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rocky-beach.com
+++ Die Welt der drei Fragezeichen (riva Verlag) +++

 
 
Was der Buchumschlag verspricht ...
CoverbildWusstet ihr, dass Skinny Norris und Morton etwas gemeinsam haben? Dass Bobs Vater ganze vier und seine Mutter gar keinen Vornamen hat? Wer den Ausdruck "spezialgelagerter Sonderfall" erfand? Und ob Hugenay eigentlich noch einmal aus dem Gefängnis kommt?

Die drei ??? haben sich in einem Zeitraum von mehr als 50 Jahren von einer ursprünglich US-amerikanischen Jugendbuchserie zu einem generationenübergreifenden Massenphänomen in Deutschland entwickelt. Dieses Buch fasst nun endlich (fast) alles zusammen, was über die drei Detektive aus Rocky Beach und ihre abenteuerlichen Erlebnisse bekannt ist: Wissenswertes zu allen wichtigen Figuren der Serie, die Hintergründe der Entstehung, Fakten und kuriose Gegebenheiten wie etwa die hypothetische Frage "Wie groß müsste die 'Kleinstadt' Rocky Beach eigentlich wirklich sein?".

Ein spannendes Buch für alle Fans von Justus, Peter und Bob.

Bibliographische Angaben:
C. R. Rodenwald: Die Welt der drei Fragezeichen. Hintergründe, Fakten und Kuriositäten aus 50 Jahren, München 2017 [riva Verlag], 256 Seiten, € 14,99, ISBN: 978-3-7423-0123-9, veröffentlicht am 16.10.2017

Rezension
Mit C. R. Rodenwalds Die Welt der drei Fragezeichen liegt seit Oktober 2017 das gefühlt x-te, aber beileibe nicht x-beliebige inoffizielle Werk mit dem Anspruch einer Gesamtdarstellung zur drei ???-Serie vor. Dass der Titel der offiziellen Facebook-Präsenz "Die drei Fragezeichen Welt" ähnelt, irritiert angesichts der alle drei ???-Wort- und Bildmarken konsequent vermeidenden, eigenwilligen (wahlweise auch billigen) Imitat-Optik. Ein offizielles Buch liegt hier tatsächlich nicht vor - aber auch kein Trittbrettfahrer-Trash. Während für ein ähnlich gelagertes, zeitgleich veröffentlichtes Buch desselben Verlags, "Das inoffizielle Asterix & Obelix Lexikon", eine seit Jahren online umtriebige Koryphäe verantwortlich zeichnet, ist C. R. Rodenwald bislang nirgendwo als drei ???-Experte in Erscheinung getreten, sondern in den einschlägigen Hörspiel- und drei ???-Foren - warum wohl? - erst vor wenigen Wochen aufgetaucht. Eben dies ist ihm nicht zwingend negativ auszulegen, schließlich garantiert intensiver Stallgeruch nicht automatisch Qualität und kann bisweilen gar die Sinne vernebeln. Als frischer Quereinsteiger schrieb Rodenwald auf eigene Faust, doch gab es einen guten Kontakt zum Kosmos-Verlag. Three-Investigators-Experte Seth Smolinske von threeinvestigatorsbooks.com gab ebenfalls Auskunft - zum in den Danksagungen im gleichen Atemzug erwähnten Team der rocky-beach.com bestand hingegen im Vorfeld keinerlei Kontakt.

Rodenwald unterteilt sein Buch in zwei Hälften, in denen er zum einen die 50-jährige Editionsgeschichte der Serie in all ihren Wendungen verfolgt und zum anderen in die fiktive Serienwelt eintaucht, um deren Personal und Kulissen detailversessen nachzuzeichnen - aufgrund dieser Zweiteilung bleiben Redundanzen und Querverweise nicht aus. Unterbrochen wird der Fließtext hin und wieder durch kleine Kästchen, die wie Hitchcock-Kommentare entweder kleine Informationshappen oder auch zentrale Aussagen einschieben. Dies soll wohl auflockernd wirken, auch weil im gesamten Text auf Bildmaterial verzichtet wird.

Die "Geschichte hinter den Geschichten" geht (bis auf wenige Exkurse und Zeitsprünge) streng chronologisch vor und schildert die Entwicklung der Serie von Robert Arthurs erster Idee bis heute in ihren verschiedenen Phasen; bei jeder passenden Gelegenheit wird ein/e Autor/in mitsamt dazugehöriger Episoden vorgestellt. Bei den Meilen- und Stolpersteinen der Serie lässt Rodenwald nichts aus, er beschränkt sich jedoch - durchaus verständlich - auf die Entwicklung der Serie in den USA und im deutschsprachigen Raum, alle anderen Länder werden links liegen gelassen. Rodenwald sorgt in vielen Fragen für Klarheit und arbeitet z.B beim fast schon in Vergessenheit geratenen, beispiellosen Rechtsstreit von 2005 bis 2008 sowohl die großen Linien wie auch Details pointiert und verständlich heraus, ohne sich die Absurdität des juristischen Wirrwarrs zu ersparen. Die wichtigsten Stationen der drei ??? werden also allesamt berücksichtigt, überflüssig ist dabei nur wenig (z.B. das "Goldene Fragezeichen").
Dass Rodenwald in seinem Buch "nicht nur bereits Bekanntes zusammenfassen wollte" (S. 6), ehrt ihn, dennoch richtet sich sein Buch zwangsläufig an Leserinnen und Leser mit unterschiedlichen Vorkenntnissen: Neuigkeiten bietet es vornehmlich all jenen, die sich nicht regelmäßig auf den einschlägigen Internetseiten wie threeinvestigatorsbooks.com, hiesiger rocky-beach.com oder anderen Portalen umsehen. Rodenwald liefert eine Fülle von Informationen aus erster und zweiter Hand - und doch bleibt einiges unterbelichtet, u.a. die graphische Gestaltung der Bücher: Aiga Raschs Werk ist bis auf eine Handvoll allgemeiner Erwähnungen praktisch unsichtbar, Silvia Christoph kommt nicht vor. Den drei ??? Kids räumt Rodenwald außer kurzen Erwähnungen beim Rechtsstreit und zur Nebentätigkeit einiger Autoren für den jüngeren Serienableger nicht einmal ein eigenes Unterkapitel ein und seine steile These "Eine Folge, die in der Zeit spielt, bevor Justus, Peter und Bob ihr Detektivunternehmen gründeten, gibt es nicht" (S. 7) dürfte Ulf Blanck und Boris Pfeiffer kaum gefallen. Oder ist Die Welt der drei Fragezeichen Kids etwa bereits in Planung? Sogar der Hörspielproduktion wird das gewohnte Rampenlicht entzogen, denn ihre Akteure haben in diesem Buch vergleichsweise wenig zu melden - das erstaunt zunächst, ergibt bei näherem Hinsehen aber eine wohltuende Abwechslung zu den handelsüblichen Lobpreisungen der Serie, die viel zu oft ausschließlich über die Befragung ihrer drei Sprecher und ihrer Regisseurin abgewickelt werden.
Stattdessen kommen endlich einmal die Urheberinnen und Urheber der drei ???-Bücher ausführlich zu Wort: die unzähligen geschickt eingestreuten Reflexionen fast sämtlicher Autorinnen und Autoren erweisen sich als klarer Pluspunkt des Buchs. Hier erhalten die kreativen Köpfe der Serie ausgiebig Gelegenheit, sich selbstbewusst (Christoph Dittert: "Wir schreiben literarische Figuren - keine Hörspielvorlagen" (S. 205)) und ausführlich in vielstimmigen, aufschlussreichen und auch in der Rückschau erhellenden Kommentaren zur Serie und zu ihren eigenen Episoden zu äußern, so dass Rodenwald nicht im leeren Raum argumentieren muss. Sogar die Einmal-Autorinnen Rose Estes und Stefanie Burkart wurden von ihm aufgespürt; auch seit Jahren nicht befragte Autorinnen und Autoren wie Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer oder Tim Wenderoth steuern frische Gedanken und neue Infos bei - hätte man es beispielsweise für möglich gehalten, dass Wenderoth noch über mehrere unveröffentlichte Geschichten verfügt?
Die von Rodenwald eingefangenen Zitate werden je nach Bedarf mit passenden Auszügen aus den in Die drei ??? und die geheimen Bilder abgedruckten Autor-Kommentaren sowie mit Auszügen aus weitaus älteren Interviews in früheren Büchern, Zeitungen und Internetseiten kunterbunt vermengt, auch Interviews und Frageboxen mit Autoren hier auf der rocky-beach.com sind dabei. Dass in diesem Puzzle nicht immer jedes direkte oder auch indirekte Zitat korrekt behandelt wird und dass die Quellen fast nie vollständig, also nicht mit ihren genauen Fundorten (Internetadressen oder Seitenzahlen) nachgewiesen werden, erschwert - völlig unnötig - die Einordnung der zitierten Aussagen. Diese formale Schwäche ändert aber nichts am positiven Gesamteindruck des Inhalts, weil sich hier in selten deutlicher Form zeigt, wie viel Herzblut und Gehirnschmalz in die Serie investiert worden ist bzw. wird. Ob man dies im Ergebnis jeder drei ???-Geschichte anmerkt, steht auf einem anderen Blatt. Rodenwald scheut sich nicht, hier und da Kritik einzuflechten und weniger gelungene, umstrittene Beiträge kurz und schmerzlos aufzuspießen, wobei der Eindruck entsteht, dass einige Autoren mit erstaunlich nüchternen Beschreibungen gewisser Episodeninhalte geradezu glimpflich davonkommen.
All dieses Fachwissen präsentiert Rodenwald (seine Leserinnen und Leser kumpelhaft duzend, als plaudere er am Tresen oder auf dem Pausenhof) durch die Brille eines Fans, glücklicherweise ohne Tunnelblick: Hier predigt niemand aus der Heiligen Serienschrift, hier plustert sich niemand pseudointellektuell auf, hier seziert niemand die Autorinnen und Autoren auf der Psychocouch, kurzum: kein Nerd-Alarm. Gleichwohl schmort die Betrachtung der drei ???-Serie in ihrem eigenen Saft und blickt an kaum einer Stelle über den Tellerrand von Rocky Beach hinaus; so wird z.B. die größte US-amerikanische Serienkonkurrenz in Gestalt der Hardy Boys erst beim Start der Crimebusters erwähnt - wieso nicht schon lange vorher? Auch das (west-)deutsche Umfeld des Büchermarkts seit den 1960er Jahren bis heute wird restlos ausgeblendet. Abgesehen von sporadischen zeitgeschichtlichen Anmerkungen fehlt Rodenwalds Abhandlung jegliche wissenschaftlich-analytische Komponente; selbst die einfachsten literarischen Einordnungen spart er sich, so dass die drei ??? noch nicht einmal in ihrer Eigenschaft als Kinder- und Jugendliteratur, geschweige denn als Krimis bzw. Detektivgeschichten greifbar werden. Die wenigen Überlegungen zum Erfolg der Serie seit ihren Anfängen über die Entstehung der erwachsenen Fangemeinde ab den 1990er Jahren bis heute sowie zu ihrer Zukunft nehmen jeweils nur wenige Seiten am Ende beider Buchhälften ein, wo sie sich überwiegend in Binsenweisheiten und wolkigen Andeutungen erschöpfen.

Im zweiten, etwas umfangreicheren Teil des Buches geht Rodenwald der Frage nach, wie die wichtigsten Figuren und Schauplätze der drei ???-Serie wohl aussehen und zu charakterisieren sind, ganz so, als hätten wirklich alle Leserinnen und Leser ein solches Gesamtbild bis zum heutigen Tage vermisst. Das Ziel ist offenkundig, im Rückwärtsgang zentrale Teile der Serienbibel zu rekonstruieren und sich damit der heutigen Serienbibel anzunähern, wie sie im Kosmos-Verlag wohl gepflegt wird. In allen hier aneinandergereihten Kapiteln zu Justus Jonas, Peter Shaw, Bob Andrews, ihren (Zieh-)Eltern und Verwandten, Blacky, Kenneth und Patrick, Morton, Kommissar Reynolds, Inspektor Cotta, Alfred Hitchcock, Albert Hitfield, Skinny Norris, Victor Hugenay, Clarissa Franklin, Dick Perry, Lys, Kelly, Elizabeth, Brenda, Jeffrey, Rubbish George, Allie und Jelena sowie zu Rocky Beach und insbesondere zum Schrottplatz sowie zur Zentrale der drei Detektive entsteht gewissermaßen ein Phänotyp als Summe aller in den einzelnen Episoden verstreuten Merkmale. Da sich der rote Faden kreuz und quer durch ein in fünfzig Jahren in mehreren Epochen und teils unkontrolliert gewachsenes Dickicht aus Wiederholungen und Variationen schlängelt (Unterschiede zwischen Original und Übersetzung sowie in Hörspielskripten hinzugefügte Details kommen hinzu), entsteht bisweilen der Eindruck, nicht dem Phänotyp, sondern einem Phantom hinterherzujagen, das es in einer beschreibbaren Form ohnehin nie gegeben hat - aber weil Rodenwald sich dessen selbst bewusst ist, liest sich dieser Versuch einer Quadratur des Kreises streckenweise ironisch-amüsant, so z.B. im äußerlich bierernst gestalteten Kapitel über die Geschichte der Region, wenn kalifornische Realität und Rocky-Beach-Fiktion verschwimmen, was dem studierten Historiker Rodenwald ein großes Vergnügen bereitet haben dürfte. All dies ist eine mehr als respektable Leistung, aber auch hier ist zumindest einmal anzumerken, dass es viel mehr zu berücksichtigen gäbe, schließlich besteht eine Serie in ihrem Innersten nicht nur aus ihren Figuren und Settings, sondern auch aus ihren typischen Handlungssträngen und Erzählstrukturen.

Den Abschluss des Buches bildet eine mit "Archiv" betitelte Bibliographie der drei ???-Werke.

Fazit: Die Welt der drei Fragezeichen ist als drei ???-Sachbuch für die erwachsene wie die jüngere, für die eingefleischte wie die noch nicht so tief eingetauchte Leserschaft gleichermaßen empfehlenswert. Seit der Veröffentlichung scheint sich ein beachtlicher Erfolg abzuzeichnen, der Rodenwald bereits über eine ausverkaufte Erstauflage und ausschließlich positive Rezensionen jubeln ließ - was nichts daran ändert, dass das Buch einige Elemente der Buchproduktion, die Hörspielproduktion in weiten Teilen und den erfolgreichen Ableger der drei ??? Kids rigoros außer acht lässt und das vollmundige Versprechen des Vorworts, dies sei nun das Buch, "das das alles einmal bündelt" (S. 5), auf eine harte Probe stellt. Was sich Rodenwald im selbstgesteckten Rahmen vornimmt, malt er aber gewissenhaft aus. Sein Vorhaben, eine 50-jährige Editionsgeschichte so aufzubereiten, dass alle Informationen in einen linearen Text geordnet werden, mag in heutigen digitalisierten Zeiten und zwanzig Jahre nach dem Entstehen der ersten drei ???-Internetprojekte anachronistisch anmuten. Doch indem Die Welt der drei Fragezeichen die klassisch lineare Form eines drei ???-Buchs widerspiegelt, hat es eben aufgrund seines Formats etwas von Grund auf Sympathisches an sich. Dieses Buch ist auch deshalb eine starke Leistung, weil es zu den ewig gleichen Beschreibungen des Hörspiel-Hypes einen Kontrapunkt setzt und - unterstützt von vielen auskunftsfreudigen Autorinnen und Autoren - die drei ???-Bücher auf eine Weise würdigt, wie es bei Darstellungen des Medienverbunds der drei ??? viel zu selten geschieht. Wer sich durch den entsetzlich eindimensionalen Hochglanz von Die drei ??? - 30 Jahre Hörspielkult gequält hat, findet in Die Welt der drei Fragezeichen ein gutes Gegengift. Rodenwalds Idee, möglichst viele Mosaiksteine zu einem Panorama zusammenzupuzzeln, endet nicht im Chaos, sondern ergibt - allen Details und der starren Zweiteilung zum Trotz - eine angenehm lesbare und sachkundige Fleißarbeit, die stets daran erinnert, wie viele Hunderte, nein, Tausende Belegstellen zu jonglieren sind, um die drei ???-Serie zumindest annähernd zu erfassen. Mag die Erörterung unzähliger Details den Blick auf die vielbeschworene Seele der Serie auch gelegentlich eher verstellen, als dass es ihren Kern freilegt, so verfolgt Rodenwald einen dokumentarisch-journalistischen Plan und hat damit das Thema stets im Griff. Das Buch behält nicht nur den Überblick, sondern auch eine gewisse kritische Distanz zum Thema und klingt alles in allem klug, ohne in Fangekreische oder nerdige Klugscheißerei abzudriften. Dass der Verfasser zugleich beschlossen hat, keine höheren Sphären anzustreben und die Leserinnen und Leser weder mit feuilletonistischem Furor noch mit wissenschaftlicher Theorie oder philologischer Akribie zu behelligen, ist dem Buch möglicherweise weniger als Makel, sondern vielmehr als selbstauferlegte Beschränkung zwecks erhöhter Breitenwirksamkeit - auch zur jüngeren drei ???-Zielgruppe hin - auszulegen. Dies scheint zu funktionieren, enthebt den Verfasser allerdings nicht seiner Verantwortung, die Quellen der von dritter Seite übernommenen Zitate ordentlich nachzuweisen. Auch aus diesem Grund, aber vor allem, weil das Buch im Bereich des klassischen Printmediums ähnliche Aufgaben erfüllen dürfte wie es die enzyklopädischen und interaktiven Projekte auf nichtkommerzieller Ebene im Internet seit Jahren und Jahrzehnten leisten, sind dem Buch weitere aktualisierte Auflagen zu wünschen.

Sven Haarmann (rocky-beach.com), 28.12.2017


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