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Interviews mit William Arden
+++ Sommer 2002 +++


Dreizehn Folgen der Three Investigators-Serie und das Debüt der Crimebusters-Reihe entstammen der Feder des amerikanischen Autors William Arden. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der renommierte amerikanische Kriminalschriftsteller Dennis Lynds. Er war der erste Autor, der noch zu Lebzeiten Robert Arthurs mit der Niederschrift eines drei ???-Buches betraut wurde, und von einer Pause einmal abgesehen hielt er der Serie bis zuletzt die Treue. Von 1968 bis 1986 entstanden der Teufelsberg, der lachende Schatten, die schwarze Katze, die rätselhaften Bilder, der Phantomsee, die gefährliche Erbschaft, der Tanzende Teufel, das Aztekenschwert, der Doppelgänger, das Riff der Haie, der Rote Pirat, der Automarder, das Gold der Wikinger und die Automafia. Dennis war so freundlich, uns per e-Mail einige Fragen zu beantworten. Dieses Interview bieten wir hier in der Übersetzung an; wer möchte, kann auch die englische Fassung lesen.

Wie kamst du dazu, drei ???-Bücher zu schreiben?
Ich bekam die Chance, nachdem Bob des Schreibens etwas müde geworden war, und sein Gesundheitszustand sich verschlechterte. Random House jedoch wollte mehr Bücher veröffentlichen, als Bob sich zu liefern imstande sah. Also wandte er sich an Renown Publications, die mich vorschlugen. Zu dieser Zeit kannten Bob und ich uns mehr oder weniger; deshalb hat er mich angeschrieben, und wir haben eine Zusammenarbeit vereinbart.
Warum hast du ausgerechnet "William Arden" als Pseudonym gewählt? Steckt eine Bedeutung dahinter?
Nein, eigentlich nicht. Dies war bereits mein Autorenname, den ich bei einer älteren Bücherserie für Erwachsene benutzte, und ich habe ihn mir von einem Lieferwagen abgeschaut, der in den Straßen unseres früheren Wohnorts in Montecito - einem Vorort von Santa Barbara - die Milch ausfuhr.
Hast du Robert Arthur oder gar Alfred Hitchcock persönlich kennengelernt?
Ja, ich kannte Bob Arthur recht gut, und keiner von uns hat Hitchcock jemals getroffen; der hat wirklich nichts anderes gemacht, als seinen Namen zur Verfügung zu stellen und für jedes Buch einen bestimmten Prozentsatz zu kassieren. Die Vorworte am Anfang jedes Buches stammen aus der Feder der Autoren.
Was meinst du genau mit "Ich kannte ihn recht gut"? Was darf sich der Fan darunter vorstellen? Habt ihr euch regelmäßig gesehen oder miteinander telefoniert? Gab es Briefe? Existiert vielleicht ein Bild von Robert Arthur und Dennis Lynds zusammen?
Das bedeutet, dass ich Bob Arthur einige Male in New York getroffen hatte, bevor ich überhaupt dazu gekommen bin, Bücher für die drei ???-Serie zu schreiben. Wir haben uns nicht zusammengesetzt, um an den Büchern zu arbeiten, haben aber mehrmals telefoniert oder uns auch geschrieben. Nein, leider gibt es kein solches Foto.
Noch bevor Robert Arthur sein letztes Buch für die Serie schrieb, kam der Teufelsberg von dir heraus. Hast du jemals erfahren, wie es ihm gefiel? Warst du im Nachhinein zufrieden damit?
Bob mochte den Teufelsberg sehr und meinte, es lese sich, als stamme es von ihm selbst. Auch ich war mit meinem ersten drei ???-Buch zufrieden. Es ist wohl generell so, dass das erste Buch, das man für eine bereits existierende Serie schreibt, dem Stil des Originalautors am nächsten kommt.
Bei der Arbeit an einem Crimebusters-Buch musstet Ihr Euch ja an strikte Vorgaben halten, die in einer Serienbibel zusammengefasst waren. Gab es bei der vorherigen Serie, den Three Investigators, detaillierte Angaben, wie Alfred Hitchcock darzustellen war, oder sagte man dir einfach: "Du kennst ja Alfreds Image, richte dich danach"? Was glaubst du: wie wichtig war seine Rolle in Bezug auf den Erfolg der Serie in den USA und im Ausland? Weißt du, ob er sich jemals zu der Serie geäußert hat?
In Bobs Serienbibel gab es viele genaue Angaben, aber grundsätzlich bat man mich, einige Bücher zu lesen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, einschließlich des Hitchcock-Intros. Hauptsächlich wurden detaillierte Infos zu den Jungen gegeben, wie ihre Familien lebten, der ganze Kram über den Schrottplatz, die verborgene Zentrale im Wohnwagen und die anderen wiederkehrenden Charaktere.
Im Ausland war Hitchcock offenkundig von immenser Bedeutung, und ich denke, dass dies auch hierzulande zumindest am Anfang so war. Der Wechsel von Hitchcock zu Sebastian schien der Serie eine Weile lang nicht zu schaden, aber bald danach wurden die Bücher eingestellt. (Das lag wohl hauptsächlich an einer Fülle falscher Entscheidungen und am Missmanagement bei Random House. Ich denke, sie hätten sich niemals auf das Paperback-Format beschränken sollen, das sie sich bei einer Hardy Boys-Serie abgeguckt hatten - und die ging auch den Bach runter.)
Einige Einführungen Alfred Hitchcocks ähneln einander sehr stark, zwei gleichen sich fast vollständig (Talking Skull von Robert Arthur und Singing Serpent von M.V. Carey). Haben die Autoren Hitchcocks Vorworte wirklich selbst geschrieben, oder hat das Lektorat von Random House euch das abgenommen und bereits vorhandene Texte recycelt?
Jeder Autor hat jedes Hitchcock-Vorwort selbst verfasst, später auch die Begrüßungen durch Hector Sebastian. Die Vorworte sollten unterschiedlich sein, aber denselben Stil aufweisen, also einander ähneln. Später dann wurden die Hitchcock-Vorworte vom Verlag in Sebastian-Vorworte umgewandelt - es könnte also sein, dass jemand vom Verlag eines unserer alten Hitchcock-Vorworte genommen und gegen ein Sebastian-Vorwort ausgetauscht hat.
Warst du mit M.V. Carey befreundet? Sie schrieb ja zur gleichen Zeit wie du die Bücher; hattest du den Ansporn, bessere Geschichten als sie zu schreiben? Wie hast du ihre Bücher bewertet? Wie siehst du die Handlung des Bergmonsters?
Ich habe M.V. Carey nie zu Gesicht bekommen und wusste jahrelang nicht, dass sie nur 25 Meilen von mir entfernt wohnte. Wir alle wollten bessere Bücher als beispielsweise die Hardy Boys-Serie schreiben. Mir gefielen die meisten ihrer Bücher, nicht alle. Bitte frage mich nichts über bestimmte Bücher meiner Kollegen nach so einer langen Zeit ... ohne nachzuschlagen, könnte ich über das Bergmonster nichts sagen.
Gab es Probleme mit dem Verlag? Hast du bestimmte Teile oder Themen aus deinen Büchern verändern oder gar streichen müssen?
Ständig! Nach der schwarzen Katze habe ich aufgehört, drei ???-Bücher für Random House zu schreiben. Ein Jahr lang hatte ich vergeblich versucht, Walter Retan oder Jennie Fannelli [Anm.: beide betreuten nacheinander die Serie bei Random House] von der Handlung einer neuen Geschichte zu überzeugen, also gab ich es auf. Doch ein Jahr später - vielleicht war auch mehr Zeit vergangen - mussten sie sich an mich wenden, denn Carey und West hatten Probleme. Wahrscheinlich war das Nick West, bei dem es sich übrigens in Wirklichkeit um Kin Platt handelt, der viele Bücher für Erwachsene schrieb. Sie brauchten ein neues Buch, und das DRINGEND. Glücklicherweise gefiel ihnen meine erste Idee auf Anhieb (vielleicht hatten sie keine andere Wahl), ich schrieb die rätselhaften Bilder und war wieder im Geschäft. Die Auszeit tat wohl beiden Seiten gut.
Hat es Titel gegeben, die Random House überhaupt nicht gefielen, und du hast sie verändern oder gar einen völlig anderen erfinden müssen?
So etwas kam sicherlich vor. Jennie Fanelli und ich haben bei jedem Buch heftig diskutiert, dabei waren Meinungsverschiedenheiten nicht selten - und das oftmals, bevor ich überhaupt eine Zeile zu Papier gebracht hatte. Bevor ich mit der ersten Fassung anfing, mussten alle möglichen Streitpunkte ausgeräumt werden. An einen bestimmten Titel kann ich mich im Moment nicht erinnern. Ich glaube, wir waren uns alles andere als einig bei Dead Man's Riddle, das klingt einfach nicht nach William Arden.
Leonore Puschert war die Übersetzerin fast aller drei ???-Bücher. Der Verlag gab ihr die Freiheit, vieles zu ändern, darunter auch die Titel. Dead Man's Riddle wurde zum Beispiel zur gefährlichen Erbschaft. Klingt das eher nach dir?
Nicht unbedingt, ich kann mich aber auch nicht mehr erinnern, welche Titelvorschläge mir damals durch den Kopf gingen. Du weißt ja, wir waren auch an dieses Schema mit "The Mystery / Secret of ..." gebunden.
Hast du Skinny Norris gemocht?
Ja, eigentlich habe ich ihn gemocht und baute ihn anfangs einige Male in die Geschichten mit ein. Aber er war zu eintönig, also beschloss ich, ihn in den späteren Geschichten wegzulassen. Es war im Prinzip immer das gleiche.
Basiert eine deiner Geschichten auf einem außergewöhnlichem Erlebnis? Was waren deine Inspirationen für die Bücher?
Jeder Schriftsteller hat tausend Ideen, die er in seinen Büchern verwenden will, aber nicht dazu kommt. Jeder von uns hat doch eigene spezielle Interessen, aber nach so langer Zeit kann ich dir nicht mehr sagen, welches Buch auf welcher Idee basiert. Wenn du dir aber all meine Bücher genauer anschaust, ziehen sich da doch einige rote Fäden durch - Inhalte, wie du sie in der Form nicht bei Arthur oder Carey finden wirst - zum Beispiel Geschichte, soziale Verhältnisse etc.
Hast du deiner Frau jemals erzählt, worum es in der drei ???-Geschichte geht, die du gerade schriebst? War dir an ihren Kommentaren und Ratschlägen gelegen? Und wie war es umgekehrt? Hat sie dich jemals um Anregungen oder Kritik gebeten?
Als ich die meisten drei ???-Bücher geschrieben habe, war ich mit einer anderen Frau verheiratet, und die hat sich für meine Bücher nicht interessiert - höchstens, wenn sie mal erschienen waren. Gayle ist eine Kollegin von mir, also tauschen wir uns natürlich aus.
Weißt du irgend etwas über das Hitchcock-Dilemma des Jahres 1980? Ende der 1970er Jahre hatte Hitchcock aufgehört, Filme zu drehen - auch wenn er nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein entschwunden war, so zeigte er sich doch immer seltener. Ohne Zweifel wusstet Ihr, dass er alt wurde und kränkelte, und früher oder später war mit seinem Ableben zu rechnen. War man bei Random House darauf vorbereitet? 1980 erschien kein einziges drei ???-Buch, aber mindestens eines muss doch geplant gewesen sein - vielleicht befand sich eines gerade in Druck? Musstest du dein nächstes Buch, den Purple Pirate überarbeiten? Gab es einen Moment, an dem jeder dachte: "Das war's jetzt, die Serie ist gestorben"?
Diese Fragen müsstest du Jennie Fanelli stellen. Aber ich kann mich erinnern, dass das ziemlich plötzlich akut wurde und ich gezwungen war, das Intro einer Folge umzuschreiben. Ich weiß jetzt nicht, welche das war, aber ich vermute, dass Mrs. Carey eher auf dem kalten Fuß erwischt wurde und das erste Buch mit Hector Sebastian [Anm.: Scar-Faced Beggar] schreiben musste. Du könntest dich sicherlich besser daran erinnern, als es bei mir der Fall ist. Soweit ich weiß, war ich an Sebastians Geburt nicht beteiligt, wurde aber gefragt, was ich davon halte. Ich fand das neue Rahmenkonzept gut, und die Umsetzung war weder schwieriger, noch einfacher als die Hitchcock-Vorworte. Außerdem brachte uns der Wechsel mehr Tantiemen ein, gerade bei den Verkäufen jenseits des Atlantiks. Wenn in New York auch nur irgend jemand sich Sorgen machte, als Hitchcock starb, so hat man es mir nicht erzählt.
Wart Ihr - M.V. Carey und du - in die Diskussion, wie es nach Hitchcocks Tod weitergehen sollte, mit eingebunden? Stammt die Idee, einen fiktiven Charakter, den Kriminalschriftsteller Albert Hitfield, zu erschaffen, von dir? Aber da fällt mir ein, du hattest ja bereits einen Kriminalschriftsteller in die Serie eingeführt: John Crowe, der den drei ??? im Riff der Haie begegnete, dem letzten vor Hitchcocks erschienenen Buch ... Hast du Crowe aus der Taufe gehoben, um schon mal vorzusorgen, oder war das einfach ein Spiel mit deinem anderen Pseudonym [Anm.: Dennis Lynds schrieb auch unter dem Namen "John Crowe"]? Wie stehst du zu Albert Hitfield? Hat er die Stimmung und die Atmosphäre der Serie beeinflusst? Wie beurteilst du die Art und Weise, wie in Deutschland mit dem Problem verfahren wurde: Hitchcock wiederzubeleben - egal, wie lang er schon tot ist?
Wie bereits erwähnt: ich hatte da keinen Einfluss, sondern wurde nur um meinen Kommentar und die Zustimmung gebeten. Nein, Sebastian hat meiner Meinung nach den Charakter der Serie nicht verändert; die frühe Atmosphäre, die durch eine starke Nähe zu Hollywood gekennzeichnet war, war schon nach den wenigen ersten Büchern verschwunden. Ich schätze, die deutschen Verleger haben für ihre Leser und ihren Markt die richtige Entscheidung getroffen. Offensichtlich haben sie - im Gegensatz zu Random House - alles richtig gemacht.
Warum hat Random House Marc Brandel engagiert? 
Keine Ahnung. Wie ich schon sagte: mir fiel es oft schwer, Jennie von einer möglichen Handlung zu überzeugen. Ich denke mal, man wollte einen weiteren Autor dabei haben, um in solchen Fällen flexibler zu sein. Brandels Buch über den gestrandeten Wal fand ich extrem dünn, vor allem, weil so etwas in Kalifornien ganz einfach nicht passieren kann. Man kümmert sich hier sehr um Wale und Seehunde.
Wurdest du gebeten, eine Geschichte zur Find Your Fate-Serie beizusteuern?
Nein.
In deiner Bibliographie finden wir ein Buch mit dem Titel The Mystery of the Blue Condor. Wovon handelt es?
Das ist ein kurzes kleines Buch, das sich an wesentlich jüngere Kinder wendet. Ich schrieb es für eine besondere Lehrbuchserie, die wohl bei Ginn & Co. erschien. Es ist eine ziemlich simple Geheimnisgeschichte.
Hast du deine eigenen Bücher überarbeitet, nachdem Hitchcock aus den ersten dreißig Geschichten entfernt wurde? Die einen oder anderen Ausdrücke wurden ja ersetzt und modernisiert, nicht wahr? Hat dich das gestört?
Nein, ich habe keine Zeile verändert. Irgend jemand anders, vielleicht Jennie selbst, hat sie umgeschrieben.
An welchem deiner drei ???-Bücher findest du am meisten Gefallen? Welches magst du am wenigsten?
Es gibt keinen absoluten Favoriten. Für jedes einzelne Buch musste ich mir etwas Neues, Einzigartiges einfallen lassen, und das Schreiben hat bei jedem Buch auch einzigartigen Spaß gemacht. Das Lieblingsbuch meiner Tochter ist der Rote Pirat, sie mochte den heruntergekommenen Piraten-Freizeitpark sehr. Bei keinem meiner Bücher könnte ich sagen, dass es mir am wenigsten gefällt. Jennie bei Random House war ja mit der schwarzen Katze nie so ganz zufrieden. Ich hingegen mochte das Buch sogar sehr, vielleicht weil es in ihm - verglichen mit den anderen Büchern - ein bisschen "realer" zuging.
Hast du alle anderen drei ???-Bücher gelesen? Wir fällt die Beurteilung bei den Büchern deiner Frau aus?
Klar habe ich alle anderen Bücher gelesen, und die meisten haben mir auch gefallen; nur mit den letzten von Marc Brandel konnte ich mich nie so recht anfreunden. Die Handlung des Super-Wal hätte wirklich NIEMALS in Kalifornien stattfinden können. Gayles Geschichten sind hervorragend, wenn nicht sogar gleichermaßen gut wie ihre eigenen Bücher. Sie hat schnell verstanden, worum es Random House ging, denn der Verlag war nie WIRKLICH daran interessiert, die Jungs altern zu lassen. Sie wollten das Unmögliche: äußerlich so tun, als sei die Serie überarbeitet worden, doch sie im Inneren unberührt lassen. Tja, das habe ich nie so ganz begriffen, wie man in der Automafia unschwer erkennen kann. Jennie hat danach all meine weiteren Ideen für ein Crimebusters-Buch abgelehnt - meine Plots waren zu sehr erwachsen.
Es ist schon länger her, dass du noch drei ???-Bücher geschrieben hast. Fanpost bezüglich der Serie ist im Vergleich zur Vergangenheit sicherlich seltener geworden?
Selbst als die Serie am erfolgreichsten war, schwankte das innerhalb eines Jahres - je nachdem, wann mein Buch erschien. Die Kinder wandten sich oftmals an mich, weil sie in der Schule etwas über ihr Lieblingsbuch schreiben sollten, und das war dann eines der drei ???-Serie. Guter Durchschnitt waren ungefähr zehn Briefe pro Monat. Jetzt ist das natürlich ganz anders. In den letzten zehn Jahren oder vielleicht sogar länger hat Random House ja keine neue Edition herausgebracht, bis zur Wiederveröffentlichung der ersten elf Bücher vor kurzer Zeit. Ich bezweifle, dass sie noch mehr veröffentlichen werden. Random House verfolgt nur ein Ziel: man will vermeiden, dass die Rechte an Bob Arthurs Büchern an dessen Sohn und Tochter zurückwandern.
Wenn du bedenkst, dass bei uns immer noch neue drei ???-Bücher auf den Markt kommen, ist es für dich nicht ein bisschen traurig, keine drei ???-Geschichten mehr schreiben zu können?
Traurig ist nicht der richtige Ausdruck, ich habe jede Menge anderer Schreibarbeit, die mir Freude bereitet. Meiner Meinung nach verpasst der deutsche Verlag jedoch eine ganze Menge, indem er Gayle und mich keine neuen drei ???-Bücher schreiben lässt. Bin ich nicht immerhin der Nachfolger von Robert Arthur, und von den älteren Autoren als einziger noch am Leben? Gayle ist mit ihren eigenen Büchern vollauf beschäftigt.
Gibt es Kontakte zwischen den Nachfahren Robert Arthurs und der Familie Lynds?
Elizabeth Arthur hat mich ein paar Male wegen diverser Fernseh- und Filmprojekte kontaktiert, aber bei mir ist die Situation rechtlich gesehen anders als ihre. Sie hält die Rechte an den Charakteren; deshalb muss Franckh-Kosmos ihr auch für jedes neue Buch Tantiemen zahlen. Mal ganz ehrlich, ich habe keine Rechte an irgend etwas aus der Serie. Alle Autoren, auch Bob, arbeiteten für Random House, und die besitzen die Rechte an den Geschichten, nicht die Autoren. Bei Neuveröffentlichungen meiner Geschichten bekomme ich Geld, aber ich bin an keinerlei Rechten beteiligt - außer bei der Veröffentlichung meiner eigenen Bücher im Ausland.
Apropos Fernsehen und Film: es gibt immer wieder Gerüchte, dass eine drei ???-TV-Serie erscheinen könnte. Vor allem die Crimebusters-Serie erweckt in ihrer Form und ihren Inhalten den Eindruck, als habe Random House von Beginn an eine TV-Serie eingeplant und die Bücher so angelegt, dass sie problemlos adaptiert werden konnten?
Verschiedene Pläne für drei ???-Fernseh- und Filmprojekte kamen und verschwanden immer wieder - das ging jahrelang so. Konkret waren diese Planungen durchaus, aber es wurde niemand gefunden, der bereit gewesen wäre, Geld in die Sache zu investieren und sich einen professionellen Produzenten zu angeln. Letztes Jahr hat mich ein Mann bezüglich eines Fernsehserien- und/oder Filmprojektes kontaktiert. Er war grundgütig, enthusiastisch, voll bei der Sache und brannte förmlich darauf, mich zum Essen einzuladen und mir seine Ideen zu unterbreiten. Ich wiederum habe ihn beraten und ihm versichert, dass ich jederzeit gerne mit ihm zusammenarbeiten würde - gegen Bezahlung. Das war das letzte, was ich von ihm gehört habe. Eines Tages wird es vielleicht so weit sein, aber es bedarf eben eines erfahrenen Produzenten, der das nötige Geld oder die nötigen Beziehungen hat. Über den aktuellen Stand der Dinge kann ich nichts sagen, ich bin da wohl der letzte, der es erfährt. Wie schon erwähnt, besitze ich ja nicht die Rechte an der Serie, von den Wiederveröffentlichungen mal abgesehen. Wenn da jemand ein Wörtchen mitzureden hat, dann sind das Elizabeth Arthur und ihr Bruder - und Random House.
Was denkt Ihr über die Hardy Boys und die anderen populären Buchserien des Stratemeyer Syndicate?
Gayle hat sie als Kind gelesen, insbesondere Nancy Drew, aber ich seltsamerweise niemals. Tom Swift und Bomba the Jungle Boy lagen mir eher, aber da bin ich auch schnell rausgewachsen. Aus erwachsener Sicht sind die Hardy Boys simpel gestrickt, nicht sehr fantasieanregend und überhaupt nicht gut geschrieben.
Ich habe nun bezüglich der rätselhaften Bilder eine Frage, die mir am Herzen liegt. In dieser Folge wird das Bild des Malers François Fortunard gesucht, welches doch große Ähnlichkeiten mit Franz Marcs Gemälde Turm der blauen Pferde aufweist. Hattest du beim Schreiben dieser Folge tatsächlich dieses Bild vor Augen? Es galt in der Tat seit 1945 als vermisst. Dabei ist nicht bekannt, ob es in Berlin im Zweiten Weltkrieg vernichtet oder gestohlen wurde.
Du hast vollkommen recht, ich dachte damals ganz genau an dieses Bild. Franz Marc war und ist immer noch einer meiner Lieblingsmaler. Jahrelang hatte ich einen Druck dieses Bildes in meinem Haus hängen. Eigentlich liebte ich all die Arbeiten des Blauen Reiters - Marc und Kandinsky -, aber während Kandinsky damals im Vergleich zum früh verstorbenen Marc schon recht bekannt war, wurde Marc mein Lieblingsmaler. Nach so langer Zeit habe ich ganz vergessen, dieses Bild als Vorlage benutzt zu haben.
Die drei ??? genießen hier ja sehr große Beliebtheit. Dabei zählt deine Folge gefährliche Erbschaft zu den absoluten Favoriten und wird in Fankreisen auch oft die "heilige 17" genannt (17 wegen der Folgennummer des entsprechenden Hörspiels). Ich persönlich favorisiere ja eher den Phantomsee.
Vielleicht ist der Cockney Slang einer der Gründe dafür. Ich habe ihn von meinem Vater gelernt, der ein echter Londoner war. [Anm.: Dass die Übersetzerin Leonore Puschert den Cockney Slang, dem im amerikanischen Original eine entscheidende Rolle zur Entschlüsselung der Rätsel zukommt, nicht in die deutsche Fassung hinüberretten konnte, ist ihm wohl nicht klar ...] Den Phantomsee mag ich auch, wegen dieser Aura der Schottischen Highlands.
Was sagst du zu den amerikanischen Cover-Illustrationen der Bücher im allgemeinen? Gibt es da auch ein Lieblingscover?
Die amerikanischen Cover tendieren oft zur Phantasielosigkeit - letztlich führen sie den Betrachter in die Irre, eben weil sie so realistisch gezeichnet sind. Zum Beispiel das Pferd ohne Kopf im Aztekenschwert. Es wäre in diesem Fall wesentlich besser geworden, wenn der Kopf in Nebelschwaden verschwommen wäre. Es ist komisch, aber mein Lieblingscover ist mein letztes, das Gold der Wikinger. Aber den lachenden Schatten und den Tanzenden Teufel mochte ich auch. Der Rote Pirat gefällt mir auch sehr.
Was ist deine Meinung zu den deutschen Cover-Illustrationen von Aiga Rasch?
Alle deutschen Cover-Bilder sind sehr gut, wahrscheinlich sogar besser als die amerikanischen, und besonders der Tanzende Teufel hat es mir angetan. Sie sind weitaus moderner, als hätte die Zeichnerin ein Faible für Bauhaus. [Anm.: Das muss man sich im Originalton auf der Zunge zergehen lassen: "They are more modern, sort of Bauhaus influenced."]
Wir wissen sehr wenig über die Verkaufszahlen der Serie. Ihr habt ja aus allen Länden Prozente erhalten, also könnt Ihr das vielleicht beurteilen: In welchem Land wohnten die größten Fans?
Unseren Tantiemen nach zu urteilen, ist das wirklich einfach: Deutschland! Dahinter kam wohl England, dann Frankreich.
Hattest du schon mal das Vergnügen, nach Deutschland zu kommen?
Leider war mein einziger Aufenthalt in Deutschland weniger erfreulich, das war Dezember 1944/Januar 1945 als achtzehnjähriger Soldat der 12ten amerikanischen Division. Für eine lange Zeit hatte ich kein Bedürfnis wieder zurückzukehren, obwohl meine eigentliche Zweitsprache tatsächlich Deutsch ist, da kann ich aber kaum noch was. [O-Ton: "… even though my supposed second language is German, of which I now know sehr klein."] In vergangenen Jahren war ich mehrmals in Frankreich und England, weil man mich eingeladen und die Kosten übernommen hatte, aber mein deutscher Verlag Ullstein, für den ich als Michael Collins Bücher schreibe, hat mich bislang nie eingeladen. Ich komme schon noch mal vorbei.
Die Fragen stellte das Team der rocky-beach.com. Übersetzung aus dem Amerikanischen: Matthias Bogucki und Sven Haarmann.
Weiterführende Links:
www.dennislynds.com
Michael Morley: Dennis Lynds. An Interview with a Juvenile Series Author (1995)
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