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H. G. Francis - Ein Blick zurück ...

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1) JackAubrey © schrieb am 05.11.2011 um 17:18:46: Lasst uns einen Blick zurück werfen auf H.G. Francis, der wie wenige anderen zum Erfolg der Hörspielserie beigetragen. Gemeinsam mit Aiga Rasch, Carsten Bohn und natürlich den drei Sprechern hat er wie wenig andere zur erfolgreichen Umsetzung der Buchserie beigetragen. Was sind Eure persönlichen Highlights von Francis Skripten, welche Aspekte seiner Arbeit haben Euch (auch im Vergleich zu heute) besonders gefallen?
2) Sven H. © schrieb am 05.11.2011 um 18:12:13: H. G. Francis ist es auf der Bearbeitungsebene zu verdanken, daß die hervorragenden drei ???-Buchübersetzung von Leonore Puschert auf eine 45-Minuten-Dramaturgie heruntergebrochen wurde, die man immer und immer wieder gerne anhören wollte, ohne daß es langweilig wurde. Daß er - wie sich seit längerem erzählt wird - letztlich nur einen Tag lang an einem Skript saß, hört man den verkürzten Plots hier und da auch an - vgl. die zahlreichen Einträge in den Fehlerseiten. Routine und Schnelligkeit gehörten ganz sicherlich zu seinen Vorzügen: von seinen Masters-of-the-Universe-Hörspielen ist die Episode überliefert, daß er innerhalb weniger Stunden Sprecherparts schrieb, weil Peter Pasetti plötzlich ins Studio kommen konnte, den Rest des Drehbuchs dachte er sich hinterher aus (so ähnlich muß wohl auch die Gruselserienfolge "Draculas Insel, Kerker des Grauens" mit Charles Regnier entstanden sein). Am 02.10.2004 war Franciskowsky übrigens in der Color-Line-Arena bei der Aufführung des "Super-Papagei"-Hörspiels. Er wurde im Publikum gesichtet. Als am Schluß den Sprechern, Heikedine Körting und André Minninger irgendsoein komischer Preis zum 25-jährigen Jubiläum der Hörspielserie verliehen wurde, fehlte da oben nicht nur Aiga Rasch: auch Franciskowsky hätte sich sicherlich über einen wohlverdienten Applaus gefreut. Warum man Aiga und ihn nicht auf die Bühne holte, habe ich bis heute nicht verstanden.
3) Laflamme © schrieb am 05.11.2011 um 18:18:54: Nun, der Herr Francis hat es für die damaligen Verhältnisse geschafft, aus dem vorhandenen Platz auf LP und MC das meiste herauszuholen. Ja, es wurde gekürzt, und das nicht zu knapp, aber das Ergebnis war immer noch logisch nachvollziehbar. Heutzutage ist das leider nicht mehr immer so. Dazu haben damals die Soundeffekte in Verbindung mit Bohns Musik einen stimmungsvollen Klangteppich erzeugt - wie das heute aussieht brauche ich ja nicht extra zu erwähnen.
4) Crazy-Chris schrieb am 05.11.2011 um 19:08:25: Also für meinen Geschmack sind seine Kürzungen teilweise zu drastisch ausgefallen, bei TKKG noch viel viel mehr als bei DDF. Sofern man die Buchvorlage kennt, sind die fehlenden Elemente und die dadurch entstehenden Logiglücken stellenweise recht deutlich bemerkbar. Klar, die Laufzeit einer LP setze seinerzeit die Grenze, isnofern gab es wenig Spielraum. Aber auch bei Folgen die garnicht mehr auf LP erschienen sind, wurde dieses radikale Kürzungspraxis leider beibehalten.
Positiv empfinde ich bei den Francis-Bearbeitungen den guten und pointierten Einsatz des Sprechers, sowie die insgesamt äußerst stimmigen Kombinationen mit den Bohn-Musiken.
5) Slanski schrieb am 05.11.2011 um 19:13:09: zu 2) Na, aber dafür wurde doch unter dem johlenden Applaus des brav-begeisterten ???-Publikums als Ausgleich André Minninger auf die Bühne geholt und ihm ein selbstgebastelter Preis dafür umgehängt, daß er seit 20 Jahren mit konstanter Zuverlässigkeit die ???-Skripte vermasselt und ein Garant für die gähnend langweiligen Hörspiele darstellt.
6) Sophie schrieb am 05.11.2011 um 19:54:00: @2: Interessante Hintergrundinfos... Also, wenn er wirklich im Publikum gesessen hat, muss das für ihn wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Das sollte den Verantwortlichen echt peinlich sein.

Seine Alleinstellungsmerkmale für mich sind das Talent, in so kurzer Laufzeit (die Hörspiele waren ja damals kürzer) unheimlich viel passieren zu lassen, und die Fähigkeit, "knackige" Dialoge zu schreiben. Heute frage ich mich nach diesen vergleichsweise langen Hörspielen oft, was eigentlich überhaupt an Handlung, Action etc. passiert ist. Francis hatte m. W. auch wirklich gute Modifikationen von den Vorlagen vorgenommen. Besonders gut finde ich von der Umsetzung und den Abwandlungen her immer wieder "Der Höhlenmensch". Solche unvergesslichen Sprüche wie "Tri tra trum, die Detektive gehen um." o.Ä. kommen doch m. W. im Buch gar nicht vor. Andreas von der Meden hat mit seiner Darstellung natürlich auch zur Unvergesslichkeit dieses Bösewichts und seiner Sprüche beigetragen. Sicher hätte man auch Francis bei der RRP letzte Woche, also als die Verantwortlichen gefeiert wurden, würdigend erwähnen können bzw. müssen.
7) Markus H. schrieb am 05.11.2011 um 21:01:46: Etwas über den Tellerrand geblickt:
Francis vs. Franciskowsky.
Nachdem er jahrelang in den 1960er Jahren unter verschiedenen Pseudonymen wie z. B. G. Frank oder R. C. Quoos-Raabe veröffentlicht hatte, wollte Francis in den 1970er Jahren endlich unter seinem bürgerlichen Namen Franciskowsky veröffentlichen. Doch es kam anders. 1970 stieg er als Autor bei Perry Rhodan, herausgegeben vom Pabel Verlag, ein. Der Verleger Pabel meinte er solle bloß nicht den Namen Franciskowsky verwenden, sonst denken die Leser er sei Pole. Und der Verlag könne nur englische und amerikanische Autoren verkaufen, also müsse er H. G. Francis heißen. Und dabei ist es geblieben.
Requiescat in pace H. G. Franciskowsky
8) Peters Opa © schrieb am 05.11.2011 um 21:54:25: Folge 60 - Dopingmixer von 1994 war lt. dieser Datenbank das letzte Hörspiel von Francis. Danach hat Körting diese Aufgabe an Minninger übergeben. Davor hatte sie ja schon Bohn "aussortiert". Wahrscheinlich ging es auch hierbei ums Geld. Franciskowsky ist für mich der (Haupt-)Schlüssel für den Erfolgs der Europa-Produktionen. Tolle Leistung, leider ist dies zeitlebens nicht gewürdigt worden.
9) JackAubrey © schrieb am 06.11.2011 um 11:07:45: Francis verstand sein Handwerk (was man bei den Hörspielen heute von nur noch wenigen sagen kann). Es ist unübertroffen, wie er in kurzen, knappen Dialogen alles wesentliche Transportiert. Darüber hinaus hatte er aber auch ein Gefühl für den übergeordneten Spannungsbogen einer Folge (den gibt es heute praktisch nicht mehr). Denn viele Kürzungen, z.B. im Doppelgänger, sind absolut gerechtfertigt, nicht nur aufgrund der Zeit, sondern aufgrund der Dramaturgie, wenn alles gesagt ist, braucht man eben auch nicht mehr "weiterlabern". Schade, dass es jetzt keine weitere Folge aus seiner Feder geben wird, ich hatte immer gehofft, dass er noch mal einen Auftrag bekommt. Die Top Secret Edition wäre da ideal gewesen. Gar nicht auszudenken, was er aus einer Folge wie Brain-Wash noch hätte raushohlen können...
10) jakovich © schrieb am 06.11.2011 um 11:41:23: H. G. Francis verstand sein Handwerk wirklich. Wurde er auch (wie Sven schrieb) nicht bei der Color-Line-Arena gewürdigt, so geschah dies im kleineren Rahmen zumindest auf einer der Hörspielmessen. Sein Auftritt und das Interview mit Günter Merlau war für mich ein Highleight der Hörspielmesse. H. G. Francis war sichtlich gerührt, dass das Publikum ihm so dankbar für sein Werk war. Schön, dass er das erfahren konnte.
11) Kitt © schrieb am 06.11.2011 um 22:29:18: Fur mich war H.G. Francis eine Legende! Er hat, wie bereits an anderer Stelle erwähnt, soviel wie kaum ein anderer für das Hörspiel getan und es zu dem gemacht, was es bis heute in vielerlei Hinsicht noch ist: Kult. (Mit Außnahme von Frau Körting vielleicht, die für mich auch so etwas wie eine Ikone des Mediums Hörspiel ist). Seine Drei ???-Skripte werden wohl unvergessen bleiben. Ich wage sogar soweit zu gehen, dass es ohne Francis' Skripte, die zweifellos genial sind, diesen Erfolg der drei ??? so nie gegeben hätte. Dafür gebührt ihm ewiger Dank! Für mich ein Markenzeichen seiner Skripte: Die Zeitlosigkeit, die er durch seine Arbeiten den Klassikern gegeben hat. Also, um zum Ende zu kommen: Man kann sich nicht genug verneigen vor diesem Mann: Vor seiner unglaublichen Produktivität, seiner Genialität, seinem Schaffen, kurzum: Seinem Lebenswerk in Sachen Hörspiel! Danke Francis! R.I.P. In großer Dankbarkeit Kitt
12) baphomet schrieb am 08.11.2011 um 04:43:21: Zum traurigen Anlasse doch wenigstens auch einmal: Wir verabschieden hier den letzten Verteidiger der vollendeten Form, den Brückenbauer über dem Unbill gelegentlicher Inkonsistenz, den Schleifer von Tand zu Gold, gemäß einer unweigerlichen Anmut, die über dem Beiwerk erzählter Kindergeschichten thronend, den Hörer schweben zu machen wünscht, um jene Momente der Befreiung im Heraustreten aus dem Genre zu gewähren, die uns alle seit Jahrzehnten wie Galeerensklaven ans EUROPA-Hörrohr ketten. Je mehr sich die Titel in ihrer Zahl auf den 60 von HGF aufhäufen, sie quasi verschütten zu trachten, umso kühner, ruhiger wirken sie, wie gelöst von Schwere und Schwäche mancher Vorlage. Und wenn aktuell die schundigen Plotchimären, der Gestank der herbeigelogenen Szenen, die endlosen Repetitionen des vermeintlich vom "Publikum" begehrtem, genötigten heutiger Machwerke vergangen sein werden, dann können sie umso heller strahlen, die eleganten 1-28, 30-60.Vielleicht, HG, irgendwo und -wann in einer anderen, gnädigeren Dimension.
13) SkinnerN © schrieb am 08.11.2011 um 09:20:14: Wahre Worte
14) Kimba © schrieb am 08.11.2011 um 10:53:24: Da hat aber jemand sehr interessante Pillen genommen...
15) @12 schrieb am 08.11.2011 um 11:10:24: Ja, finde ich auch, Kimba. Ich verstehe zwar, was gesagt werden soll und stimme dem Grundtenor dieser Aussagen zu, aber letztlich ist das nicht anderes als purer Narzismus... Naja, ich wette, die Damen Wodrich und Körting und der Herr Minninger werden sich die Schenkel wundklopfen - verständlicherweise. You made their day.

Davon ab trauere auch ich Herrn Francis nach und auch ich finde, dass "seine Hörspiele" immer zu den besten, bzw. besseren zählen und zählten; insbesondere im Vergleich mit den Werken der letzten 10-15 Jahre hört man das deutlich - egal, welche Serie oder welches Label. Da mag ein großer Funken Kindheitserinnerungen mitreinspielen, aber so ist nunmal meine subjektive Meinung. Vielen Dank, H.G. Francis... Man hört sich - dankeschön!
16) Sven H. © schrieb am 08.11.2011 um 15:36:42: Bevor hier H. G. Francis noch der Heiligenschein aufgesetzt wird: ich hab mal ein Werk von ihm in der Hand gehabt, das alles andere als gelungen war. Es sah aus wie eine im Copyshop geheftete Seminararbeit und trug den vielversprechenden Titel "Wie man sich mit einer Fernseh-Idee bewirbt. Ratgeber für Drehbuchautoren" (Barsbüttel 1997, in seinem Eigenverlag "Francis und Lou" erschienen). Dieser "Ratgeber" war eine Frechheit, denn er bestand aus einigen wenigen Seiten mit Allerweltsweisheiten ("Schreiben Sie nicht von Hand" etc.) in viel zu großer seitenschindender Schriftart. Dazwischen befand sich ein Exposé, mit dem er sich offensichtlich bei der Produktionsfirma von "Ein Fall für Zwei" beworben hatte und abgelehnt worden war. Sprich: er hatte sein verworfenes Exposé übernommen, ebenso die dürftigen Anmerkungen des Lektorats, aus denen man nichts lernen konnte - und verkaufte das als Ratgeber! Die handelnden Figuren wurden in diesem Exposé als "Rechtsanwalt" und "Detektiv" bezeichnet - lustigerweise hatte die Suchen-und-Ersetzen-Funktion an einer Stelle versagt, weil "Matulla" mit Tippfehler geschrieben worden war. Diesen Recyclingmüll verkaufte Herr Franciskowsky allen Ernstes für 22 DM. Abzocke.
17) Markus H. schrieb am 08.11.2011 um 17:27:42: @Sven H.: Danke für den Hinweis! Das "Werk" von Franciskowsky kannte ich noch nicht.
18) Slanski schrieb am 08.11.2011 um 17:59:39: zu 16) Naja, hier geht es nunmal um das grundsätzliche Talent, Fingerspitzengefühl und Können von Francis, mit dem er konkret die Europa-Hörspiele und speziell die ??? über Jahre bereichert hat und das zu seinen Lebzeiten vielleicht auch etwas zu wenig gewürdigt wurde. Warum man nun quasi noch während des Begräbnisses anhand eines belanglosen und völlig uninteressanten Beispiels unbedingt darauf hinweisen muss, daß der Mann - wie wahrscheinlich so ziemlich jeder künstlerisch Schaffende - auch mal Müll produziert hat, erschließt sich mir nicht ganz.
19) Phony McRingRing © schrieb am 08.11.2011 um 18:16:30: @slanski: Eben, sehe ich ebenfalls so. Natürlich kam da auch mal Prütt bei rum (z.B. MOTU-Folge #25) und niemand hier behauptet, Francis wäre päpstlicher als der Papst - wir wertschätzend nur seinen Beitrag für die Hörspiele, und hier bin auch ich der Meinung, dass dieser wichtig war, weil sich sonst viele Serien gar nicht erst etablieren hätten können. Hätte Minninger von Anfang an Die drei ??? oder TKKG gemacht, wären diese Serien sicherlich ausreichend erfolgreich, aber der Kult und der heutige ???-Erfolg lebt großteils von den Glanztaten von einst, weil Gelegenheitskäufer zuschlagen, weil die Altfans es nicht lassen können, ihre Sammlungen vervollständigen wollen, was weiss ich...

Aber Francis brachte viele Serien auf Kurs. Genauso sehe ich das beim Ulli Herzog von Kiosk/Kiddinx, der mittlerweile ja leider ebenfalls verstorben ist, und der (anfänglich in enger Zusammenarbeit mit Elfie Donnelly) dasselbe vorallem bei Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg tat.
20) Sven H. © schrieb am 08.11.2011 um 18:21:16: @18: Sieh es einfach als Gegenentwurf zu Beitrag Nr. 12 ...
21) Peters Uropa schrieb am 08.11.2011 um 18:27:17: Die Hörspieladaptionen von H.G.sind genauso Müll wie die heutigen auch - wenn man mal mit offenen Augen an die Umsetzungen rangeht. Kürzungen, schwere Fehler, Minninger müsste heute noch mehr Kritik ertragen, als er sowieso schon bekommt. Aber wir haben die Hörspiele als Kinder mit anderen Augen kennengelernt und sie bis heute so in Erinnerung behalten, auch wenn das keiner wahrhaben will. Klar waren die Umsetzungen knackiger, aber deswegen nicht besser. Lediglich das Gesamtgerüst aus Stimmen, Klängen etc war für uns ein anderes als das, was wir mit kritischeren Erwachsenenohren heute konsumieren. Insofern war er keinesfalls besser als Minninger heute, es ist nur anders in uns hängengeblieben. Und ja: ich mag die alten Folgen auch lieber, die haben Charme, aber das liegt nicht unbedingt an dem Drehbüchern!
22) jupstus © schrieb am 08.11.2011 um 19:05:55: die Manuskripte und Geschichten, die H.G. verfasste bleiben für mich der Höhepunkt der Europa Veröffentlichungen. Vorher hatten die Geschichte den theatralischen und altbackenen Charme der 60er. Erst mit H.G. wurden die Geschichten spannend modern und ihrer Zeit voraus. Allen voran ist hier Commander Perkins und die Gruselserie nennen. H.G schaffte es wirklich sich auf das wesentliche einer Geschichte zu konzentrieren, keine überflüssige Dialoge keine falsche Kürzungen, dies zeigen vor allem die Skripten der Drei Fragezeichen Serie. Nicht nur bei den den anderen Dauerbrenner der achtziger Jahre - Fünf Freunde, TKKG - bewies H.G. sein können sondern auch bei Einzeltitel, wie - Hurra, wir haben einen Hund; Goldrausch in Alaska oder Krieg im All - zeigte er sein weit gefächertes repertoire. Ich finde das die Zusammenarbeit von Körting und Francis erst Europa zu das erfolgreichste Hörspiel-Label der 70er und 80er machte.
23) Slanski schrieb am 08.11.2011 um 19:11:15: zu 21) Peters Uropa: GERADE wenn man mal mit offenen Augen an die Umsetzungen geht, springen einem die qualitativen Skript-Leistungen von Francis und Minninger doch förmlich ins Gesicht. Auch die sooft geäusserte vermeintliche Verzerrung durch kindliche Wahrnehmung ist ein Trugschluß. GERADE Kinder haben ein untrügliches, unterbewusstes Gespür für Langeweile und somit auch indirekt für knackige Skripte. Logikfehler und Kürzungen sind da völlig sekundär. Ein Kind bei Laune zu halten ist eine WEITAUS größere Herausforderung und Kunst, als eine gealterte Fangemeinde, die sich über Jahrzehnte durch den steten Hörspieltropfen schlicht und einfach stumpfgehört hat und ganz offensichtlich, wie dein Eingangssatz unterstreicht, ein mittelmässiges Placebo nicht mehr vom Original unterscheiden kann. Da is nich viel mit "kritischen Erwachsenenohren" und genau DORT liegt leider die wahrnehmungsmässsige Verzerrung.
24) Slanski schrieb am 08.11.2011 um 19:20:55: Im ersten Satz muss es natürlich heißen "die qualitativ unterschiedlichen Skript-Leistungen von Francis und Minninger".
25) Crazy-Chris schrieb am 08.11.2011 um 19:48:46: Also mir sind als Kind schon diverse Logikfehler in den Hörspielen nach Francis-Bearbeitung aufgefallen. Allerdings kannte ich bei praktisch allen Hörspielfolgen zuvor die entsprechende Buchvorlage, wahrscheinlich fällt es dann besonders auf wenn für die Logik wichtige Buchszenen im Hörspiel nicht mehr vorkommen.
Davon abgesehen fand ich es seinerzeit nicht so wahnsinnig toll, wenn man sich eine Folge vom Taschengeld abspart und dann mit mageren 35-45 Minuten Laufzeit abgespeist wurde (wohlgemerkt zu Zeiten, in denen neue Folgen bereits nicht mehr als Schallplatte erschienen sind, das Schallplatten-Laufzeitargument also nicht mehr bestand). Da wäre mir eine etwas längere Laufzeit von 50 bis 60 Minuten weitaus lieber gewesen. Scotland Yard - die m.E. beste Hörspielserie der 80er - hat es vorgemacht, dass auch so längere Spielzeiten in kurzweiligen und knackigen Hörspielen resultieren können.
26) baphomet schrieb am 08.11.2011 um 20:06:10: Man sollte gucken, was wirklich bestehen bleiben wird. HGF war ein hack, ein Lohn- und Vielschreiber, der gerne auf vielen Hochzeiten um sich schlug, auch nicht immer mit Erfolg (seine angestrebte TV-Karriere verlief wohl eher bescheiden). Doch was einmalig ist und bleibt, ist sein Prinzip, seine Technik, seine rigide Strenge bei der Bearbeitung fremder und eigener Ideen, die selbst in den albernsten Sachen immer noch durchscheint, siehe "Barbie". Das hatte auch Nachteile, denn dieser formale Rigorimus kann bei extremeren Sachen wie "Dämonenkiller" in seiner Bearbeitung das exzessive Ausufern und Mäandern der Handlung einebnen und so den Grundcharakter verfälschen und das ist nicht nur der Formatlänge des Mediums geschuldet. Er konnte aber so Sachen praktisch zu seinen eigenen machen, die dann ihre Grobheiten leider mitunter aufgeben mussten. Traf er aber auf eine große Vorlage, die ihm konvenierte, konnte reine Poesie entstehen: Man kann "Das Gespensterschloß" beispielsweise wie ein Gedicht mitsprechen. Und das liegt nur am Text von HGF. Was bleiben wird, neben seiner Tätigkeit im Perryversum, die ich nicht beurteilen kann, da ich nur wenige HGF-PR-Hefte gelesen haben, sind in der Gruselserie und Commander Perkins (Bücher und Hörspiele), einfach diejenigen verkörpert, denen eine lange Rezeption zu wünschen ist. Seine ??? brauchen keine Erwähnung, bei seinen TKKG hatte ich immer das Gefühl eines gewissen Neidfaktors auf den Erfolg der Serie, er hätte sicher selbst gern so eine Sache am Start gehabt. Vielleicht war sie ihm schlicht seitentechnisch auch oft zu lang. Man hat manchmal das Gefühl, ein Überblättern praktisch hören zu können. Im "leeren Grab", zum Beispiel, lässt er gegen Ende eine gigantische Szene des Buches, die Jagd auf Penner Stulla im Auto (Tarzan mit dem Rad), der aus heiterem Himmel plötzlich unbedingt den gefangenen Oskar töten will, einfach weg. Man hätte sie wunderbar umsetzen können. Sie widerspricht aber eben HGFs klassischem, apollinischen Ideal. Oder möglicherweise hat HG sie einfach gar nicht gelesen...
27) Skywise © (Mail2Skywise@web.de) schrieb am 08.11.2011 um 20:13:19: @jupstus: "Keine falschen Kürzungen" möchte ich in Frage stellen. Es gibt nun wirklich genug Sachen, die ich als ???-Leser Francis vorwerfen kann. Das geht los mit Kürzungen der spannendsten Szenen in der "schwarzen Katze", zieht sich weiter über das im Hörspiel sinnlose Zahlenrätsel im "seltsamen Wecker" und endet ganz allgemein bei unzähligen Ideen und Lösungen, die Justus anscheinend von lieben Gott persönlich eingepflanzt wurden, und die die in den Büchern tatsächlich erfolgende Recherche- und Detektivarbeit über weite Strecken ersetzen. Aus dem Team der Buchvorlagen wurde häufig Schweinchen Schlau mit zwei Schatten.
Francis und Körting gestehe ich eine Menge Mut zu und ein grundsätzliches handwerkliches Geschick, aber sehr vielen ihrer Produktionen merkt man einfach an, daß sie mit der heißen Nadel gestrickt worden sind. Wenn man mal die Fließbandarbeit in seine Betrachtungen einbezieht, ist die durchschnittliche Qualität der Hörspiele sicher bemerkenswert, aber sie allein dürfte Europa sicher nicht zum Erfolg verholfen haben. Meiner Ansicht nach gab und gibt es bessere Hörspiele am Markt. Allerdings lag Europa damals preislich deutlich unter den Forderungen der Konkurrenz und war seinerzeit eben auch Vorreiter in Sachen Jugendserien & Co.
Gruß
Skywise
28) JackAubrey © schrieb am 08.11.2011 um 21:00:57: Eine schönes Beipiel für Francis Kunst erlebet ich auch einem Familienausflug vor kurzem: Meine Schwester und ich hörten im Auto fleißig Drei Fragezeichen, meine Tante, die die Serie nicht kennt hörte notgedrungen auch zu. Nach zwei Stunden Klassikern, kam eine Minninger Folge in den Recorder. Und plötzlich von hinten die Frage: Was ist denn jetzt los, ich kann einfach der Handlung bei dem ganzen Gerede nicht mehr folgen... Francis hat es manchmal mit dem Kürzen übertrieben, aber Minningers Folgen kann man aufgrund ihrer meandernden Informationsdichte kaum folgen und zum Ende oft schon den Beginn vergessen!
29) Slanski schrieb am 09.11.2011 um 10:18:32: Zusammenfassend kann festgestellt werden: das Wort des Tages am 8. November 2011 ist: Mäandern!
30) Boomtown © schrieb am 09.11.2011 um 15:00:38: Es gibt sicher viele Faktoren, warum die ??? zu dem Selbstläufer wurden, der sie heute sind. Rasch und Bohn haben ihren Anteil, Francis auch. Seine große Stärke war sein Gespür für Dramaturgie und Timing - trotz der Fließbandarbeit, die sein Job ja gewesen sein muss. Für die leider oft zu starken Beschneidungen der Handlung, kann mann ihn nur bedingt verantwortlich machen, die waren dem sehr knappen Zeitrahmen geschuldet. Auffällig ist ohnehin, dass heute trotz der fast doppelt so langen Spielzeit kaum weniger gekürzt, dafür nur einzelne Handlungsstränge 1:1 aus dem Buch übernommen werden. Dadurch entsteht ein meist zäher Erzählrythmus mit wenigen Szenen- und Figurenwechseln und oft viel zu lang geratene Expositionen mit am Ende hektisch abgehandeltete Auflösungen. Das hatte Francis definitiv besser drauf. Dramaturgisch sind seine Adaptionen durch die Bank weg besser. Gerne hätte gehört, was Francis aus der längeren Spielzeit und aus Dreier-Bänden wie FEUERMOND gemacht hätte.
31) Bill Nomis: schrieb am 22.11.2011 um 12:58:42: Im Corona Magazin ist ein schöner Artikel über Francis: http://archive.corona-magazine.de/corona257.html
32) tubbs © schrieb am 14.10.2014 um 13:11:15: HGF war viel zu wichtig, als dass dieser Thread seit drei Jahren da unten vor sich hinschlummern dürfte. Noch Meinungen?
33) Hunchentoot © schrieb am 14.10.2014 um 13:28:33: @32 H.G. Francis, der gefühlte Hörspiel-Vater. Zwar auch nicht frei von kleineren Schwächen im Stil, aber letztendlich ein großes Erzähltalent, das in den Hörspielen seine Domäne gefunden hat. Er fehlt.
34) Choronzon © schrieb am 14.10.2014 um 14:20:59: Ich habe in den letzten Wochen viel "Masters" gehört, die ich als Kind überhaupt nicht gehabt habe, ich war da ein schlimmer Purist, Sci-Fi und Low Fantasy verquickt ging gar nicht bei mir. Darum ist die Serie umso mehr ein später Quell der Freude geworden. HGF hat ja seine Themen zu der Zeit wie Ökologie, Atomkraft und vor allem die Warnung vor der Wiederbewaffnung, eben die Atomangst. Und die schimmert immer in den "Masters" durch an allen Ecken. Die vielen unkontrollierbaren Waffen und Weltvernichtungsaggregate, die Skeletor entfesselt, erheben ganz unverkrampft den Zeigefinger und geben Tiefe, jenseits der Spielzeugwerbung. Und man merkt auch, wie er in manchen Stories richtig durchatmet, wenn er mit den Figuren wüten und träumen kann, wie er will. An Orko hat er ja einen Narren gefressen, was mir erst gar nicht gefiel, aber ich habe mich an den Trulaner gewöhnt.
35) Hunchentoot © schrieb am 14.10.2014 um 14:53:48: Yo. Und in seiner Gruselserie hat er sich dann systematisch durch die klassischen und neueren Gruselfilm-Themen gearbeitet und hat sie immer wieder mit interessanten und einprägsamen Figuren sowie deren Geschichten bereichert. Es ist ein kleines Kunststück diese Themen so kindgerecht und trotzdem unverwässert umzusetzen. Nicht zu vergessen: seine Hörspiele waren nicht immer komplett schlüssig, aber niemals und zu keiner Zeit langweilig, wenn sich auch nur irgendetwas aus der Vorlage herausholen ließ. Irgendwo sagte er mal, er "lebt in den Geschichten" die er erzählt. Und das merkt man.
36) kai1992 © schrieb am 15.10.2014 um 22:49:12: Die Gruselserie ist der absolute Wahnsinn, habe erst neulich mal wieder alle durchgehört. Manchmal zwar - mir persönlich - zu trashig (einen Werwolf kitzeln und er lässt dann von einem ab?? ahja...), aber ansonsten tolle Sprecher und sehr gute Atmosphäre. Besonders gefallen hat mir auch dieses Mal wieder die Mörder-Mumie! Und auch die Episode mit dem Monster Salaün hat mir dieses Mal sehr gefallen (vllt liegt es daran, dass ich derzeit 6 Monate in Frankreich bin ).

kurz zu den Nightmare-Hörspielen: Ich finde neben dem genialen Titelstück und der sonst auch wirklich guten Musik die Hörspiele größtenteils gelungen. Also wenn ich die mit Augen zu höre und dann wieder was über die Krallen erzählt wird oder wieder so ein "Traum" kommt, in dem Freddy auftaucht, ist da auch in meinem Alter Gänsehaut angesagt. Die Sprecherliste liest sich in den meisten der ( zu wenigen) Folgen heute fast wie ein who is who der gefragtesten Sprecher.
37) Zigi © (zieglermanuel6671@gmx.de) schrieb am 12.06.2015 um 01:17:09: Ohne die Hörspiele, für die der gute H. G. Francis die Bücher geschrieben hat, würde mir echt was fehlen. Ob Gespensterschloss 1979 oder Duell mit dem Vampir etwas später, mich haben seine Geschichten als Kind gefesselt und auch extrem gegruselt, alleine obige Story und auch tödlich Begegnung mit dem Werwolf. Da brauchte ich die ???, um wieder 'runterzukommen, was auch nicht so einfach war, das die Musik ja teilweise die selbe war, und mir bei dem ein oder andern Song heute noch eine leichte Gänsehaut über den Rücken fährt. Die dem Medium Schallplatte geschuldeten Textkürzungen fielen mal überhaupt nicht ins Gewicht, z.B. beim Drachen, da wurde die Geschichte in meinen Augen sogar rasanter im Vergleich zur Buchvorlage. Beim Doppelgänger hingegen wurde das komplette Ende des Buches abgeschnitten. In diesem Fall war ich schon etwas enttäuscht, da ich das Buch lange vor dem Hörspiel kannte, und mir immer einiges fehlt. Trotzdem ist Doppelgänger als Folge nicht schlecht gemacht. Auch Perry Rhodan konnte man lesen. Ich für meinen Teil möchte nichts von dem missen, was in meinen Regalen steht, der Herr Francis wusste, in der kürze liegt die Würze. Schade, dass er nicht mehr die Gelegenheit hat, ein Script für 50 oder 60 Minuten abzuliefern, das Ergebnis hätte mich sehr interessiert.

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