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Drei ???-Themen die in kein bestehendes Forum passen oder auch das Sammelsurium

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3381) PerryClifton © schrieb am 23.04.2022 um 16:24:34: Sehr gut, Mihai. Das klingt alles plausibel. Ich würde nur noch ein paar Sachen hinzufügen, um einige Bereiche aufzugreifen, an denen Kritiker sich besonders oft stören. Es gibt tatsächlich eine handvoll Stellen, an denen Tarzan einfach eine dicke Lippe riskiert, weil jemand wie ein Täter aussieht, ihn dann karatetechnisch ausknockt und hinterher günstigerweise auch noch Recht hatte, weil der Autor es so eingerichtet hat (vielleicht 3 in den ersten 100?). Da macht Wolf es sich wirklich manchmal viel zu einfach. Es ist aber wiederum nicht so, dass das die ganze Zeit so wäre, wie oft dargestellt. Meistens sind die entsprechenden Typen vorher schon gewaltbereit und kriminell in Aktion. Also mal die Kirche im Dorf lassen; besonders in den frühen Folgen ist Tarzan ein Junge, der sich nur wehren muss/kann, sonst nichts.
Der moralische Zeigefinger ist wohl die größe Schwäche bei Wolf, ja. Er kontrastiert das aber häufig damit, dass die Figuren sich selbst nicht an ihre Grundsätze halten ;-) Ist das nun ein genialer Zug? (Kinder wollen "die Guten" sein, verstehen aber die Konseuqenz dahinter nicht so ganz... Immerhin war es bei Locke stellenweise schon relativ anders.) Oder war er selbst einfach von wechselhaften/sich widersprechenden Überzeugungen? Oder war das schon eine erwachsenere Botschaft der moralischen Grauzonen? Man weiß es nicht, aber in den meisten Fällen funktioniert es trotzdem ganz gut. Ein paar unrühmlichere Ausnahmen in den späteren Folgen der ersten hundert gibt es aber schon.
Dann die Satire. Wenn Wolf über einen schmuddeligen Typen mit schiefer Nase schreibt, der Leihmeier heißt, in "einem alten heruntergekommenen Haus" wohnt, bis mittags schläft und "nachts immer weg muss", dann ist das Satire pur. Heute würde man sagen, er macht sich über Hartzer lustig. Auf diese Art macht er es mit fast allem. Ein Klischee, an dem auch oft was dran ist, wenn es auch überzeichnet dargestellt wird (Satire). Manchmal wird er allerdings wirklich ziemlich einseitig damit, dann ist in vielen Folgen der gleiche Typus enthalten, mit immer den gleichen Eigenschaften. Das verliert dann eindeutig an Reiz und nervt manchmal wirklich ein bisschen. Ich weiß auch noch, in einer Folge sagt jemand "er wohnt in einem alten Haus" und Tim sagt ironisch "ja dann MUSS jemand ja ein Verbrecher sein". Ob das wohl Francis war, der den Kaffee auch ein bisschen auf hatte? ;-)
Ich kann TKKG ja am besten im Verbund mit den Hörspielumsetzungen von Francis genießen. Bei den Büchern wird es mir auch schnell zu viel und das sagte ich ja bereits öfter. Es ist nun aber nicht so, dass Wolf nicht den Grundstein für das Serienuniversum und die einzelnen Geschichten gesetzt hätte, und das rechne ich ihm stets an.
Ausdrücklich reden wir hier insgesamt aber von Schwächen im Stil und nicht von moralischen Verwerflichkeiten, gebrochenen Tabus und politisch unkorrekten "Anklagepunkten". Denn gegenüber diesen ist TKKG das reinste Gegengift und die Schwächen werden umso leichter verziehen *g* Zumal einige von Wolf dargestellte Sachen einfach wahr sind und dass manche das unbequem finden, sollte nicht den geringsten Einfluss darauf haben, ob man etwas so "sagen darf".
3380) Mihai Eftimin © schrieb am 23.04.2022 um 14:53:41: Hier mal ein paar Punkte, die man an den TKKG-Büchern und -Hörspielen WIRKLICH kritisieren könnte. Nicht jeder davon stößt mir sauer auf, aber zumindest kann ich diese ein Stück weit nachvollziehen:
- "Howcatchem"-Fälle statt "Whodunnit": In vielen TKKG-Folgen erfährt man schon relativ früh, wer der Täter ist, besonders ab Folge 90 bis ungefähr Folge 160 laut Hörspielnummerierung, mehrfach auch schon früher, in den Büchern schon ab Band 11, nahezu durchgängig. Damit können sich viele nicht anfreunden; bei Columbo ist das ähnlich, die erste Derrick-Staffel wurde aus diesem Grunde seinerzeit vom SPIEGEL verrissen. Hier muss man anführen, dass a) die ersten zehn Bücher noch astreine "Whodunnit"-Fälle fahren, wie es bei DDF die Regel ist, b) H.G. Francis enorme Arbeit geleistet hat, um ab Folge 11 den Stil der ersten zehn Folgen möglichst beizubehalten (was Stefan Wolf wohl nicht so knorke fand), und c) Wolfs Nachfolger wieder weitestgehend auf "Gangsterdialoge" verzichtet haben.
- Die Bücher betreffend: Schreibstil. Nicht jedem liegt Wolfs Art der Zeichensetzung; häufig setzt er Ausrufezeichen und Fragezeichen an Stellen, an denen ein Komma gelangt hätte, nur um stattdessen am Satzende einen Punkt zu setzen, wodurch sich die eine oder andere Stelle recht holprig liest. Mag nach einer Kleinigkeit klingen, ist aber eine starke Auffälligkeit, je mehr Bücher man liest - wobei sich auch das in einer eher späteren Phase entwickelt hat und in den frühen Bänden noch nicht so extrem war. Auch hier muss man den Hörspiele zugute halten, dass die Skripte wohl intuitiv so verfasst wurden, dass die Sprecher die Sätze entsprechend korrekt lesen.
- Moralischer Zeigefinger: Wohl eine der größten Schwächen. Wolf will gewisse moralische Werte vermitteln, übertreibt es aber insbesondere, wenn Menschen, die rauchen und/oder Alkohol trinken, pauschal verurteilt werden (zu letzterem Punkt: Lest mal "Ufos in Bad Finkenstein", da teilen sich Tarzan und Gaby einen Becher Glühwein und sind dementsprechend angeheitert!). Auch das kann man relativieren, da z.B. Klößchens Vater regelmäßig eine Zigarre raucht, und die Eltern der TKKG-Bande auch hin und wieder einen guten Wein oder Cognac konsumieren, doch das Prinzip ist im Großen und Ganzen klar. Das dürfte auch viel mit Wolfs persönlichen Ansichten dazu zusammenhängen.
- Versuch der Übernahme von zeitgemäßer Jugendsprache: Auch da stechen die Folgen Ü100 hervor, in denen übermäßig Anglizismen verwendet werden, unabhängig davon, wieviele tatsächlich in Gebrauch waren. Da sind die "Kids" dann mal mit ihren "bikes on the road"; gerne werden englische Begriffe auch phonetisch eingedeutscht, z.B. "Konnäktschn". Auch das war in den frühen Folgen noch nicht so extrem, was ich darauf zurückführen würde, dass Wolf dortmals noch jünger und damit näher an der Jugend war.
- "Hört man nie wieder von" - während das Lebensumfeld der drei ??? bis zu einem gewissen Zeitpunkt übersichtlich und konsequent dargestellt wird (mittlerweile trifft das ja auch nicht mehr zu, wie man am stetig wachsenden Rocky Beach sieht), so tauchen diverse Orte und Charaktere in einer TKKG-Folge auf, und dann nie wieder, egal wieviel Potential sie hätten, hin und wieder zumindest mal erwähnt zu werden. Das betrifft Freunde der TKKG-Bande, speziell Freundinnen von Gaby, aber auch Lehrer an der Internatsschule und Mitarbeiter von Kommissar Glockner. Immerhin versieht Wolf mit dem Running Gag der sich ständig umbenennenden Schülerzeitung der Sache eine gewisse Selbstironie (welche später von Martin Hofstetter aufgegriffen wird, indem er den Redakteur der Schülerzeitung, der für die ständige Umbenennung verantwortlich ist, "Stefan Wolf" nennt). Manche, doch nicht alle Inkonsequenzen lösen sich, wenn man gezielt die Bücher liest. (Hier kann man auch wieder Hofstetter gratulieren, der nicht nur neue, dauerhafte Charaktere wie Kommissar Schalavsky und Kommissarin Hübner etabliert hat, sondern auch Charaktere aus Klassikern wie Dr. Bienert regelmäßig wieder einbringt.)

Und wisst ihr was? Trotz dieser gerechtfertigten Kritikpunkte hab ich weiterhin Spaß an der Serie. Nur wird leider nichts davon in gewissen Artikeln genannt (vermutlich mangels Kenntnis der Serie); stattdessen werden immer nur die gleichen Halb- und Unwahrheiten rausgekramt, gerne auch ohne Bezug auf die gesellschaftlichen Verhältnisse der Entstehungszeit. Das wird meiner Meinung nach der Serie und ihrem Erschaffer nicht gerecht.
3379) PerryClifton © schrieb am 20.04.2022 um 19:00:44: Ich stimme Mihai insgesamt zu, besonders was die Quellen angeht, die TKKG einhellig verteufeln und die Vorurteile und Missverständnisse bzgl. der Serie. Aber auch in dem Punkt, dass es schön ist, von jemand anderem Input in der Diskussion zu haben :-)
Nur zu gern würde ich jetzt eine detaillierte Auseinandersetzung mit all den Details und Knackpunkten bei TKKG sowie deren Einordnung schreiben, aber dafür fehlt mir gerade wirklich die Zeit. Ja, es gibt sicher auch ein paar echte Kritikpunkte an TKKG, aber die werden so gut wie nie genannt (weil sie Serienkenntnisse voraussetzen, die Kritiker meistens nicht haben, weil sie die Serie aus Vorurteilen heraus nichtmal mit einer Kneifzange anfassen würden) und stattdessen hagelt es Halbwahrheiten und Tatsachenverdrehungen, die sich leider als "Die Wahrheit bzgl. TKKG" durchgesetzt zu haben scheinen. Und ich glaube, es sind nur diese Leute, die aus ganz viel Abstand heraus TKKG verteufeln, die ich im Kopf hatte, als ich vom Naserümpfen bzgl. angeblicher Deutschtümelei sprach. Davon abgesehen wollte ich jetzt kein Fass über irgendwelche Nationalitäten-Vergleiche aufmachen ;-) Ja, die Erfolgsgeschichten und Rezeptionswege sind jeweils ganz andere. Ich meinte nur, einen gewissen Unterschied in der Behandlung der jeweils "eigenen großen Serie" zu sehen, insofern, als dass unsere nicht mehr so hochgelobt wird, wie andere. Oder sagen wir es so: Wäre es an sich nicht normal, dass wir "unsere" Serie so sehr abfeiern wie aktuell DDF und wie Enid Blyton (zumindest bis vor einigen Jahren) in GB geschätzt wurde? Sicher gibt es da auch viele inhaltliche Wägbarkeiten, das ist vollkommen richtig. Aber TKKG wäre sicher nicht so groß, wie sie jetzt sind, wenn die Serie wirklich so schlecht wäre, wie einige sie machen wollen.
Einen kleinen Blick auf die Figuren kann ich mir aber gerade doch nicht verkneifen: Man muss einfach mal von der Idee weggehen, dass jede Figur ein Vorbild zu sein hat und dementsprechend auch keine Fehler haben darf. Ja, Klößchen wird geärgert weil er dick ist. So, wie Dicke eben gerne geärgert wurden, weil sie dick sind, bevor das quasi unter die Schwerverbrechen eingereiht wurde ;-) Besonders gern wurde sie geärgert von, ja wem? Genau, sportlichen, alles besserwissenden Mackern mit blonder Schnalle, aka Tim *g* Karl ist sehr klug und was passiert? Er ist gleichermaßen der Ultra-Nerd und wird deswegen verarscht. WEIL DAS EBEN SO WAR. Wir reden hier nicht von einer perfekten Welt, sondern von einer Spiegelung der tatsächlichen Verhältnisse. Und weil Wolf (und Francis) dann doch nicht so platt waren, wie es gerne hingestellt wird, nimmt Klößchen es locker und humorvoll, was ein toller Charakterzug ist. Tim setzt sich für Gerechtigkeit ein und Karl darf mit seinem Wissen glänzen. Ja, Tarzan hat auch Momente, wo es mit dem Provozieren übertrieben wird. Aber es sind viel weniger, als oft behauptet und die wirklichen tauchen in den Beispielen quasi nie auf. Ausländer werden auch sehr oft beschützt anstatt "immer die Täter zu sein" usw. Ach, ich bin schon wieder halb in der Analyse, das führt einfach zu weit.
Was ich meinte war im grunde nur: TKKG müsste eigentlich heute zumindest ETWAS besser dastehen, als die Serie es tut. Und das dem nicht so ist, liegt imho an dem schlechten Ruf, der ihr aus einigen Quellen angedichtet wurde. Perfekt ist die Serie nicht, aber vieles ist eigentlich nur das, was andere Serien auch machen, nämlich die jeweilige Kultur zu zeigen. Und ja, die Satire ist drin. Das was Böhmermann heute macht (ich nenne den namen nur aus Bekanntheitsgründen), hat Wolf damals auch gemacht. Nein, das heißt nicht, dass in Satire nichts ernst gemeint ist oder alles anders gedeutet werden muss. Im Zweifelsfall mal Satire vs. Ironie nachschlagen.
Und ich finde immer noch keinen Abschluss... bitte halte mich jemand auf... *g*
3378) Mihai Eftimin © schrieb am 20.04.2022 um 12:23:46: @Perry: "Überdruss von der eigenen Lebensrealität", ja, so ist es wohl am besten formuliert. Das betrifft natürlich nicht absolut jeden, sonst hätte TKKG nie Fuß gefasst, aber für viele dürfte das ein Anlass gewesen sein. Dass die CB bei uns vor allem durch das USA-Feeling glänzen, dürfte meine These untermauern.
Ich würde sogar noch etwas weiter gehen und behaupten, das Medium Hörspiel, in Deutschland von einer Bedeutung, wie es nirgendwo sonst bekannt ist, wurde zum größten Teil von Ausländern geprägt. DDF wurden von einem Amerikaner erfunden, von anderen Amerikanern fortgesetzt, nach Einstellung letztendlich von einer Österreicherin fortgesetzt, danach übernahmen erst Deutsche. 5F wurden von einer Britin erfunden, von einem Franzosen fortgesetzt, und schon bevor alle Vorlagen von Voilier vertont waren, war acht Jahre lang Sendepause, ehe Deutsche die Reihe fortsetzten. Selbst Benjamin und Bibi sind keine deutsche Erfindung, sondern kamen von Elfie Donnelly - halb Britin, halb Österreicherin. Lediglich TKKG kam von einem Deutschen, und die Reihe hat mittlerweile einen Hauptautor österreichischer Herkunft. Es ist fast ironisch, dass ausgerechnet DAS deutsche Kulturgut stets auf Impulse von auswärts angewiesen war.

@Stephen: Interessante Überlegungen. Dass bestimmte Vergleiche zwischen Jugendserien schwierig sind, predige ich ja auch ständig, da sie sich konzeptuell in nahezu jeder Hinsicht maßgeblich unterscheiden, allerdings kann man schon, gerade aufgrund dessen, einige ziehen - nur eben nicht unbedingt in qualitativer Hinsicht, wie einige zu glauben scheinen. Was das "fragwürdige Menschenbild" betrifft, so haben Boomtown und Perry bereits das Wesentliche genannt; dass man sein "love interest", der zudem Tochter eines Kriminalkommissars und väterlichen Freundes ist, nicht auf nächtliche Aktionen mitnimmt, ist auch im Jahre 2022 noch absolut plausibel, auch wenn Tarzan/Tim es heutzutage vermutlich nicht mehr mit "Mädchen gehören nachts ins Bett" begründen würde (was für die 80er absolut vertretbar war). Was Ausländer angeht, ja, es wird gerne mit Klischees gearbeitet, aber negativ dargestellt werden diese höchst selten; "Angst in der 9a", "Hinterhalt im Eulenforst" und "Die Gehilfen des Terrors" sind Paradebeispiele dafür, wie TKKG sich explizit auf deren Seite stellen. Selbst in anderen Folgen sind die Bösewichte zum Löwenanteil biodeutsch. Gewisse Begrifflichkeiten, die Wolf für gewisse Randgruppen benutzt hat, und auch die Sichtweise auf diese, waren zu der Zeit absolut gängig und gesellschaftlich akzeptiert. Was speziell Übergewichtige angeht, ja, Klößchen darf sich einiges anhören - das ist aber meiner Meinung nach aufgrund der Art und Weise, wie er selbst damit umgeht, noch völlig im Rahmen. Er gefällt sich so, wie er ist, und wenn er Sprüche abbekommt, gibt er halt welche zurück, so einfach ist das. Zudem wird gerade in den frühen Büchern häufig gesagt, dass die Hinweise auf seine Figur nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus ernsthafter Sorge um seine Gesundheit fallen, und ich wüsste nicht, was daran falsch sein sollte (wäre eins der Bandenmitglieder, sagen wir mal, Raucher, käme das Thema unter Garantie unter demselben Aspekt auf).
Es mag Quellen geben, die TKKG auf diese oder jene Weise einsortieren, aber meiner Erfahrung nach argumentiert so gut wie keine davon aus Sichtweise der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse in der BRD. Und vieles davon ist einfach hoffnungslos überzogen (und basiert auf absoluten Unwahrheiten), siehe die Aussage, Wolf würde heute AfD wählen. Ja, Wolf war Jahrgang 1938 und hatte sein konservatives, größtenteils vom Nachkriegsdeutschland geprägtes Weltbild, doch er hatte auch Ansichten bezüglich Umwelt-, Natur- und Tierschutz, die radikaler waren als die so mancher Grünen, und die lässt er bei TKKG (und auch bei "Locke") immer wieder durchscheinen. Ich bin mir sicher, wenn er heute noch leben würde, würde er Fridays For Future unterstützen. Seine Aussagen in den wenigen Interviews, die er gab, passen jedenfalls hervorragend dazu (Jugendliche, die rausgehen und sich für die Umwelt einsetzen? Genau das war immer sein Anliegen!).
Ich will dir deine Sichtweise auf TKKG natürlich nicht nehmen. Ich will nur klarstellen, dass ich eine grundlegend andere habe. Ich habe alle Hörspiele gehört und nahezu sämtliche Bücher gelesen und mir auf Grundlage dessen meine eigene Meinung gebildet.
Freut mich natürlich trotzdem, dich hier als Diskussionspartner zu haben.
3377) Stephan Terrill © schrieb am 20.04.2022 um 10:57:39: Mhh. Klar darf man über alles Nachdenken. Ich meinte, dass ein Vergleich der nationalen Wahrnehmung der Serien schon deswegen - dann sagen wir halt - schwierig sein könnte, weil Jugendserien international recht unterschiedlich einflussreich waren. In Deutschland (so kommt es mir vor) haben die Hörspiele die Aufmerksamkeit zusätzlich auf diese Serien gelenkt. Bei den Drei ??? hat das zu einem ziemlichen Hype geführt und das hallt in den Erwachsenen noch nach. In den USA (oder sostwo) wurden Jugendserien aber vermutlich ganz anders wahrgenommen. Sie mögen ähnlich erfolgreich gewesen sein, hatten aber eventuell nicht so großen oder nachhaltigen Einfluss. Ist aber nur so meine Vermutung um die ich ja hier gebeten wurde. Du darfst gerne etwas anderes denken.
Über TKKG gibt es zahllose Quellen, die die Serie und den Autor ziemlich übereinstimmend einsortieren und die auch irgendwie nachvollziehbar sind. Ob das alles als Satire gemeint war, da habe ich doch ziemliche Zweifel (trotz der Namensgebung der Nebenfiguren). TKKG basierte aus meiner Sicht schon in den 80ern auf einem sehr fragwürdigen Menschenbild und mir ist das als Kind auch aufgefallen. Mir tat z.B. Klößchen oft richtig leid, weil die ihn manchmal wirklich ernsthaft beschimpft haben, weil er dick war. Und das waren nicht die bösen Schläger auf dem Schulhof, sondern seine eigenen Freunde. Auch dass Gabi immer ins Bett geschickt wurde, wenns spannend wurde fand ich - selbst als Junge - doof. Deswegen habe ich die Serie auch gar nicht so gern und oft gehört und schon gar nicht gelesen. Es mag sein, dass die 80er etwas ruppiger waren, aber die Methoden zur Konfliktlösung, zu denen bei TKKG gegriffen wurde, sowie der Umgang mit Anderen (Frauen, Übergewichtige, Ausländer, soziale Randgruppen) waren doch schon damals bedenklich. Ich fange davon jetzt nicht an, aber da gab es doch Einiges an Fragwürdigkeiten. Die Kritik mag stellenweise etwas überzogen sein, aber ich finde sie in weiten Teilen zutreffend.
Wenn also diese Serie in Deutschland nicht so viel Zuspruch fand wie andere Serien, ist der Grund vielleicht eher darin zu suchen, als in einer gewissen Scham vor der eigenen Nation.
Aber ich will das nicht als absolut wahr darstellen. Das ist nur meine Wahrnehmung von TKKG.
Zusätzlich glaube aber auch ich, dass drei Jungs aus Amerika damals einfach einen Coolness-Vorteil hatten. Das ganze Setting am Pazifik und mit den englischen Namen und Ortsbezeichnungen hatte was.
3376) PerryClifton © schrieb am 20.04.2022 um 07:06:36: @Mihai Also kurz: Der Prophet gilt im eigenen Lande nichts? ;-) Ja, die Überlegung, dass es einen (bzw. jeden) eher ins Exotische zieht, kann ich so nachvollziehen und ich denke, sie stimmt auch. Das muss natürlich einen gewissen "Überdruss" mit der eigenen Lebensrealität nicht ausschließen (um das mit dem Selbsthass mal etwas milder zu formulieren). Sagen wir mal so, bei gewissen Schnittmengen von Leuten bin ich da vermutlich gar nicht so weit weg vom Schuss. Aber ob diese dann auch wirklich "Fans" sind bzw. sich auch überhaupt inhaltlich mit der Serie auseinandergesetzt haben (siehe diverse Artikel) ist natürlich eine andere Frage.
Interessanterweise sind ja die Crimebusters, wenn überhaupt, dann aufgrund des USA-Feelings hier beliebt und kamen in den USA selbst nicht so gut an... insofern passt das Obige schon.
@Stephen Interessante Gedanken zum Thema. Ich habe nur nie etwas von dem Spruch gehalten, man könne etwas nicht miteinander vergleichen oder über etwas generell nicht nachdenken. Ob man es dann (aufgrund von Überlegungen!) als unwahrscheinlich etc. verwirft, ist dann wieder eine andere Sache :-) Ich würde mal sagen, dass man als Kind bei TKKG gar nichts von "Sexismus" und "präventiver Gewalt" gespürt hat, eben weil es in Deutschland genauso zuging. Die Karateklopper auf den Schulhöfen und Spielplätzen waren in den 80ern überall. Und die Mädchen waren nicht mit 12 schon Aktivistinnen bzw. wollten sich mit Rockern prügeln. Und wenn ein Vater bzw. ein Freund sie davor beschützen wollten, hätte das damals JEDER verstanden. Und das Satirische: Wie erklärt man die wunderschönen Nachnamen (Feuerwehrmeister Löschl, Maler Streichinger, Dr. Schmidt-Schattennudel, Dr. Tickel...) wenn nicht als drastische Überzeichnung von realen Verhälnissen (aka Satire)? Sprechende Namen (Feindt, Obermaier usw. usf.) und dann überzeichnete (oder konzentrierte) Eigenschaften und Klischees von Figuren, die man damals tatsächlich überall antreffen konnte? Ich finde heute noch TKKG-Figuren im realen Leben wieder ;-) Diese selbstironische, gewissermaßen spaßhaft anklagende Darstellung, also Satire war auf jeden Fall beabsichtigt. Ja, das auf deutschen Selbsthass zu übertragen mag etwas zu weit gehen.

Aber eine grundlegende Frage bei der ganzen Sache, die ich mir dabei stelle: Ist es also nicht möglich, eine erfolgreiche Jugendserie zu schreiben, die in der deutschen lebensrealität spielt? Muss sie dann Fantasy-Elemente enthalten? Würde sie also anderweitig nicht gelesen/gehört werden, weil sie "zu nah dran" ist?
3375) Stephan Terrill © schrieb am 20.04.2022 um 02:08:06: Ich weiß nicht, ob man die Dynamik oder den Erfolg der unterschiedlichen Serien so gegeneinander stellen kann. Vielleicht verstehe ich auch die Frage nicht so ganz. Bei TKKG war doch vieles im Argen, finde ich. Es wird ja oft die Kritik geäußert, dass TKKG früher spürbar sexistisch war, oder dass (präventive) Gewalt als legitimes Mittel zur Problemlösung dargestellt wurde. Das hat man als Kind bereits gespürt und wenn man die Folgen heute hört, ist es beinahe unerträglich deutlich. Selbst wenn das satirisch überzeichnend gemeint war (was ich persönlich nicht glaube), fällt das bei Kindern wohl kaum auf fruchtbaren Boden und Erwachsene erreichen die Geschichten doch auch nicht wirklich. Enid Blyton ist eine der weltweit bekanntesten Kinderbuchautorinnen und wird als solche dann auch gern national hervorgehoben - so wie auch Astrid Lindgren. Beliebt sind die aber weltweit und nicht unbedingt vorwiegend im eigenen Land. Die Hardy Boys kann ich nur wenig einschätzen. Einerseits, weil ich selber früher nur 2 Schneiderbücher von denen gelesen habe und doch etwas gelangweilt war, andererseits, weil ich als Deutscher die amerikanische Kultur ganz schlecht nachfühlen kann. Waren/sind die in den USA so unfassbar erfolgreich? Ich meine, das alles ist nicht zu vergleichen und man kann solche Überlegungen nicht anstellen. Die Drei ??? lockten zuerst mit tollen Geschichten und einzigartiger Aufmachung. Die Hörspielkultur der 70er/80er hier in Deutschland, die die Drei ??? dann so richtig nach vorn katapultiert hat, war außerdem schon was besonderes und sehr ausgeprägt. Die Beliebtheit geht immer irgendwann zurück, wenn keine neuen Ideen mehr da sind. Die Drei ??? hat wohl der spätere Kultstatus gerettet. Der Name verkauft heute nicht nur T-Shirts und offenbar auch Pizzen, sondern füllt ganze Arenen bei Live-Events. An die neueren Folgen wird sich in 30 Jahren sicher kaum jemand so im einzelnen erinnern, wie ich an die ersten 30. Für mich ist das alles nicht vergleichbar. Auch glaube ich nicht an einen typisch deutschen Selbsthass. Da hat sich doch viel getan. Wir gehen ja auch nicht mehr zum Lachen in den Keller.
3374) Mihai Eftimin © schrieb am 19.04.2022 um 21:50:32: Ausgelagert aus dem Podcasts-Thread, damit's nicht gleich wieder Gestänker gibt. *g*
Von Perry, #2073: "Die drei Fragezeichen sind ja "die große amerikanische Jugendserie" hier im Land (auch wenn es dort eher die Hardy Boys und Konsorten waren). Analog sieht es mit Enid Blytons Sachen bzw. den Fünf Freunden aus. Unser deutscher Beitrag bzw. unsere deutsche Jugendserie ist TKKG. Wo DDF die USA wiederspiegeln, und zwar zum Wohlgefallen der Leser, spiegelte Blytons Werk das Urenglische wieder, ebenfalls zum Vergüngen der Leser. TKKG tat dasselbe und gab die deutsche Lebenswelt akkurat und umfassend wieder (wenn auch oft satirisch überzeichnet, aber auch diese Selbstironie passt ja gewissermaßen...) Da wir Deutschen allerdings dafür bekannt sind, uns selbst zu hassen, feiern wird das nicht, und wenn man uns gewissermaßen den Spiegel vorhält, wird uns schlecht und wir wollen mit uns nichts mehr zu tun haben. Ist es vielleicht möglich, dass die Serie deswegen nie ihren verdienten Status erhielt, obwohl sie eigentlich genau das Gleiche macht, was die anderen auch machen und was sie machen sollte? Vielleicht bin ich auch nur gerade etwas knurrig "

Ich könnte mir gut vorstellen, dass ein gewisser Hang zum Exotischen besteht. Der Leser will ins mystische Rocky Beach mit all seinen Geheimnissen und speaktakulären Vorkommnissen. Oder an die Südküste Englands mit ihren vielen Höhlen und Geheimgängen, wo Piraten und Schmuggler ihr Zeug verbunkern. Auf keinen Fall aber will er mit seiner eigenen Lebensrealität konfrontiert werden, und genau die wird bei TKKG massiv eingearbeitet. Wolf hat auch immer viele gesellschaftliche Themen angesprochen, die zum jeweiligen Entstehungszeitpunkt aktuell waren, und das könnte einige abgeschreckt haben.
Doch ist das ein rein deutsches Phänomen? Immerhin wurde auch TKKG zu besten Zeiten in mindestens ein Dutzend Sprachen übersetzt, und Leser aus Spanien oder Vietnam fanden es vielleicht gar nicht so uninteressant, mal zu sehen, was die Deutschen so umtreibt. Oder, siehe DDF: Als die Mystikfälle weniger wurden und mehr realistische Fälle la TKKG bekam (Spätklassiker, Crimebusters), verlor die Reihe schlagartig an Beliebtheit und wurde in den USA eingestampft. Möglicherweise hat die Reihe bei amerikanischen Lesern aus ähnlichen Gründen an Reiz eingebüßt, die einige deutsche Leser an TKKG abschreckt? Oder bin ich komplett auf dem Holzweg, und beide Reihen kamen einfach nicht gegen die als stärker empfundene Konkurrenz (hier DDF; drüben Hardy Boys/Nancy Drew) an? Ob das unbedingt nur deutscher Selbsthass ist, eine Eigenschaft, die ich mit amerikanischen Mentalität nun wirklich nicht verbinde, würde ich bezweifeln, obwohl das sicherlich mit reinspielt.
3373) Berti © schrieb am 09.04.2022 um 16:36:44: Zu den Pizzen: traurig.
3372) Professor Carswell © schrieb am 09.04.2022 um 15:08:01: Für Anhänger der behavioristischen Psychologie ist Merchandise eine feine Sache, keine Frage. Man kann sein Prolaktostatin aber auch anderweitig erhalten.
3371) DerBrennendeSchuh © schrieb am 09.04.2022 um 14:50:32: Also ich finde die Idee toll, wie überhaupt Merchandising. Muss man ja nicht kaufen, aber man muss es auch nicht verteufeln. Die Pizzen finde ich solala, den Käsebelag allerdings super. Und nein, man muss den Belag nicht mit der Lupe suchen.
3370) Professor Carswell © schrieb am 09.04.2022 um 14:24:09: Das Marketingkonzept scheint noch nicht ganz ausgereift zu sein. Im verlinkten Artikel steht, dass die zwei beigefügten DDF-Pizza-Fälle des Autoren Andreas Ruch innerhalb der 12-minütigen Pizza-Backzeit gelöst werden können. Was aber soll der gemeine DDF-Fan in der Zeit des Vorheizens des Ofens machen? Warum wird nicht ein Mobile Home Take Over Product Bundle der Pizzen mit einem DDF-Malzbier, wie wir es aus drei DDF-Folgen kennen, für die Pizza-Vorheizzeit angeboten?
3369) PerryClifton © schrieb am 09.04.2022 um 13:54:24: Sollten wir dieses also als nächstes dran nehmen?
3368) Ola-Nordmann © schrieb am 09.04.2022 um 13:30:16: Au weia, schönster Marketingsprech. Ich brauch kein neues emotionales Markenerlebnis, ich hol mir mein emotionales ???-Erlebnis lieber mit einem Buch :-) Zur Zeit aber immerhin passend mit dem giftigen Gockel ;-)
3367) PerryClifton © schrieb am 09.04.2022 um 12:47:10: Ich habe ja gerade schon gerantet, da bleibe ich jetzt mal ruhig "Die neue Detektiv-Pizza"... also Detektiv-Pizzen kannte ich schon. Das sind die, bei denen man nach dem Auspacken den Belag mit der Lupe suchen muss, der eigentlich auf der Packung abgebildet war *g* Doch ich dürfte mich im Grunde gar nicht beschweren, bei der Bud Spencer und Terence Hill Pizza habe ich durchaus auch mal zugeschlagen 😄 Aber dieses Statement mal wieder:
"Die interaktive Verknüpfung von Pizza, Rätsel und Content ist dabei ideal geeignet, ein neues emotionales Markenerlebnis zu schaffen."

Da vergeht einem gleich der Appetit. Ich glaube, ich gehe jetzt einfach die Fässer zuende lesen 😒

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