vorschlagen. 
Wenden wir uns zum Abschluss noch einmal persönlicheren Themen zu: André, Du bist seit 1996, also ein komplettes Jahrzehnt lang, als Autor für die drei ???-Buchserie tätig. Wenn Du drei Highlights und drei Tiefpunkte in der Entwicklung nennen müsstest, welche wären das?
Oje! Es gab so vieles in dieser Zeit. Allein die Tatsache, dass es schon bald elf Jahre sind, also ziemlich genau ein Drittel meines gesamten Lebens, ist gleichzeitig ein Highlight und ein Alptraum! ;-) Das war doch gar nicht mein Plan gewesen! Aber gut, wenn ich so zurückdenke ... für mich ganz persönlich war mein erster unterschriebener Vertrag ein Highlight. "Toteninsel" war ein Highlight. Nicht so sehr das Buch selbst, aber die Tatsache, dass es in dieser Form gemacht wurde, das hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Und "Erbe des Meisterdiebs" war ein Highlight, weil es einfach für mich ein ganz besonderes Buch war und ist. 
Auf die gesamte Reihe bezogen: Die Geburt der rocky-beach.com war ein Highlight. Diese Seite war ja praktisch die Initialzündung für die gesamte Fanbewegung. Jahrelang schliefen überall in der Republik die Fans ihren Dornröschenschlaf, bis sie mithilfe des Internets plötzlich entdeckten, dass sie nicht allein waren. Und die rocky-beach.com war einfach immer die beste, wichtigste und allumfassendste Seite. Und alle lesen sie! Die Hardcore-Fans, die Gelegenheitsfans, die Leute bei BMG, die Leute bei Kosmos, die Autoren, <i>alle</i>! Ist ja auch kein Wunder: Hier erfährt man alles brandheiß, es ist immer wieder ein Wunder. Zweites Highlight: Die Popularitätsexplosion, die 2001 mit Folge 100 ihren Anfang nahm und uns zwei, drei Jahre mit Sonderausgaben, Live-Hörspiel-Tourneen und der Heiligsprechung in den Tagesthemen auf einer Welle der Glückseligkeit reiten ließ. Drittes Highlight (jetzt wird's doch wieder persönlich): Bei einer Lesung von der Mutter eines Kindes gesagt zu bekommen, dass meine Bücher ihren Sohn, einen ehemaligen Lesemuffel, zu einer absoluten Leseratte gemacht haben. 
Und jetzt noch die Tiefpunkte? Och nö, ich habe gerade nur schöne Sachen erzählt, das mache ich jetzt nicht wieder kaputt. Fest steht: Das, was momentan passiert, ist mit riesigem Abstand der tiefste Tiefpunkt, der jemals erreicht werden konnte. 
Ich denke, wir greifen nicht zu kurz, wenn man Dich - ganz ohne Süßholzraspelei - als den zentralen Autor der deutschen Episodenphase und als den Architekten des drei ???-Revivals bezeichnet, denn mit "Poltergeist" und Deinen nachkommenden Büchern wurden Weichen gestellt, die neben dem nostalgischen Faktor auch die erzählerische Qualität der Geschichten (auch der Hörspiele!) garantierten. Wie beurteilst Du ganz für Dich persönlich als Schriftsteller die vergangenen zehn Jahre?
Zunächst einmal: vielen Dank. Wie gesagt, das war alles nicht mein Plan gewesen. Ich wollte immer Bücher schreiben. Dass es die drei ??? werden würden, hätte ich mir nie vorstellen könne. Schon gar nicht so lange! So viele! Es ist unglaublich. Neulich habe ich versucht, alle meine Titel der Reihe nach aufzuzählen. Ich wusste, es sind 26, aber zwei oder drei fielen mir einfach nicht ein. Ich vergesse meine eigenen Bücher, so viele sind es schon! Was soll ich da noch sagen? Das Ganze ist irgendwie, irgendwann ganz unmerklich völlig aus dem Ruder gelaufen. In den ganzen Jahren habe ich mir ja auch bei Kosmos einen ganz merkwürdigen Status erarbeitet: Früher war ich einfach der Autor, Punkt. Inzwischen bin ich der drei ???-Fachmann, der alles Mögliche weiß und der ständig gefragt wird, weil ich einfach ein wandelndes Archiv bin. Ist ja auch kein Wunder. Ich mache ja seit zehn Jahren nichts anderes! 
Ich weiß es auch nicht. Ich liebe die drei ???. Und ich habe sie im Laufe der Zeit auch schon verdammt oft abgrundtief gehasst. Sie sind irgendwie mein Schicksal. 
Ich werde pathetisch. Ich mache Euch einen Vorschlag: Lest doch einfach schnell mal eben sämtliche Frageboxen durch, dann wisst Ihr ungefähr, wie ich mich in den letzten zehn Jahren gefühlt habe. 
Vor einigen Jahren nahmst Du eine Auszeit, um Dich einem oder mehreren Projekten zu widmen, die nicht mit den drei ??? zu tun hatten. Wie ist es hierum bestellt?
Ich hatte ja mehrere Auszeiten, unter anderem die vergangenen zwölf Monate. Und ich war fleißig: Im nächsten Jahr erscheint nun endgültig, wirklich und wahrhaftig etwas Neues und ganz anderes aus meiner Feder. Es ist eine Reihe, eine Gemeinschaftsarbeit mit einem befreundeten Autor, und die Arbeit daran macht großen Spaß und hält mich momentan auch bei Laune. Das ist wichtig, denn die drei ??? tun es leider gerade nicht. Es ist allerdings eine Geschichte für eine etwas jüngere Zielgruppe (eher so im Kids-Alter) und hat absolut nichts mit Krimi zu tun. Aber mehr verrate ich noch nicht. Die Reihe startet auch erst im Herbst 07, es ist also noch etwas zu früh, Details preiszugeben. 
Davon abgesehen habe ich noch ein Projekt an der Angel, das mich schon seit Jahren verfolgt und das mal mehr, mal weniger große Fortschritte macht. Es kann sein, dass es mich irgendwann packt und ich es ganz schnell zu Ende bringe. Es kann auch sein, dass ich noch zehn Jahre brauche. Während die neue Reihe für Herbst 07 schon eine klar umrissene, festgeklopfte Sache ist, für die es auch Verträge und Termine gibt, ist dieses andere Projekt ein bisschen eine Herzensangelegenheit, über die ich noch weniger verraten möchte, weil sie mir sehr zerbrechlich erscheint. 
Ach so, und dann habe ich in den letzten Wochen auch noch ein Theaterstück geschrieben! Es heißt "Mord à la carte" und wird im Dezember in Schledehausen bei Osnabrück uraufgeführt. Es ist ein Krimi-Dinner, es gibt also noch ein feines Essen dazu. Wer mehr wissen will: www.movemanagement-os.de! Das hat auf jeden Fall Spaß gemacht, weil es mal was völlig anderes war. Ein Krimi zwar, aber eben kein Roman, sondern ein Bühnenstück. Es war eine Herausforderung. 
Möchtest Du jetzt, am Ende des Interviews, noch etwas loswerden, was nicht angesprochen wurde?
Ob Ihr es glaubt oder nicht: Ja. Ich habe schon viel erzählt, aber mir liegt noch etwas auf dem Herzen: Wisst Ihr, was mich an dieser ganzen unerträglichen Geschichte eigentlich am meisten wundert? Dass ich der Erste von den Kreativen bin, der sich zu der Sache äußert. Ist es nicht erstaunlich, dass noch niemand sonst ein persönliches Statement abgegeben hat? Vor allem von den Kreativen auf der BMG-Seite hätte ich mir da mal etwas erhofft. Ob es nun die Sprecher sind oder André Minninger oder Heikedine Körting oder Corinna Wodrich: Die arbeiten alle schon so lange für die Serie! Von Ulli Feldhahn erwarte ich ja kein persönliches Statement. Aber die Macher? Die kreativen Köpfe hinter den Hörspielen? Haben sie nicht immer wieder betont, wie sehr sie sich mit den drei ??? verbunden fühlen, wie wichtig ihnen die Fans sind usw.? 
Wenn einem doch so viel an der Sache liegt, wieso hat sich niemand die Mühe gemacht, sich mal die Version der Gegenseite anzuhören? Nachdem Kosmos das Autorenteam damals gebrieft hatte, war mein erster Gedanke: Schön und gut, aber jetzt will ich auch Version B der Geschichte haben! Und darum habe ich mich dann ja auch gekümmert. Von den Hörspielmachern hat das meines Wissens niemand getan. Erwarte ich da zu viel Engagement? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass meine Loyalität in den letzten zehn Jahren immer den drei ??? galt und nicht dem Kosmos-Verlag. 
Ich habe im Forum der rocky-beach.com mal eine kleine Diskussion über genau dieses Thema verfolgt: Kann man die Macher auf kreativer Seite irgendwie verantwortlich machen? Ich war ziemlich irritiert darüber, wie viele Leute der Meinung waren, dass das Schwachsinn sei. Dass die Autoren und Sprecher usw. schließlich von irgendwas leben müssten und daher praktisch auf Gedeih und Verderb dazu verdammt sind, das zu schlucken, was ihnen vorgesetzt wird. 
Ich sehe das überhaupt nicht so! Als Autor, der von Kosmos bezahlt wird, habe ich doch nicht nur eine Verantwortung Kosmos gegenüber! Natürlich muss ich gute Arbeit abliefern, die meinen Verlag zufrieden stellt und die ihr Geld wert ist. Aber ich habe doch genau so eine Verantwortung den Fans gegenüber! Die Leser meiner Bücher sind diejenigen, die die Bücher zu einem Erfolg machen! Das Publikum ist doch dafür verantwortlich, dass diese Bücher seit fast vierzig Jahren in Deutschland laufen! Das sind die Leute, die ich mit meiner Arbeit zufrieden stellen muss, noch vor dem Verlag! Was jetzt gerade auf dem Hörspielsektor passiert, ist ja wohl mit 100%iger Genauigkeit am Publikumswunsch vorbeiproduziert. Sind sich denn die Hörspielmacher, die mit dem Rechtsstreit selbst nicht das allergeringste zu tun haben, ihrer Verantwortung nicht bewusst, die sie ihren Hörern gegenüber haben? Ich begreife es nicht. 
An dieser Stelle sollte ich klar stellen: Ich mache den neuen Autoren, die für "Die Dr3i" arbeiten, keinen Vorwurf. Sie haben eine Chance gesehen und sie genutzt. Letztlich habe ich es damals, nach Brigitte-Johanna Henkel-Waidhofers Weggang, ja auch nicht anders gemacht. Aber die Menschen, die schon seit ewig und drei Tagen dabei sind, was ist mit denen? Warum tut sich da nichts? Die allermeisten sind, soweit ich das beurteilen kann, rein finanziell nicht auf "Die Dr3i" angewiesen. Die könnten es sich leisten zu sagen: "Das mache ich nicht mit, das ist mir zu blöd." Ich hatte mir da wirklich mehr Idealismus erhofft und ehrlich gesagt auch mit mehr Idealismus gerechnet. 
Ich weiß: Falls Kosmos irgendwann einmal auf die Idee kommen sollte, die Buchserie von allen juristisch brenzligen Elementen zu befreien und sie mit anderen Figuren und Settings trotzdem unter dem Namen "die drei ???" weiterlaufen zu lassen, dann steht für mich glasklar fest, dass ich mich daran in keiner Weise beteiligen würde. Wenn auf dem Buchsektor das gleiche passiert wie auf dem Hörspielsektor, ein völliges Umkrempeln des status quo, dann bin ich draußen, definitiv. Und ich kann eigentlich nicht glauben, dass ich der einzige bin, der so denkt. 
Wir danken Dir vielmals für dieses ausführliche Interview. Man hat gemerkt, dass dich dies emotional sehr beschäftigt. Wie würdest Du das Gesagte in einer kleinen Zusammenfassung in drei Sätzen ausdrücken?
Könnte ich dreißig Sätze bekommen? Okay, ich versuche mein Bestes: Fest steht, dass sich die juristischen Grundlagen rund um die drei ??? geändert haben und dass nun ein für allemal geklärt werden muss, wie es weitergeht. Aber ich bin fassungslos angesichts der von BMG betriebenen (Des-)Informationspolitik und der Gnadenlosigkeit, mit der hier versucht wird, einen ehemaligen Geschäftspartner und Lizenzgeber mit haltlosen Anschuldigungen und Klagewellen klein zu kriegen. So simpel, wie BMG die Sache darstellt, ist sie bei weitem nicht. Ich hoffe, ich konnte mit diesem Interview allen, die sich für die Angelegenheit interessieren, ein paar tiefere Einblicke in die Komplexität des Themas ermöglichen. Oh, jetzt bin ich in den Justus-Jonas-Modus gerutscht. Und es waren auch mehr als drei Sätze. Na ja. Vielen Dank jedenfalls für das Interview und Eure Aufmerksamkeit! Keep on investigating!

Keep on investigating - genau das haben wir vor und möchten in Manier der drei Detektive den verworrenen Dingen weiterhin auf den Grund gehen. Einige der an den Vorgängen beteiligten Leserinnen und Leser dieses Interviews vertreten sicherlich eine andere Sichtweise; sie sind herzlich eingeladen, sich ebenfalls in gleicher Form zu äußern. Ein weiteres Interview aus anderer Perspektive ist bereits in Aussicht, und es können gerne noch weitere hinzukommen. Melden Sie sich einfach bei uns - wir sind für alle Antworten offen.
 
Weiterführende Links:
Offener Brief von SonyBMG an André Marx (03.11.2006)
Offener Brief (identischer Wortlaut) auf diedr3i.de
 
zum Marx-Special

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