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Interviews mit Leonore Puschert
+++ Frühjahr 2004 +++


Leonore Puschert zählt gemeinsam mit Aiga Rasch zum Urgestein der drei ???-Serie: von 1968 bis 1992 übersetzte sie insgesamt 53 (sprich: fast alle) Three Investigators-Geschichten aus dem Amerikanischen und lieferte somit natürlich auch die Vorlagen für H.G. Francis' Hörspieldrehbücher: vom ersten (Gespensterschloß) bis zum letzten amerikanischen Original (Angriff der Computer-Viren). Sie selbst sieht sich als "Vermittlerin" und weist die Bezeichnung einer "heimlichen Autorin" zurück - Understatement pur, prägte sie doch die Serie hierzulande maßgeblich, indem ihre Formulierungen im Laufe der Jahre im deutschen Sprachraum millionenfach verbreitet wurden und sich ins kollektive Gedächtnis mehrerer lesender und hörender Generationen bohrten. Nachdem wir sie ausfindig gemacht hatten, erklärte sich Leonore Puschert freundlicherweise dazu bereit, uns im persönlichen Gespräch einige Fragen zu beantworten.

Die Frage, welche wohl die meisten Fans beschäftigt, betrifft den Wechsel des Serientitels "The Three Investigators" zu "Die drei ???". Wie kam es zu dieser Änderung?
Mit der wörtlichen Übersetzung "Die drei Detektive" haben wir uns nicht anfreunden können. Wir dachten, dass das einfach nicht so gut klingt. Und dann sind wir auf die Inhalte der ersten Folgen eingegangen, und in diesen benutzten die drei Jungs ab und zu ihre Kreide, um Fragezeichen zu malen: einer rot, einer blau, einer weiß. Die Fragezeichen sind unverwechselbar, und somit konnten sie gut von anderen Detektivserien unterschieden werden. Darüber hinaus waren die drei Fragezeichen ja auch auf der Visitenkarte, die sie oft verstreut haben. Wer aber explizit die zündende Idee hatte, die Jungs nach diesen Fragezeichen zu benennen, weiß ich leider nicht mehr. Ich würde mich aber erinnern, wenn es meine gewesen wäre. Wahrscheinlich läuft es auf das Lektorat hinaus.
In Ihrer Übersetzung benutzen die drei ??? Kreidestifte mit den Farben weiß, rot und blau. Im US-Original sind es jedoch die Farben weiß, blau und grün. Verband man mit diesem Farbwechsel eine Anlehnung an die Farben der Nationalflagge des Herkunftslandes der Serie, nämlich den USA, oder hatte dies einen anderen Grund?
Also, diese Entscheidungen wurden vor über 35 Jahren getroffen. Da fällt es einem nicht immer leicht, sich an alle Details und Entscheidungsträger zu erinnern. Jedoch weiß ich noch recht gut, welchen Arbeitsanteil ich an dieser Serie hatte, und die Farbänderung gehörte sicherlich nicht dazu. Das müsste ich noch wissen.
Lesern der US-Originale fallen sofort markante Änderungen der Namen der Charaktere auf. Aus Jupiter Jones wurde Justus Jonas, Pete Crenshaw wurde in Peter Shaw umgewandelt, und die Schrottplatzgehilfen wechselten neben ihren Namen auch die Nationalität. Des weiteren ordnete man zahlreichen Nebenfiguren neue Namen zu. Aus welchem Grund wurden diese Veränderungen vorgenommen?
Das ist alles vom Lektorat ausgegangen! Denn ich habe niemals solche Vorschläge vorgebracht und gesagt: "So, Leute, dies und das wird jetzt verändert!" Ich persönlich hätte lieber alles so originalgetreu gehabt, auch die Namen. Ich habe auch andere amerikanische Bücher für Kosmos übersetzt; damals musste ich auch komplett die Namen eindeutschen. Ich habe dann trotzdem immer wieder versucht, Namen zu finden, die nicht so ganz germanisch klangen. Zum Beispiel wurde einmal aus "Jones" der Name "Hansen". Man kann aber ruhig sagen, dass vor allem in den 1970er und 1980er Jahren beim Verlag eine starke Tendenz vorherrschte, die Personennamen einzudeutschen.
Wurde Jupiter Jones in Justus Jonas umgetauft, weil er der Namensvetter des deutschen Reformators und Freundes Martin Luthers werden sollte, oder gab es andere Gründe, die für "Justus Jonas" sprachen?
Ich muss gestehen, dass mir in den 1960er Jahren, als über den neuen Namen für Jupiter Jones verhandelt wurde, der Reformator Justus Jonas nicht bekannt war, und dem Lektorat wahrscheinlich auch nicht. Ich habe erst im Nachhinein von seiner Existenz erfahren. Aber man hat gesagt: "Jupiter, das ist doch kein Name für einen Jungen." Also hat man Ersatz gesucht. Oh, hätte man das damals nur gelassen. Heutzutage ist alles voller fremdländisch und exotisch klingender Namen, und die Leute gehen problemlos damit um. Naja, aber es ist nun mal passiert. Und heute wäre der Name "Jones" überhaupt kein Problem mehr. Und "Crenshaw" zu "Shaw" zu machen, also das ist wirklich brutal. Ich habe mich damals nicht gesträubt, sondern die Vorgaben gehorsam angenommen und meine Übersetzungen gemacht. Ich war am Anfang nicht sonderlich traurig darüber, hinterher ist es erst gekommen: "Mensch, hätten wir doch bloß nicht dies und das verändert!" Die Namen waren ja nicht unaussprechlich, sondern alle in Englisch. Ja, das ist wirklich schade.
Gibt es noch weitere Übersetzungen, die Sie heute auf jeden Fall anders machen würden?
Die Handhabung des Begriffs "Junk Yard" hat mich im Nachhinein sehr geärgert. Irgendwann hat sich der Begriff "Schrottplatz" verfestigt, aber "Junk Yard" heißt übersetzt ja nicht "Schrottplatz". Vielleicht habe ich das einmal so geschrieben und musste mit diesem Konzept weiterfahren.
Der riskante Ritt ist bei den Fans nicht nur wegen eines der sehr wenigen Todesfälle innerhalb einer drei ???-Folge im Gespräch, sondern auch wegen des mysteriösen Auftauchens von "Hector Sebastian", dessen Name zuvor in allen anderen deutschen Büchern entweder in Albert Hitfield oder Alfred Hitchcock umgewandelt worden war. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Diese Tatsache ist mir bis jetzt nicht bekannt gewesen. So einen gravierenden Fehler kann ich mir eigentlich nicht erklären. Ich hatte während meiner Übersetzerarbeit für die drei ???-Reihe von 1966 bis 1991 immer Bücher zum Übersetzen da, wie am Fließband. Tja, eine Ungehörigkeit, die wohl keiner im Lektorat bemerkt hatte. So was! Diese Stelle werde ich garantiert daheim nachschlagen und sie mir angucken.
Könnten Sie etwas zu der damaligen Redaktionsarbeit sagen? Inwiefern hatten Sie Vorlagen, und wie groß waren Ihre Freiheiten etwas zu verändern?
Ich hatte freie Hand, was die Sprache und Dialoge anbelangte. Ich musste nicht am Wort kleben, und es wurde auch relativ wenig verändert. Bei größeren Sachen, wie zum Beispiel der Wechsel zu Albert Hitfield, haben wir uns sicherlich ausgetauscht. Entweder per Brief, oder ich war im Verlag selbst. Und bei manch anderen wollte der Verlag explizit Veränderungen - zum Beispiel war es nicht erwünscht, fiktive Staaten wie Varania beizubehalten. Es war eine Heidenarbeit, die Details abzuändern, aber die Konzepte stammen alle von mir, und sie wurden dem Verlag in Stuttgart präsentiert und anschließend auch komplett übernommen. Und schwierige Übersetzungsfälle, wie zum Beispiel die Rätsel im Super-Papagei, mussten auf ihre Veröffentlichung warten.
Warum haben Sie sich entschieden, Varania in eine schwedische Kolonie umzuwandeln? Haben die Magnuswerke eine spezielle Bedeutung?
Bei dieser Sache habe ich total meine Fantasie spielen lassen. Die Magnuswerke existieren natürlich nicht. Wieso ich Schweden und nicht ein anderes Land dafür genommen habe, ist ganz simpel: ich habe als junges Mädel eine Zeit lang in Schweden gelebt, so dass es dazu einen persönlichen Bezug gibt. Meine persönliche Vorliebe eben ...
Dürfen wir also auch einen privaten Bezug zu Rumänien - als Namensänderung von Lapathia - erwarten?
Nein, nein, ich habe heute zwar Verbindungen mit Leuten aus Rumänien, Siebenbürgern, aber diese gab es zu damaliger Zeit überhaupt nicht. Das ist völlig frei entstanden. Ich kann mich noch erinnern, wie ich den Brockhaus gewälzt habe, um nach rumänischen Namen zu suchen, die schön klingen. So kam ich zum Beispiel zu dem Namen Radulescu.
Einen gravierenden Unterschied findet man auch zwischen der Erstauflage des Karpatenhund und allen darauffolgenden Auflagen. Die Erstauflage orientiert sich durchgehend am US-Original, während sich der Inhalt ab der 2. Auflage stark ändert, und vor allem die übernatürlichen Elemente verschwinden [siehe Textvarianten: Karpatenhund (Sammlerfälle)]. Wer war für diese Änderungen verantwortlich?
Ja, da werden ganz dunkle Erinnerungen wach. Das muss wohl ich gewesen sein, aber auf Anweisungen vom Verlag. Denn ich selber habe mir so etwas nicht ausgedacht. Ich bekam meine Übersetzungsaufträge und habe mich damals nicht groß eingemischt. Ich hatte immer auch vieles andere zu tun, in der Familie und bei der hauptberuflichen Arbeit, so dass die Zeit für die drei ??? sehr überlegt eingeplant werden musste. Ich habe mich sehr wohl mit der Serie identifiziert, lehnte es jedoch stets ab, bei Entscheidungen mitzudiskutieren, oder sich gar zu streiten. Ich habe gemacht, was man von mir verlangte. Solange man mich bei der Textgestaltung in Ruhe ließ, war es für mich okay. Mein erstes Buch, das ich für Kosmos übersetzt habe, war ein modernes Jugendbuch im Jahr 1959. Die damalige Lektorin Schittenhelm hat in meinem Text extrem vieles geändert, und ich konnte ihre Entscheidungen nicht nachvollziehen. Das hat zum Glück das Lektorat Jugendbücher bei den drei ??? nie getan. Zurück zum Übernatürlichen: Die Tendenz beim Verlag war eben immer, dass es keine Geister, Gespenster und übernatürliche Phänomene gibt.
Wurde wegen der inhaltlichen Veränderungen bei Random House oder den Autoren um Erlaubnis gebeten, oder sind diese einfach bei Franckh auf eigene Faust beschlossen worden?
Da bin ich auf jeden Fall die falsche Person, die gefragt wird. Das ist mir wirklich nicht bekannt.
Erst kürzlich wurden bei uns auf der rocky-beach.com alle Änderungen festgehalten, die bei den Büchern im Zeitraum von 1977 bis 1979 vorgenommen wurden [siehe Redigierte Fassungen (Sammlerfälle)]. Wie kamen diese zustande, und wer war dafür verantwortlich?
In diesem Zeitraum wurde ich vom Verlag gebeten, alle bisher erschienenen Bücher noch einmal durchzulesen, alle Fehler zu beseitigen und eventuell Veränderungen durchzuführen. Ich bin nur für die wenigsten Kategorien, die auf der rocky-beach.com aufgeführt sind, verantwortlich zu machen; mit der Änderung der Anführungsstriche habe ich genauso wenig zu tun wie mit der Reduzierung der Seitenzahlen, und mit dem kompakteren Satz habe ich auch nichts zu tun. Ich habe lediglich die aufgezwungene Eindeutschung wieder etwas rückgängig gemacht, und deshalb wurde aus GebrauchtwarenZENTRUM ein GebrauchtwarenCENTER - ein Begriff aus dem Englischen, der aber im deutschen Sprachgebrauch nicht fremd ist. Das war mein persönlicher Wunsch.
Das neue Konzept der Find Your Fate-Serie dürfte dem Verlag auch nicht gefallen haben. Wissen Sie, warum zwei Folgen dieser Serie (The Case of the House of Horrors und The Case of the Savage Statue) nie übersetzt wurden, oder haben Sie sie übersetzt, und der Verlag hat sich im Nachhinein gegen die Veröffentlichung entschieden?
Bei den Find Your Fate-Büchern habe ich noch mehr geschwitzt, als bei den fiktiven Kleinstaaten. Denn ich musste aus diesen US-Büchern eine durchgehende Handlung herstellen. Das war schwierig, und ich habe diese Arbeit - obwohl ich sie als Herausforderung ansah - oft genug verflucht. Zu der Zeit gab es auch viele Brettspiele, die auf dem gleichen Konzept mit vielen Ausgangsmöglichkeiten basierten.
Die anderen zwei Bücher wurden definitiv niemals übersetzt. Diese kamen Ende der 1980er Jahre heraus, also das müsste ich noch ganz genau wissen. Der Verlag hat mich wegen dieser zwei Folgen auch niemals angesprochen. Sie waren mir nicht mal bekannt, so dass diese Bücher bereits im Lektorat auf Ablehnung gestoßen sind. Es war nicht meine Idee, diese beiden Folgen nicht zu übersetzen. Mir wurden die jeweils neu erschienenen Folgebände vom Verlag zur Beurteilung, ob sie für die deutschen Leser zur Übersetzung geeignet sind, zugeschickt. Aber das war bei den letzten Find Your Fate-Büchern nicht der Fall.
Haben Sie also Shoot the Works als einziges nichtübersetztes Crimebusters-Buch auch nicht zu Gesicht bekommen?
Korrekt, die Existenz dieses Buches war mir nicht bekannt. Ich hatte von diesem Buch weder etwas gehört noch gesehen. Das heißt wohl, dass der Verlag sich wahrscheinlich im Vorfeld gegen das Buch entschieden hat, und es gar nicht an mich weitergeleitet wurde.
Würden Sie sich als heimliche Autorin bezeichnen? Immerhin hatten Sie als Übersetzerin die Macht, die verschiedenen Sprachen und Schreibstile der amerikanischen Autoren zu vereinheitlichen?
Nein, ich bin lediglich die Vermittlerin zwischen den Sprachen gewesen. Aber als die Serie bei Random House eingestellt worden war, und Kosmos sich dazu entschlossen hatte, sie mit neuen deutschen Folgen am Leben zu erhalten, wurde ich gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, nach jahrelanger Arbeit als Übersetzerin ein oder gleich ein paar Bände für die Serie selber zu schreiben. Ich habe aber dankend abgelehnt, weil ich voll berufstätig war. Das erste Skript von Frau Henkel-Waidhofer wurde dann aber an mich weitergeleitet, und ich habe es damals redigiert, damit es zum traditionellen Stil der drei ??? passt. Da habe ich auch viel dran machen müssen. Ob meine Ergänzungen, Veränderungen und Streichungen übernommen wurden, weiß ich heute gar nicht mehr. Das war aber auch das einzige deutsche Buch, das ich bearbeitet habe und bei dem ich Lektorin spielen durfte. Um ehrlich zu sein, ich hatte damals große Zweifel, ob das deutsche Konzept aufgeht, aber anscheinend hat es ja geklappt. Die restlichen Bücher habe ich zwar vom Verlag bekommen, habe sie aber nie gelesen. Lediglich die Exposés habe ich gelesen, und ich muss sagen, dass die neue Autorin eine blühende Fantasie gehabt haben muss. Erst als die neuen jungen Autoren zum Zuge kamen, las ich die neu erschienenen Bände immer mit Vergnügen.
Sie haben also die Übersetzungen stets parallel zu Ihrem Job in Ihrem Familienunternehmen angefertigt?
Die Übersetzungsarbeit für Franckh fing an, als ich selbst im Verlag beim Lektorat für Kinder- und Jugendbücher beschäftigt war, damals war ich noch gar nicht in unserem Unternehmen tätig. Zum Verlag kam ich 1958, nachdem ich mit meinem damaligen Job unzufrieden gewesen war und auf eine Anzeige in der Stuttgarter Zeitung: "Verlag sucht Lektoratsassistentin" geantwortet hatte. Ich konnte in einer Prüfung meine zwei Konkurrentinnen ausstechen und habe mich riesig gefreut, als ich übernommen wurde. Nach zwei Jahren ging ich aber für eine Weile ins Ausland, unter anderem in die USA und nach Schweden. Aber die Verbindung zu Franckh als freie Mitarbeiterin blieb immer erhalten. Ich durfte eingesandte Manuskripte rezensieren oder Kinder- und Jugendbücher aus dem Englischen und Schwedischen ins Deutsche übersetzen. Dann kam irgendwann die Lektorin auf mich zu. Wir kannten uns bereits aus der Zeit, als ich bei Kosmos angestellt war. Als ich beim Verlag anfing, war sie zwar noch nicht dabei, sie ist dann aber später eingetreten, nachdem ich wiederum den Verlag verlassen hatte. Wir behielten Kontakt, und irgendwann hat sie mich wegen der drei ??? kontaktiert. Ich kann mich erinnern, dass sie schon damals der Meinung gewesen war, diese Serie könnte mein Lebenswerk sein.
Dieser Optimismus überrascht, denn im überhaupt ersten deutschen drei ???-Buch wird im Abschlusskapitel die Einführung des zweiten Falls der drei ??? - im Gegensatz zum US-Original - weggelassen.
Oh, die Lektorin war definitiv vom Erfolg überzeugt! Sie hat gewusst, dass Random House eine Serie plant. Okay, dass sie über Jahrzehnte hinweg Erfolg haben würde, damit hat wirklich keiner gerechnet. Sie hat mir aber ausdrücklich erklärt, dass das Gespensterschloss nicht eine einmalige Übersetzungsbestellung wäre, sondern dass ich mit mehr rechnen könnte.
Haben Sie eine Lieblingsfolge und einen Lieblingsautor?
Die Geisterinsel fand ich wirklich sehr nett. Und von den neueren Büchern würde ich den riskanten Ritt hervorheben. Und ganz besonders auch das letzte Buch der Originalserie, Angriff der Computer-Viren. Einen Lieblingsautor habe ich nicht, und bei den Übersetzungen gab es auch keine Vorlieben. Was ich im übrigen sehr schade finde, ist die Tatsache, dass die Illustrationen der amerikanischen Originalausgaben nicht übernommen wurden. Da gab es gekonnte Charakterskizzen der drei ??? und witzige Porträts von Tante Mathilda, und zum Beispiel im rasenden Löwen sind auch tolle Bilder zu finden.
Existiert heute noch Kontakt zum Verlag?
Nein, mittlerweile überhaupt nicht. Ich erhielt aber immer wieder Sendungen mit den Neuerscheinungen, also die drei ???-Bände der deutschen Autoren und die Die drei ??? Kids-Bände. Das hat mich jedesmal sehr gefreut.
Was ist Ihre heutige Einstellung zur Serie?
Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass es so ein allgemeines und langwährendes Interesse an dieser Serie geben könnte. Ich war schon traurig, als es zu Ende ging, denn ich hätte gern und mit Freude weitergemacht. Andererseits hatte ich immer auch viele andere Sachen zu tun. Bei den Übersetzungen war ich immer am Franckh-Verlag gekoppelt, so dass es auch keine anderen Angebote gab. Die drei ??? ist eine ganz besondere Serie, und mir fällt auch keine andere Serie ein, die im Ursprungsland wegen Erfolglosigkeit eingestellt wurde, um dann in deutscher Sprache mit solch einem Erfolg weitergeführt zu werden.
Zu guter Letzt: Wessen Idee war es, den Text der deutschsprachigen Bücher durch die Kommentare Alfred Hitchcocks zu ergänzen? Waren Sie Alfred Hitchcocks Ghostwriterin?
Nach meiner Erinnerung war das die gemeinsame Idee vom Lektorat und von mir, ausgehend von den Hitchcock-Kommentaren in der amerikanischen Originalausgabe des von mir als erstes Hitchcock-Buch - also noch vor der Reihe Die drei ??? - übersetzten Titels Alfred Hitchcock's Solve Them Yourself Mysteries (Inhalt: 4 Krimi-Stories), erschienen bei Random House im Jahre 1963. Die deutsche Ausgabe bei Franckh erschien 1966 unter dem Titel Wer war der Täter?, in späteren Ausgaben lautete der deutsche Titel Alfred Hitchcock's Krimi-Box - 4 spannende Jugendkrimis zum Selberlösen. In dieser deutschen Übersetzung übernahmen wir die vom US-Autor zwischengeschalteten Kommentare des Alfred Hitchcock. Hier stammen die Texte also nicht von mir und wurden von mir lediglich übersetzt.
Wie gesagt, diese witzigen Tipps und Hinweise von Hitchcock gefielen uns, so dass wir das Verfahren für die Bände der Reihe Die drei ??? übernommen und in allen von mir übersetzten Büchern weitergeführt haben. Die "strategischen" Überlegungen (an welcher Stelle werden die Kommentare eingebaut, worauf sollen sie den Leser aufmerksam machen oder auch mal hinters Licht führen?) und die Formulierung der Einschaltungen stammen von mir. Ich hatte hier freie Hand, und vom Lektorat gab es niemals Kritik oder Änderungen. Diese zusätzliche Aufgabe hat mir immer sehr viel Freude gemacht! Also war ich ja doch eine "heimliche Autorin"!
 
Die Fragen stellte das Team der rocky-beach.com.
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